„Heilige Makrele“: Wie steht es um das Zollhafen-Schwimmbad?

Die Idee eines Naturschwimmbades im Mainzer Zollhafen traf im vergangenen Jahr auf viel Zustimmung. Doch was wurde aus den Plänen? Und könnte die „Heilige Makrele“ wirklich umgesetzt werden? Wir haben mit Makrelen-Planer Alexander Kiefer gesprochen.

„Heilige Makrele“: Wie steht es um das Zollhafen-Schwimmbad?

Seit dem vergangenen Jahr spukt der Name „Heilige Makrele“ immer wieder durch Mainz. Da nämlich hatte der Mainzer Ingenieur Alexander Kiefer erklärt, ein Naturschwimmbad im Zollhafenbecken zu planen (wir berichteten). Zuletzt war es ruhig um die Idee geworden, die viel Zuspruch erhielt. Die Arbeiten am Projekt „Heilige Makrele“ laufen aber immer noch weiter, wie Kiefer im Gespräch mit Merkurist erklärt: „Hinter den Kulissen haben wir weitergemacht, wann immer wir Zeit gefunden haben“, sagt er. Denn das Zollhafenbad erarbeitet Kiefer mit seinem Team nebenher, in der Freizeit.

„Jetzt wird es politisch.“ – Alexander Kiefer

Wochenlang hatte Kiefer 2021 für das Projekt geworben, es bekannt gemacht und eine rund 80-seitige Machbarkeitsstudie präsentiert. „Jetzt wird es politisch“, sagt der Mainzer. Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD), Grün- und Umweltdezernentin Steinkrüger (Grüne), Stadtwerke-Chef Daniel Gahr und dem Ortsbeirat der Mainzer Neustadt hat Kiefer die Studie schon vorgelegt. Doch ob das Rheinschwimmbad wirklich kommen kann, ist noch immer nicht klar.

Weitere Hürden genommen

Kiefer und seine Truppe haben über den Winter weitergearbeitet, sprachen mit Wasserbehörden und ließen checken, ob die Wasserqualität im Zollhafenbecken überhaupt ausreicht, um die Mainzer darin schwimmen zu lassen. „Die Wasserqualität wurde gemessen und für sehr gut befunden“, sagt Kiefer. Eine Hürde weniger für das Projekt. Mit der DLRG sprach Kiefer darüber, ob der Verein die Sicherheit der Badegäste überwachen könnte – weitere Gespräche sollen nach Ostern folgen. Und auch eine Informationsveranstaltung mit den Anwohnern des Zollhafens sei äußerst positiv verlaufen, berichtet Kiefer.

Dabei sind die selbstgesteckten Ziele des Ingenieurs hoch: Nicht weniger als das größte Hafenbad der Welt will er in Mainz errichten. „Das bisher größte Hafenbad gibt es im dänischen Aarhus“, erklärt Kiefer. „Unseres würde drei- oder sogar viermal so groß werden.“ Selbst eine Nutzung für die kühleren Monate im Herbst und Winter schwebt dem Ingenieur bereits vor: „Ich weiß noch nicht, ob es klappt, aber es gibt die Idee, in der kälteren Jahreszeit mobile Saunen aufzustellen und aus der Heiligen Makrele eine Saunalandschaft zu machen.“ Zumindest erste Gespräche dazu hätten schon stattgefunden. „Wer nach dem Saunagang ins Eisbecken will, kann dann direkt ins kühle Hafenbecken gehen“, plant Kiefer.

„Es soll ein Schwimmbad für alle werden, es darf keine Ausgrenzung geben.“ - Alexander Kiefer

Kritischen Argumenten gegen das Rheinschwimmbad tritt Kiefer entgegen. Erst kürzlich habe ihm beispielsweise ein Politiker entgegnet, die „Heilige Makrele“ könne die Gentrifizierung im Zollhafen beschleunigen, nach dem Motto: Ein Schwimmbad für die Reichen und Schönen. Kiefers Konter: „Stimmt nicht! Es soll ein Schwimmbad für alle werden, es darf keine Ausgrenzung geben.“ Dieser Punkt sei ihm sogar ein besonderes Anliegen. Wenn alles nach Plan läuft, vergibt das Makrelen-Team im Spätsommer die ersten Plätze für ein Probeschwimmen im Hafen-Becken – unter Aufsicht der DLRG. Es könnte ein erster Vorgeschmack werden auf Kiefers Vision.

Heilige Makrele muss Thema soll Thema im Stadtrat werden

Ende April stellt Kiefer sein Konzept der Mainzer Grünen-Stadtratsfraktion vor. Geht es nach dem Hafenbad-Planer, kommen Gespräche mit weiteren Fraktionen noch in diesem Jahr dazu. Denn ohne die Hilfe der Mainzer Stadtpolitik wird die Heilige Makrele nicht umgesetzt werden können, wie Kiefer sagt. „Das Projekt muss in den Stadtrat. Es muss besprochen werden, auf demokratischem Weg. Im Idealfall erhalten wir dann grünes Licht.“

Wie viele Stunden er und seine Mitstreiter schon ehrenamtlich an der Heiligen Makrele gearbeitet und geplant haben, kann Alexander Kiefer nicht mehr sagen. Anträge auf Fördergelder sollen in den nächsten Wochen und Monaten gestellt werden, die könnten einen entscheidenden Schritt in Sachen Finanzierung bedeuten. Finanziell bereichern wolle er sich an seiner Idee nicht, sagt Kiefer. Ihm gehe es darum, den Mainzern endlich wieder ein Rheinschwimmbad zu schenken. Da würde es Mut machen, wenn ihn hin und wieder positive Zuschriften von Mainzern erreichen. „Eine ältere Dame hat mir berichtet, dass sie früher selbst noch in einem Rheinschwimmbad geplantscht hat“, so Kiefer.

„Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass die Heilige Makrele kommen wird.“ - Alexander Kiefer

Nach all der Arbeit sieht Kiefer den Ball aber bald auch bei anderen: „Wir brauchen die Mainzer, die immer wieder kundtun, dass sie das Zollhafenbad wollen und ja, es braucht auch die Unterstützung der Stadt Mainz, die signalisieren sollte, dass die Heilige Makrele kommen soll.“ Bis die ersten Mainzer also offiziell im Rheinschwimmbad baden gehen können, werden wohl noch einige Monate vergehen. Alexander Kiefer erklärt jedenfalls, die Lust an der Idee zur Heiligen Makrele noch immer zu spüren. „Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt, dass die Heilige Makrele kommen wird. Wenn es nicht so wäre, würden ich und mein Team nicht so viel Energie in das Projekt stecken.“

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