Heute vor 20 Jahren: Mainz 05 macht Jürgen Klopp zum Trainer

Vor 20 Jahren traf der FSV Mainz 05 aus der Not heraus die vielleicht beste Entscheidung der Vereinshistorie: Am Rosenmontag wurde Jürgen Klopp über Nacht Trainer der 05er und startete das bis dato erfolgreichste Kapitel der 05-Geschichte.

Heute vor 20 Jahren: Mainz 05 macht Jürgen Klopp zum Trainer

Englischer Meister, zweifacher deutscher Meister, DFB-Pokal-Gewinner und Champions-League-Sieger: Jürgen Klopp gehört zur absoluten Weltklasse der Fußballtrainer. Vor 20 Jahren hatte sich diese Wahnsinnskariere noch nicht angedeutet, da kickte Jürgen Klopp noch als Zweitligaverteidiger dem Karriereende bei Mainz 05 entgegen. Doch am Rosenmontag 2001, dem 26. Februar, sollte sich Klopps Leben ändern.

Einen Tag zuvor hatten die 05er im Abstiegskampf einen herben Rückschlag erlitten und ihr Zweitligaspiel beim Angstgegner Spielvereinigung Greuther Fürth mit 1:3 vergeigt. Jürgen Klopp hatte die Schmach nicht ganz bis zum Ende miterleben müssen, er wurde nach 69 Minuten verletzt ausgewechselt. Die Zeit für den FSV drängte, schließlich standen die Mainzer mit zwei Punkten Rückstand auf das rettende Ufer auf einem Abstiegsplatz, schon am Aschermittwoch mussten die Mainzer gegen den MSV Duisburg ran. Dass Trainer Eckhardt Krautzun die Mannschaft noch zu besseren Leistungen treiben könnte, daran hatte der damalige Mainz 05-Präsident Harald Strutz so seine Zweifel, wie er in seiner 2020 erschienen Biographie „Unfassbar!“ offen zugibt. Die Entscheidung fiel: Das Ende Krautzuns beim FSV war besiegelt.

Strutz in Gardeuniform überrascht

„Wo sollten wir jetzt den Trainer finden, der perfekt zu Mainz 05 passte, der die wahre Leistungsfähigkeit aus unserer Mannschaft herauskitzeln und unseren Verein nach vorne bringen konnte?“, erinnert sich Strutz in seinem Buch zurück. Manager Christian Heidel saß also am Rosenmontag 2001 zu Hause in seinem Haus in der Mainzer Oberstadt auf dem Sofa und suchte in Kicker-Sonderheften nach einem Trainernamen, der Mainz 05 noch aus der Patsche helfen könnte. Und dann kam ihm ein Geistesblitz: Wenn die Mannschaft schon untrainierbar war, warum sollte sie sich dann nicht einfach selbst trainieren? Heidels Plan: Jürgen Klopp sollte die 05er als Trainer vor dem Abstieg retten.

Kurz nach dem Ende des Rosenmontagszuges rief Heidel Präsident Strutz an, der gerade noch in Gardeuniform in der Stadt feierte, während die Mannschaft ein Kurztrainingslager bezogen hatte. „Wir müssen gleich nach Bad Kreuznach ins Trainingslager fahren, ich habe eine Lösung gefunden. Wir machen Jürgen Klopp sofort zum Trainer“, habe ihm Heidel damals gesagt, erinnert sich Strutz. Er selbst habe spontan geantwortet: „Das ist gut. Ich ziehe mich schnell um, wir treffen uns dort.“

Die Entscheidung, Klopp zum Trainer zu machen, stammte allerdings nicht allein von Christian Heidel. Zuvor hatte der Manager, der später auch noch Thoms Tuchel eine Weltkarriere eröffnen sollte, bei Klopps Team-Kollegen nachgehorcht. „Christian Heidel hatte aus dem Mannschaftsrat entsprechende Signale erhalten, auch im Hinblick auf die Lösung, die dann umgesetzt wurde“, erinnert sich Harald Strutz zurück. Klopps Mitspieler hielten ihn für die beste Lösung auf dem Trainerstuhl. Noch in in Bad Kreuznach hatte Klopp als frischgebackener Trainer offenbar die richtigen Worte an seine ehemaligen Mitspieler gerichtet. „Es fehlte nicht viel und ich hätte um ein paar Fußballschuhe gebeten, um mit aufs Feld rennen zu dürfen“, beschreibt Strutz die geradezu euphorische Stimmung damals.

Mainz schafft das Wunder

Klopps Methoden hatten Erfolg, das Nachholspiel gegen Duisburg endete mit 1:0 für die Mainzer. Letztlich hielten die 05er souverän die Klasse. Nur ein Jahr später spielte Mainz 05 eine rekordverdächtige Saison, verpasste den Bundesligaaufstieg um nur einen Punkt. Nach einem weiteren dramatisch verpassten Aufstieg gelang Klopp und seiner Mannschaft 2004 das Wunder: Mainz 05 stieg erstmals in die Bundesliga auf.

Und nach drei Jahren wieder ab: Anders als bei anderen Vereinen wurde Klopp aber nicht entlassen, er blieb beim FSV und verpasste den Wiederaufstieg knapp. 2008 beendete Klopp das Kapitel Mainz 05 - und machte Borussia Dortmund zur europäischen Spitzenmannschaft. Erst kürzlich verriet Klopp gegenüber dem SWR, warum ihm Mainz 05 noch immer so wichtig ist: „Die Zeit in Mainz hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.“

Logo