Motivwagen kritisiert Vermüllung – wie passt das zu dem Müll beim Umzug?

An kaum einem anderen Tag dürfte in Mainz so viel Müll auf den Straßen liegen wie am Rosenmontag. Dennoch kritisiert ausgerechnet ein Umzugswagen die zunehmende Vermüllung. Für den MCV kein Widerspruch.

Motivwagen kritisiert Vermüllung – wie passt das zu dem Müll beim Umzug?

Rosenmontag in Mainz, 16 Uhr. Dort wo eben noch die Motivwagen durchfuhren, fahren jetzt die Kehrmaschinen des Entsorgungsbetriebs entlang. Auf den Straßen liegen Müllteppiche aus zersplitterten Glasflaschen, Plastikbechern und Konfetti. An kaum einem anderen Tag im Jahr bleibt in Mainz so viel Müll zurück wie am Rosenmontag. So auch in diesem Jahr. Wie die Stadt auf Anfrage mitteilt, wurden 2019 rund 70 Tonnen Müll eingesammelt, in manchen Jahren sogar bis zu 85 Tonnen.

Doch ausgerechnet ein Motivwagen des Mainzer Carneval-Vereins (MCV) kritisierte am Rosenmontag die zunehmende Vermüllung der Welt. Auf dem Wagen „kotzt“ die Erde Unmengen an Plastikmüll aus. „Wie mer jüngst hat festgestellt, gibtʼs zu viel Plastik auf de Welt, das nützlich is, doch wie bekannt, allmählich nimmt jetzt überhand“, lautete der Text zum Motivwagen. „Die Zeit, sie drängt, dass was geschieht, ‘zum Kotze’ is es, wie mer sieht!“

Wie passt das zusammen? Auf der einen Seite kritisiert der MCV die Vermüllung der Welt, auf der anderen Seite organisiert er ein Riesenfest, das für besonders viel Müll sorgt. Diese Frage stellt sich Leserin Julia in ihrem Snip.

MCV-Sprecher: „Das passt zusammen“

Für MCV-Sprecher Michael Bonewitz ist das kein Widerspruch. „Das passt zusammen“, sagt er gegenüber Merkurist. Denn der Motivwagen sei ein Appell an jeden – auch an sich selbst. „Man kann das Problem der Vermüllung nicht von sich wegschieben, an die Politik oder wen auch immer. Jeder muss sich an die eigene Nase fassen.“

Doch das schafft nicht jeder: „In diesem Jahr haben wir noch mehr große Mülltonnen als sonst aufgestellt, unter anderem für Glasflaschen“, sagt Bonewitz. Das Ergebnis: „Ich war erschrocken, wie leer sie teilweise waren. Die Leute haben den Müll einfach neben die Tonnen auf die Straße geworfen.“ Ein weiteres Problem sei, dass viele ihren eigenen Müll von zuhause mitnahmen, etwa Alkoholflaschen.

„Und genau hier müssen wir ansetzen“, so Bonewitz. Er könne sich etwa im nächsten Jahr eine große Aufklärungskampagne zusammen mit den Medien vorstellen. „Wir müssen den Leuten klar machen: Der Müll muss in die Tonnen – und der eigene Müll bleibt zuhause.“

(pk)

Logo