Schlaf-Container für Obdachlose: Demo gegen Schließung am Fort Hauptstein

Die mobilen Schlaf-Container für Obdachlose am Fort Hauptstein werden auch dieses Jahr wieder Ende März abgebaut. Für den Verein „Rheinhessen hilft“ ist das ein unhaltbarer Zustand. Er ruft nun am Freitag zu einer Demo auf dem Schillerplatz auf.

Schlaf-Container für Obdachlose: Demo gegen Schließung am Fort Hauptstein

„Herzlich statt herzlos“ sein und „Obdachlosen eine Stimme geben“ - das will der Verein „Rheinhessen hilft“ und ruft daher am Freitag (26.3.) zu einer Demonstration auf, die sich vor allem gegen eine Schließung der Schlaf-Container für Obdachlose am Fort Hauptstein wendet. Und das hat noch einen weiteren bestimmten Grund.

„Menschlich unwürdig, Container abzubauen“

Wie der Vereinsvorsitzende Marcio Demel gegenüber Merkurist sagt, wolle die Stadt Mainz die Schlafcontainer für Obdachlose Menschen, die bis zu 28 Personen aufnehmen können, Ende März wieder abbauen. Denn dann ende wie jedes Jahr das städtische Winterprogramm für Obdachlose. „Um aber auch obdachlosen Menschen Corona-Schutzimpfungen anbieten zu können und bis dahin eine geschützte Unterkunft zu gewährleisten, ist es elementar, die Container am Fort Hauptstein länger in Betrieb zu nehmen als ursprünglich geplant.“ Denn nur Menschen in öffentlichen Unterkünften – und zwar nur in solchen Unterkünften wie die Container am Fort Hauptstein – erhielten bevorzugt ein Angebot, weil sie der zweiten Priorisierungsgruppe gemäß Impfverordnung angehören, so Demel. Das gelte wohl jedoch nicht für Menschen auf der Straße, da diese in keiner „Unterkunft“ ansässig seien, sondern eben auf der Straße leben.

Doch die Forderung des „Vereins zur Förderung sozial und gesundheitlich benachteiligter Menschen in Mainz und Umgebung e.V.“ („Rheinhessen hilft!“) geht sogar noch weiter. „Die Container müssen so lange am Fort Hauptstein stehen, bis die Stadt Mainz endlich eine Liegenschaft gefunden hat, die geeigneten obdachlosen Menschen, die zugänglich sind und dies auch wollen, zusätzlich und niederschwellig zur Verfügung gestellt wird“, so Demel. Menschen, die dies annehmen würden, gebe es in Mainz genug. Durch Corona, Gehaltseinbußen, Mietausfälle, Kündigungen und Kurzarbeit würde das Thema der drohenden Obdachlosigkeit in Zukunft auf jeden Fall nicht an Aktualität verlieren. „Auf jeden Fall ist es menschlich unwürdig, die Schlafcontainer am Fort Hauptstein, in denen auch mehrere Frauen unterkommen, in wenigen Tagen vollständig abzubauen, obwohl es noch immer kalt ist.“ Der SPD-geführten Stadtspitze in Mainz würde es gut tun und gut stehen, die Container am Fort Hauptstein stehen zu lassen - und nicht herzlos zu agieren, so Demel.

Lensch: Standort keine Dauereinrichtung

Inzwischen hat auch Sozialdezernent Dr. Eckart Lensch (SPD) auf die Problematik reagiert und kündigt an: „Die Landeshauptstadt Mainz ist bereits im Gespräch mit den obdachlosen Menschen, die sich derzeit noch in der Schlafstelle am Cavalier Hauptstein aufhalten, um sie zu unterstützen und über weitere Möglichkeiten der Unterbringung zu informieren.“ Die Stadt Mainz plane zudem eine ganzjährige Übernachtungseinrichtung für obdachlose Menschen. Das Grundkonzept für die Einrichtung bestehe bereits, derzeit suche man intensiv nach geeigneten Räumlichkeiten. Parallel ist auch eine Einrichtung für obdachlose Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen in Planung.

Wie Lensch sagt, sei die mobile Schlafstelle am Cavalier Hauptstein erneut nur bis Ende März geplant gewesen. „Denn der Standort ist für eine Dauereinrichtung nicht geeignet.“ Übernachtungsangebote in Mainz bestünden nun regulär in den Einrichtungen des Thaddäus-Heimes (53 Plätze), des Egli-Hauses (20 Plätze) sowie des Wendepunktes (4 Plätze).

Laut „Rheinhessen hilft“ gibt es jedoch nur wenig, was sich in den letzten zehn Monaten - initiiert von Politik und Verwaltung - positiv für obdachlose Menschen geändert hat. Daher werde nun am Freitag um 16 Uhr auf dem Schillerplatz (mit anschließendem Fußmarsch zum Fort Hauptstein) unter dem Motto: „Lasst die Container stehen - Wir haben Platz - Wohnraum für Obdachlose - Wohnen darf kein Luxus sein!“ für die Rechte der Obdachlosen demonstriert. Die Veranstaltung ist bis 19 Uhr angemeldet und findet unter strenger Einhaltung der aktuell geltenden Hygieneregeln statt.

Den Streckenverlauf und weitere wichtige Infos zur Demonstration erfahrt ihr hier.

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