Was steckt hinter den grünen Kreuzen?

Aus dem Nichts tauchten sie auf - grüne Kreuze an der Rheinhessenstraße und der B40. Doch was steckt dahinter?

Was steckt hinter den grünen Kreuzen?

Auf einmal waren sie da. Aus Holz, beklebt mit weißen Schildern. Die grünen Kreuze an der Rheinhessenstraße und der B40. Doch was steckt dahinter? Das fragt sich auch ein Merkurist-Leser in Snip.

Des Rätsels Lösung verbirgt sich hinter dem Hashtag „GrüneKreuze“. Deutschlandweit machen landwirtschaftliche Betriebe auf ihre Situation aufmerksam. Denn hinter jedem Kreuz steckt ein einzelner Betrieb. Initiator der Aktion ist „Die-Graswurzler-Bewegung“, die damit gegen das neue Agrarpaket der Bundesregierung protestieren will.

Das steckt im Agrarpaket

Die Maßnahmen wurden am 4. September von Bundeslandlandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) auf den Weg gebracht. Unter anderem soll das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat Ende 2023 in Deutschland verboten werden. Das Insektensterben soll damit eingedämmt werden. Die Landwirte sollen zudem Rückzugsflächen für Insekten schaffen, der Bund will weitere Biotope ausweisen. Mit 100 Millionen Euro soll die Forschung zum Insektenschutz unterstützt werden. Auch das umstrittene Tierwohl-Label wird kommen (mehr dazu lest Ihr hier).

Wie eine Sprecherin des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz erklärt, sei das neue Agrarpaket eine Katastrophe für die Landwirte. „Der rheinhessische Obstanbau kann dann nicht mehr stattfinden. Das ist existenzgefährdend!“ Gerade das Thema Insektenschutz sei für die Landwirte schwierig, da sie Flächen verlieren würden. „Obstfelder bieten den Insekten ja auch Lebensraum.“ Viele Landwirte hätten Angst um ihre Betriebe. Der Verband hat daher anlässlich der Agrarministerkonferenz, die seit Mittwoch in Mainz stattfindet, zu einer Kundgebung aufgerufen. Um 10:30 Uhr versammeln sich am Donnerstagvormittag voraussichtlich hunderte Landwirte und Winzer in der Flugplatzstraße unweit des Tagungshotels Atrium.

Das sagen die Initiatoren

Auch die Initiatoren der Protestaktion machen ihrem Ärger über das Agrarpaket Luft. In einer Pressemitteilung schreiben sie: „Das Agrarpaket soll ein Kompromiss sein zwischen Naturschutz und Landbewirtschaftung. Es geht aber auch darum, Tierhaltung im Sinne des Tierwohls zu verteuern, ohne dass der Verbraucher dafür mehr zahlen muss.“ Das Paket sei „so eng geschnürt“, dass es vielen Betrieben die Luft zum Atmen nehme. Im Ackerbau gingen erhebliche Flächen für die Bewirtschaftung verloren, der Einsatz ertragsrelevanter Betriebsmittel solle massiv eingeschränkt werden. „Ein hoher Preis für ein Tierwohlkennzeichen, dass angesichts der vielen Label, die es schon am Markt gibt, kein Mensch mehr braucht.“

Landwirte denken zunehmend darüber nach, ihre Betriebe aufzugeben. Die Suche nach jungen Nachfolgern werde immer schwieriger. „Ein funktionierendes System der Ernährungssicherung wird durch überbordende Vorschriften leichtfertig aufs Spiel gesetzt“, heißt es weiter. „Kompromisse sind das Salz in der Suppe einer Demokratie. Diese Suppe aber wurde kräftig versalzen. Denn ein Kompromiss ohne jede Zustimmung ist ein schlechter Kompromiss. Am Ende - und das ist das Fatale - leiden nicht nur die Landwirte unter den absurden Beschlüssen. Auch die Natur und die Verbraucher werden den Kürzeren ziehen. Das also sind die Gründe für ein grünes Kreuz - ein stiller Protest, denn Bauern sterben leise.“ (pk)

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