Spektakuläre Funde am Zollhafen ausgegraben

Bei den Arbeiten für ein Bauprojekt am Zollhafen haben Archäologen einen spektakulären Fund aus der Römerzeit ausgegraben.

Spektakuläre Funde am Zollhafen ausgegraben

Eigentlich sollte ein Bereich im Zollhafen für ein neues Bauprojekt vorbereitet werden. Mit dem, was bei Ausgrabungen vor dem Baubeginn gefunden wurde, hätte man so aber wohl nicht gerechnet: Zwei detailliert ausgearbeitete Skulpturen aus der Römerzeit wurden dabei entdeckt. Diese wurden am Freitag (30. Oktober) von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz im Zuge der Grundsteinlegung für das Bauprojekt Stadtquartier Zollhafen präsentiert.

„Mainz hat eine reiche Geschichte von 2000 Jahren und wir werden diesen Glanz mitnehmen“, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) während der Präsentation. Dr. Marion Witteyer, Leiterin der Landesarchäologie Mainz, und ihr Team haben die Fundstücke auf der Baustelle ausgegraben. Diese liefern nun Erkenntnisse zur Mainzer Stadtgeschichte. „Bei den Römern denkt man oft nur an die Altstadt und an das Gelände der Uniklinik. Dabei ist die Neustadt eigentlich eine alte Neustadt, die immer wieder ihr Gesicht ändert“, erklärte Witteyer. Bei Bauprojekten müsse demnach immer auch der Boden nach historischen Zeugnissen untersucht werden.

Laut Witteyer wollte man den Bauherren das Bauen ermöglichen, aber vorher mögliche Quellen im Boden sichern. Die Archäologen durften daraufhin insgesamt 20 Wochen nach historischen Schätzen graben. Nach dem Sensationsfund wurden dem Team um Witteyer nun zwei weitere Wochen für die Ausgrabungen gewährt.

Figuren hatten wohl Lebensgröße

Der älteste Fund ist ein Zelthering und stammt wohl aus der Zeit um Christi Geburt. Der Hering wurde in seiner ursprünglichen Form im Boden gefunden und deutet wohl auf ein militärisches Lager am heutigen Zollhafen hin. Die zwei Hauptfunde zeigen, so Witteyer, dass „Archäologie eine große Wundertüte ist“. Die zwei Skulpturen stammen wohl aus dem 1. oder 2. Jahrhundert. Bei der ersten Skulptur handelt es sich um eine lebensgroße Statue ohne Kopf, die eine halbnackte Dame darstellt und mit einer römischen Inschrift versehen ist. Witteyer erklärte, dass es sich bei der Figur um die römische Gottheit Venus handeln könnte, die vermutlich mit einer anderen Gottheit vermischt wurde. Von der zweiten Statue wurden nur der Sockel mit den Füßen gefunden. Hinter den Füßen deutet sich der Körper eines schlangenartigen Wesens an. „Es lässt sich aber darauf schließen, dass auch diese Statue in etwa Lebensgröße hatte“, so die Leiterin der Landesarchäologie Mainz.

Skulpturen können sich mit Funden aus Rom messen

„Das sind die ersten Statuen in dieser Qualität, die seit 40 Jahren hier gefunden wurden.“ - Dr. Marion Witteyer

Witteyer betont: „Das sind die ersten Statuen in dieser Qualität, die seit 40 Jahren hier gefunden wurden.“ Die Ausarbeitung der Figuren sei exzellent und könne sich mit Funden aus Rom messen. Wahrscheinlich muss sich am Zollhafen ein Platz oder ein Gebäude mit exzellenter Ausstattung befunden haben, darauf lassen die aufwändigen Figuren schließen, erklärt sie. Professor Dr. Johannes Lipps von der Johannes Gutenberg Universität nimmt die Figuren nun in Bearbeitung, um mehr Details herauszuarbeiten. Die Archäologen hoffen währenddessen, noch weitere Bruchstücke zu finden. (mo)

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