Entenküken in Mainzer Hinterhof geschlüpft

Seit 2013 ist ein Hinterhof in der Rheinstraße Brutplatz und Kindergarten für eine Stockente und ihre Küken. Unterstützt wird sie dabei von Anwohner Bernd Frank.

Entenküken in Mainzer Hinterhof geschlüpft

Bei Sonnenschein und Temperaturen von über 25 Grad ist ein Bad im Planschbecken nicht nur für Menschen eine angenehme Erfrischung. In einem Hinterhof in der Rheinstraße wuseln sechs gelb-braune Stockentenküken hinter ihrer Mutter her und stürzen sich ins Wasser. Doch wie kommen die Enten in den Hinterhof?

Das perfekte Kinderzimmer

Im Sommer 2013 entdeckte Bernd Frank eine brütende Ente im Gebüsch vor seinem Fenster. „Ich habe das erstmal niemandem gesagt, damit sie ihre Ruhe hat“, erinnert er sich. Einen knappen Monat später schlüpften die Küken. In Flussnähe eigentlich nichts Ungewöhnliches, wie Merkurist-Leser Th. M. schreibt.

„In Mainz brüten Enten bis hinauf in die Oberstadt und wandern dann mit ihren Küken selbständig zum Rhein“, bestätigt Frank. „Hier trauten sie sich allerdings nicht durch die Hofeinfahrt.“ Anfangs fütterte Frank die Enten mit Haferflocken, informierte sich aber schnell im Internet und besorgte dann Spezialfutter. Er selbst arbeitet im Home Office und hat daher Zeit, sich um die Enten zu kümmern. Mittlerweile haben die Küken ein überdachtes Schwimmbecken samt Filteranlage und kleinerem Becken mit Wasserlinsen.

In der Vergangenheit waren die Enten nicht bei allen willkommen: „Eine Rentnerin, die mir bei der Entenbetreuung half, wurde von einem anderen Nachbarn vom Fenster aus mit Tomaten beworfen“, erinnert sich Frank.

Mittlerweile ist der Nachbar umgezogen und die Hausgemeinschaft schätzt die Untermieter im Hinterhof: „Die meisten Nachbarn freuen sich über die Enten und beobachten sie gern vom Balkon aus“, erzählt Frank. „Die Leute fragen nach, wenn ich das Wasser wechsele, man kommt ins Gespräch. Das fördert auch die Gemeinschaft im Haus.“

Keine Schmusetiere

Im vergangenen Jahr blieb der Enten-Kindergarten im Hinterhof leer: „Auf dem Nachbargrundstück fanden Bauarbeiten statt. Wahrscheinlich hat sich die Mutter bei dem Lärm und den schweren Geräten nicht sicher gefühlt“, vermutet Frank. Umso mehr freut er sich, dass die Kinderstube in diesem Jahr wieder bewohnt ist.

Ob es immer dieselbe Ente ist, weiß er nicht, Frank hält es aber für wahrscheinlich: „Wenn die Enten einen Brutplatz gefunden haben, kommen sie auch dahin zurück. Ich nehme an, dass es entweder tatsächlich dieselbe Ente oder ein Nachkomme ist.“

Außer dem Spaß, den Küken beim Aufwachsen zuzusehen, bedeutet die Entenbetreuung aber auch Arbeit: Trotz Filteranlage muss das Wasser im Becken ebenso wie die Filter regelmäßig gewechselt werden. „Sobald sie größer sind, bekommen die Enten ein größeres Becken, das bedeutet natürlich etwas mehr Aufwand“, sagt Frank. Für die Mühe revanchieren sich die Enten durch Gartenarbeit: „Wenn sie erwachsen sind, ist das hier alles weg“, sagt Frank und deutet auf das Unkraut, das zwischen den Fugen wächst.

Aller Routine zum Trotz ist die Entenfamilie nicht zutraulich: Vom Garagendach aus überwacht die Mutter die Umgebung und zischt bedrohlich, wenn jemand ihren Küken zu nahe kommt. Ist jemand im Hof, führt sie den Nachwuchs erst zum Bad im Planschbecken, wenn der Weg frei ist. „Das ist auch gut so“, findet Frank. „Enten sind Wildtiere und sollten sich nicht an den Menschen gewöhnen.“

Abschied in die Natur

Im abgeriegelten Hinterhof sind die Küken sowohl vor dem Straßenverkehr als auch vor Katzen oder Mardern geschützt, Feinde haben sie aber dennoch. „Vorletztes Jahr haben Krähen zwei, drei Küken geholt“, erinnert sich Frank. Nachdem Auswilderungsversuche am Rhein in den ersten Jahren erfolglos verliefen, wartet Frank inzwischen einfach, bis die Küken groß genug sind, um fliegen zu können und den Hof selbständig zu verlassen.

Das dauert sechs bis acht Wochen und ist für ihn ein zwiespältiger Moment: „Natürlich bin ich dann ein bisschen traurig, aber eher stolz, wenn es geklappt hat und möglichst viele Küken durchgekommen sind. Letztlich sollen sie ja auch in der Natur leben.“

Aktuelle Informationen, Bilder und Videos mit den Küken gibt es auf Bernd Franks Blog Rheinstraßenküken und auf der gleichnamigen Facebookseite.

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