Fastnacht im Schatten des Kriegs: So gehen die Mainzer damit um

Fastnacht feiern, während in einem europäischen Land ein Krieg tobt? Viele Mainzer verzichten in diesem Jahr auf jegliche Feiern. „Jetzt erst recht“, sagen andere. Wie gehen die Mainzer Fastnachter mit diesem Dilemma um? Wir haben uns umgehört.

Fastnacht im Schatten des Kriegs: So gehen die Mainzer damit um

Es ist Rosenmontag in Mainz. Eigentlich schlängelt sich in diesen Stunden der riesige Umzug durch die Innenstadt. Der wurde wegen der weiterhin hohen Infektionszahlen jedoch bereits zum zweiten Mal abgesagt. Dennoch versammeln sich etliche Menschen am Schillerplatz, auf dem Domplatz, in der Großen Bleiche.

Wie umgehen mit der Situation in der Ukraine?

Die Mainzer tun sich schwer in diesem Jahr, ob der Krieg in der Ukraine ein Grund dafür ist, ganz auf Fastnacht zu verzichten. Es wäre nicht das erste Mal: Bereits 1991, zur Zeit des Golfkriegs im Irak, wurde die gesamte Mainzer Fastnacht abgesagt (wir berichteten). Doch ganz so eindeutig wie damals scheint es nicht zu sein. So hatte sich etwa das ZDF erst spät dazu entschieden, die Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ nicht auszustrahlen, sondern in die Mediathek zu verschieben (wir berichteten). Fastnachtsvereine und Garden diskutierten lange, ob sie auch ihre kleineren internen Veranstaltungen absagen sollten.

Der Radiosender Antenne Mainz hatte sich entschieden, wie geplant sein Fastnachtsspecial an Rosenmontag zu senden. „Wir haben uns Gedanken gemacht, wie wir mit der Situation in der Ukraine umgehen“, sagte Moderator Andreas Bockius gegenüber Merkurist. „Alles abzusagen wäre aus unserer Sicht nicht die richtige Entscheidung gewesen, also haben wir uns einen Kompromiss überlegt.“ Statt Gaudi gibt es also in diesem Jahr Interviews mit Fastnachtstars.

Interne Veranstaltungen der Garden

Die Ranzengarde hat wie geplant am Fastnachtssonntag ihren traditionellen Gardegottesdienst im Dom abgehalten. Im Mittelpunkt: der Krieg in der Ukraine. „In Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt“ war auf einer Schärpe zu lesen, der Kranz wurde anschließend an der Ruinenkirche St. Christoph am Karmeliterplatz abgelegt.

„Bewusst verzichten“ wolle man aber dieses Mal auf das traditionelle Zeremoniell der Befehlsübergabe an den Generalfeldmarschall auf dem Domplatz. Auch Gewehre, Säbel und Kanonen sollen nicht getragen werden, und das für den gesamten Rest der Kampagne. Das Gardefeldlager im Schlossgarten fand ebenso als interne Veranstaltung wie geplant statt.

Auch die Mainzer Husaren Garde (MHG) hatte sich dazu entschieden, ihre geplanten nicht-öffentlichen Fastnachtsveranstaltungen am Wochenende trotz des Kriegs in der Ukraine stattfinden zu lassen. „Die Mainzer Fastnacht hat es sich traditionell zur Aufgabe gemacht, Herrschenden den Spiegel vorzuhalten und auf Probleme der Gegenwart hinzuweisen“, begründete Kasten Lange, 1. Vorsitzender des Vereins diese Entscheidung. Eine Absage der Fastnacht aufgrund des Ukraine-Krieges würde nur denen nutzen, die Europa in ein „dunkles Zeitalter“ zurückführen wollen, so Lange (wir berichteten).

Und so versammelten sich auch Mitglieder der Mainzer Garden und etliche Feierlustige am Höhepunkt der Mainzer Fastnacht, am Rosenmontag, in der Innenstadt. Punkt 11:11 Uhr sangen die Fastnachter nach einigen „Helau“-Rufen gemeinsam „Am Rosenmontag bin ich geboren“ und „Im Schatten des Doms“. Gleichzeitig startete Marcus Brühl, wie bereits 2016 und 2021 damit, die Zugstrecke abzulaufen – im Traueranzug und mit Hut mit der Aufschrift „Mainz – Ukraine".

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