Atemwegsviren bringen Kinderstationen derzeit an ihre Grenzen

Überdurchschnittlich viele Kinder sind derzeit an Atemwegsinfektionen erkrankt. Sowohl das RS-Virus als auch die Influenza bringen die Kliniken an den Rand ihrer Kapazitäten. Wie ist die Situation in Mainz?

Atemwegsviren bringen Kinderstationen derzeit an ihre Grenzen

Kinderkliniken sind kurz vor dem Kollaps, Kinderärzte schlagen Alarm: Das seit Wochen grassierende Respiratorische Synzytial-Virus (RS-Virus) bringt die Mediziner seit einigen Wochen deutschlandweit an ihre Grenzen. Hinzu kommen ungewöhnlich viele Fälle der Influenza und anderer Viren sowie bakterielle Infektionen. Vor allem die Grippewelle startete sehr früh in dieser Saison. Normalerweise, so Fachleute, beginnt sie im Februar oder März.

Das RS-Virus ist für Kleinkinder und Säuglinge besonders gefährlich. Es kann zu akuter Bronchitis oder Lungenentzündung führen, Fieber und Atemnot auslösen. Der Erreger ist weltweit stark verbreitet und befällt die oberen und unteren Atemwege. Die ersten Symptome ähneln einer Erkältung: Husten, Schnupfen, Halsweh und Fieber.

Planbare Eingriffe werden verschoben

Viele Kinderstationen haben angesichts der hohen Krankenzahlen zwischenzeitlich einen Aufnahmestopp verhängt, sie versorgen dann nur noch Notfälle. Denn da das RS-Virus hoch ansteckend ist, müssen infektiöse Patienten immer isoliert behandelt werden.

Auch die Kinderstation an der Universitätsmedizin Mainz nimmt seit einigen Wochen viele Kinder mit dem RS-Virus, aber auch anderen respiratorischen Viruserkrankungen, auf. Wie Pressesprecherin Barbara Reinke auf Merkurist-Anfrage mitteilt, würden aktuell (Stand: 16. Dezember) zwölf Kinder mit einer RSV-Infektion behandelt, drei von ihnen befinden sich auf der Intensivstation.

„Der Versorgungsgrad ist derzeit hoch, daher werden, soweit medizinisch vertretbar, elektive Eingriffe verschoben“ – also etwa Operationen, die planbar und nicht dringend sind. Dringliche und notfällige Eingriffe werden weiterhin durchgeführt.

Ähnlich sieht die Situation in Wiesbaden aus: „Wir können aber davon ausgehen, dass sich ca. 50 bis 75 Prozent der Kinder auf Normalstation derzeit aufgrund einer viralen Erkrankung der Atemwege in stationärer Krankenhausbehandlung befinden“, erklärt die Pressesprecherin der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken, Anja Dörner. Nicht dringende Eingriffe müssten auch hier verschoben werden, um so zusätzliche Aufnahmekapazitäten für akut erkrankte Kinder zu schaffen (wir berichteten).

Corona-Schutzmaßnahmen als Ursache

Ein Grund für die Atemwegserkrankungen sind wohl die Corona-Schutzmaßnahmen. Dadurch hatten die Kinder wenig Kontakt mit Keimen, wodurch ihr Immunsystem keine Abwehr aufbauen konnte. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) gemeldet, dass doppelt so viele Babys und Kleinkinder mit schweren Atemwegsinfektionen ins Krankenhaus eingeliefert wurden wie zum gleichen Zeitpunkt vor der Pandemie. Das RS-Virus machte bereits im September zwei Drittel der Fälle aus (wir berichteten).

„Durch das RS-Virus werden die Kinder, verglichen mit anderen Infektionserregern, die die Atemwege betreffen, eher schwerer krank“, teilte die Universitätsmedizin im November 2021 mit. „Dies kann bis hin zur Notwendigkeit der Beatmung auf der Intensivstation führen.“

Vorbeugen kann man dem Virus am besten mit einer guten Hygiene, mit regelmäßigem Händewaschen etwa. Babys sollten zudem von Menschen mit Erkältung ferngehalten werden. Weisen gerade Säuglinge starken Husten, Atemnot, Fieber und große Müdigkeit auf, sollten die Eltern umgehend einen Kinderarzt aufsuchen.

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