Mainzer Marktfrühstück: Veranstalter rechnen mit Rückgang der Besucherzahlen

Ladenbesitzer sind angesichts der vielen Menschen entsetzt, Winzer stehen jeden Samstag vor Müllbergen. Die Stadt jedoch hält weiter an dem Großevent Marktfrühstück fest – und rechnet jetzt mit rückgehenden Besucherzahlen.

Mainzer Marktfrühstück: Veranstalter rechnen mit Rückgang der Besucherzahlen

Begeistert wirbt die Stadt Mainz auf ihrer Webseite für das Marktfrühstück: „Mainzer Weine, direkt vom Erzeuger genießen – im Herzen der Stadt, auf einem der schönsten Wochenmärkte Deutschlands: Das alles können Sie beim Mainzer Marktfrühstück.“ Seit zwei Monaten nun sind die Mainzer Winzer nach coronabedingter Pause wieder mit ihren Ständen samstags in der Altstadt. Und das Marktfrühstück ist so populär wie kaum zuvor.

„Die Besucherzahlen zeigen, dass die Veranstaltung nach wie vor bei vielen Mainzer:innen sowie Gästen aus Nah und Fern sehr beliebt ist“, sagt auch die Mainzer Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (CDU) gegenüber Merkurist. Dass es „extrem gut besucht“ sei, komme jedes Jahr zu Saisonbeginn vor.

Lärm und Müll

Die Ladenbesitzer indes sind wenig begeistert von den vielen Menschen, die seitdem jede Woche an ihrem eigentlich verkaufsstärksten Tag den Weg zu ihren Geschäften versperren. Sie planen nun sogar eine Klage. Denn zum einen bleiben ihnen die Kunden weg, zum anderen würden die Besucher jede Menge Lärm und Müll verursachen „Wir haben alle in keinster Weise etwas gegen das Marktfrühstück, aber nicht in dieser Form“, sagt etwa Jana Blume, Betreiberin eines Vintage-Geschäfts in der Fischtorstraße (wir berichteten).

Die Klage der Ladenbetreiber würde sich gegen den Veranstalter richten, also die Mainzer Winzer selbst. „Leider, aber anders werden wir von der Stadt nicht beachtet, wir werden schlichtweg ignoriert“, so Blume. Manuela Matz widerspricht dem: „Die Mainzer Winzer, die Veranstaltungsleitung und auch das Ordnungsamt sind im ständigen Dialog mit den Gewerbetreibenden. Die Kritikpunkte wurden ernst genommen und es wurde bereits an zahlreichen Stellen durch konkrete Maßnahmen entsprechend nachgesteuert“, erklärt sie. So sei etwa mehr Security-Personal im Einsatz, mobile Musiklautsprecher würden umgehend unterbunden.

Der Vollzugsdienst der Stadt habe die Lage „sehr gut im Griff“, sagt auch Christina Boller-Petry, Projektleiterin der Mainzer Winzer. Es würde vermehrt Streife gelaufen, laute Musik würde nun tatsächlich kontrolliert. „Lautsprechermusik hat auf diesem Platz einfach nichts zu suchen.“ Auch wisse sie, „dass Lachen und die Gespräche der Besucher einen gewissen Lärmpegel erzeugen“. Das Sicherheitspersonal würde der Veranstaltungsleiter zudem je nach Bedarf anpassen. Es gebe auch die Möglichkeit, den Ausschank zu schließen, sollten die Marktbeschicker nicht abfahren können. Denn anders als der Markt, der um 14 Uhr schließt, haben die Weinstände bis 16 Uhr geöffnet. Ein Flatterband kennzeichne außerdem den Bereich zwischen Ausschank und den anliegenden Geschäften, ergänzt Matz. Sieben Toiletten seien inzwischen fußläufig erreichbar, zusätzlich zu den öffentlichen.

200 bis 300 Fremdflaschen

Außerdem sei die Zahl der Mülltonnen aufgestockt worden. Denn glücklich über die „Müllberge, die hinterlassen werden“, seien auch die Winzer nicht. Nach dem Marktfrühstück würde der Platz aber stets „besenrein“ verlassen. „Es kommt nicht selten vor, dass 200 bis 300 Fremdflaschen – auch Spirituosenflaschen – der Marktfrühstücksbesucher von den Winzern eingesammelt und entsorgt werden“, berichtet die Winzerin. Über die sozialen Medien hätten die Winzer dazu aufgerufen, sich angemessen zu verhalten. Das sei auf sehr großen Zuspruch gestoßen.

Durch einen neuen Ausschankort des Weinprobierstands am Rheinufer wurde versucht, das Ganze zu entzerren, doch das habe bisher noch nicht den gewünschten Zuspruch gefunden. „Wahrscheinlich ist der Standort etwas zu weit vom Marktfrühstück entfernt“, so Boller-Petry. Nun soll als zusätzliches Ausweichangebot ein Weinstand auf dem Leichhof vorerst regelmäßig betrieben werden.

Verbessert sich die Situation?

Die Winzer wie auch Wirtschaftsdezernentin Matz gehen jedoch davon aus, dass mit Start der Außenveranstaltungen und Weinfeste nun die Besucherzahl auf dem Marktfrühstück abnehmen werde. „Eine Besserung ist in den letzten zwei Wochen zu sehen“, so Boller-Petry. Auch Matz sagt: „Die Veranstaltung verläuft seit den letzten beiden Samstagen unseres Erachtens besser.“ Zurückzuführen sei das auch auf die verbesserte Kommunikation untereinander.

Für die Ladenbesitzer indes bringen weder Flatterband noch eine Aufstockung der Mülltonnen besonders viel. Laufkundschaft könne trotzdem nicht zu den Geschäften durchkommen. Jana Blume etwa schlägt vor, die Veranstaltung ähnlich wie am Winterhafen zu regulieren. Doch Matz winkt ab: „Die Situation am Winterhafen ist nicht mit der ‘Situation Marktfrühstück’ zu vergleichen, da es sich bei letzterem um eine organisierte und geplante Veranstaltung handelt.“ Doch Blume werde nicht aufgeben, auf eine für alle verträgliche Lösung zu pochen. „Denn sonst wird die Innenstadt bald ausgestorben sein, weil Läden schließen müssen.“

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