Karriereaus der Zug-Ente?

Seit 27 Jahren fährt die Zug-Ente am Ende des Rosenmontagsumzugs. Doch dieses Jahr fehlte der von den Mainzern geliebte Wagen überraschend. Wird die Ente aber wenigstens nächstes Jahr wieder mitfahren können?

Karriereaus der Zug-Ente?

Sie ist allseits beliebt, wurde schon einmal entführt und durfte im vergangenen Jahr beim Rheinhessenumzug ausnahmsweise sogar am Anfang fahren: Die Rede ist von der Zug-Ente. Seit 1990 bildet sie das Schlusslicht des Rosenmontagszugs und zeigt das offizielle Ende des Zugs an. Doch dieses Jahr konnte sie nicht mitfahren. Und es gab noch viele andere kuriose Momente im Leben der Zug-Ente.

Wie alles begann

Die Idee, die Ente ans Ende des Zugs zu setzen, stammt ursprünglich von Wagenbauer Dieter Wenger. „Früher war ein Schwellkopf in Entenform am Ende. Dieser war aber sehr empfindlich und wurde beschädigt“, sagt der Pressesprecher des Mainzer Carneval-Vereins (MCV), Michael Bonewitz. Der Schwellkopf konnte nicht mehr benutzt werden. Zu dieser Zeit bekam der Wagenbauer wohl einen alten VW-Käfer geschenkt und hatte kurz darauf den Einfall, eine Ente um das Auto herum zu bauen. „Die Ente war von Anfang an der Star.“

Da die Ente schon immer so ein beliebtes Motiv gewesen sei, kam es nicht selten vor, „dass sie stehen bleiben musste, damit die Leute Fotos mit ihr machen konnten“, so Bonewitz. Sie sei deshalb immer langsam, mit ein wenig Verzögerung dem Zug hintergetrudelt.

Höhen und Tiefen

Vor ein paar Jahren wurde die Zug-Ente sogar „entführt“, erzählt Bonewitz. Eine Gruppe von Fastnachtern, die Clownskostüme anhatten, habe sich während des Rosenmontagsumzuges vor der Ente postiert, um den Fahrer der Zug-Ente offensichtlich in die Irre zu führen. Der Fahrer sei der Gruppe dann gefolgt, auch, als diese in eine Seitengasse abbog und den Zugweg damit verließ. Da der Fahrer nicht gut durch die Sichtschlitze in der Zug-Ente sehen konnte, hätte er dies nicht bemerkt, bis die Clowns weggerannt seien. „Da wollte sich wohl jemand einen Scherz erlauben“, sagt Bonewitz, „die Ente wurde dann wieder zurück auf den Zugweg geschoben, was gar nicht so einfach war.“

Besser lief es für die Zug-Ente dann im vergangenen Jahr. 2016 habe sich wohl ein lang gehegter Traum der Zug-Ente erfüllt, so Bonewitz. Sie durfte als erster Wagen am Anfang des Zuges anlässlich des Rheinhessen-Jubiläums fahren. „Davon träumt sie natürlich, dass sie nicht dem Zug hinterhertuckert, sondern ganz vorn fahren darf“, sagt Bonewitz. Doch es sei eine Ausnahme gewesen und nicht geplant, dass die Ente noch einmal als Erstes fahren darf - höchstens zu ihrem 50. Geburtstag.

Doch ein Jahr nach dem Karrierehoch der 27-Jährigen, kam es für die Zug-Ente nun zum absoluten Tiefpunkt: 2017 hat es die Zug-Ente noch nicht einmal von der Wagenhalle bis zur Boppstraße geschafft, wo der Umzug begann. Sie konnte nicht mitfahren. Viele Mainzer Fastnachter haben die Zug-Ente schmerzlich vermisst, hoffen aber, dass sie nächstes Jahr wieder dabei sein wird.

Bonewitz kann Entwarnung geben: „Der MCV wird alles daran setzen, dass die Ente nächstes Jahr wieder fahren kann.“ Der MCV fürchte jedoch, dass der Motor kaputt sei und ein neuer her müsse. „Die Zug-Ente hatte bereits einige Pannen und ist öfter mal liegen geblieben. Sie konnte aber immer irgendwie zum Laufen gebracht werden“, so Bonewitz.

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