Wer in den vergangenen Wochen am Mainzer Rheinufer unterwegs war, dürfte den unangenehmen Geruch bemerkt haben. Mal riecht es nach totem Tier, mal nach Fäkalien. In jedem Fall ist der Geruch unangenehm. Was dahinter steckt, erklärte das Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz (LfU) auf Anfrage von Merkurist.
Mögliche Ursache des Geruchs nach Fäkalien
Die Geruchsbelästigung könne auftreten, wenn nach Gewitterregen die Regenentlastungen der Kanalisation entlang des Rheins anspringen. „Dabei werden kurzzeitig stark mit Regenwasser verdünnte Abwässer direkt aus der Kanalisation in den Rhein gespült“, erklärt das LfU. Dies sei eine Maßnahme, um bei starkem Regen eine Überlastung der Kanäle und Kläranlagen zu verhindern. Dabei sei es möglich, dass in der Nähe der Anlagen Rückstände an den Steinen der Uferbefestigung antrocknen. Gerade bei hohen Temperaturen könne das lokal zu einem wahrnehmbaren Geruch nach Fäkalien führen.
Woher kommt der Verwesungsgeruch?
Ein weiterer Grund für unangenehme Gerüche: Durch das Zusammenspiel von großer Hitze und stark gesunkenen Wasserständen komme es aktuell zu einem vermehrten Absterben von Muscheln und Algenbelägen. Durch den sinkenden Wasserstand werden Bereiche freigelegt, die normalerweise unter Wasser lägen. Einige Lebewesen seien nicht in der Lage, dem zurückgehenden Wasser zu folgen und sterben ab. Betroffen seien unter anderem Muschelarten, die sich an Ufersteinen festsetzen oder sich im Sand eingraben sowie Algenbeläge und unterschiedliche Wasserpflanzen. Austrocknende Algenbeläge verursachen, vor allem wenn sie Blaualgen enthalten, einen starken unangenehmen Geruch.
Wie lange wird der Geruch anhalten?
Laut LfU zeigen aktuelle Beobachtungen, dass am Mittelrhein häufig Körbchenmuscheln absterben, die dort in großer Zahl vorhanden sind. Sie seien fähig, Schwankungen des Wasserstandes in geringem Maße auszuweichen. Allerdings würden sich die Tiere unter den aktuellen Bedingungen zunehmend im zurückweichenden Spülsaum sammeln. Dort würden sie dann aufgrund des weiter zurückgehenden Wassers und der erhöhten Temperaturen sterben. „Durch die Wellenbewegung vorbeifahrender Schiffe werden die toten Tiere dann auch in die Flachwasserbereiche verteilt“, so das LfU. Es sei also davon auszugehen, dass sich die Situation bei weiter fallenden Wasserständen noch verschärfen werde. Allerdings nehme die Geruchsbelästigung bei vollständig ausgetrockneten Muscheln nach mehreren Tagen ab, da sie langsam zersetzt werden.
Wird es in nächster Zeit häufiger zu diesem Phänomen kommen?
Laut dem Umweltbundesamt nehmen Dürreperioden aufgrund des fortschreitenden Klimawandels in ihrer Anzahl und Dauer weiter zu. „Der Gestank könne immer dann auftreten, wenn es zu stärkeren Niedrigwasserphasen kommt“, erklärt das LfU. Dadurch würden zum Beispiel Muscheln Teile ihres Lebensraums verlieren. Besonders in extremen Dürrejahren müsse mit solchen Problemen im größeren Umfang gerechnet werden. In solchen Jahren lägen auch Bereiche trocken, die normalerweise von Wasserlebewesen bewohnt werden.
Wie lässt sich der Gestank reduzieren?
„Hier muss man leider der Natur ihren Lauf lassen“, so das LfU. Denn um die toten Muscheln abzubauen, benötigten die entsprechenden Organismen Zeit. Ein direktes Entfernen sei aufgrund der Größe der Tiere und der großen Anzahl nicht möglich. „Niederschläge, die zur Stabilisierung der Wasserstände führen, und kühlere Temperaturen würden diesem Problem schnell ein Ende setzen“, heißt es weiter.