Parkplätze fallen weg: Erweiterung der Außengastronomie sorgt für Kritik

Gastronomen zählen zu den Verlierern der Corona-Krise. Wochenlang mussten sie auf Einnahmen verzichten. Nun greift ihnen die Stadt Mainz unter die Arme. Doch die Erlaubnis, Außenflächen zu erweitern, kommt nicht bei jedem gut an.

Parkplätze fallen weg: Erweiterung der Außengastronomie sorgt für Kritik

Mit Abstand draußen sitzen - das ist seit einigen Wochen auch vor den Gastronomie-Betrieben in der Mainzer Altstadt möglich. Damit der Abstand auch an jeder Stelle eingehalten werden kann, hat die Stadtverwaltung den Restaurants und Cafés erlaubt, ihre Bewirtungsflächen zu erweitern. Neuerdings gibt es Plätze vor der Augustinerkirche, im Hopfengarten oder auf dem Liebfrauenplatz. Aber auch Parkplätze in der Altstadt, Neustadt und in anderen Stadteilen wurden umfunktioniert.

109 Gastronomie-Betriebe haben beantragt, ihre Außenflächen zu vergrößern, so Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr. „Insgesamt wurden 90 genehmigt. Elf weitere sind noch in Klärung.“ Acht Anträge mussten abgelehnt werden, da Feuerwehrzufahrten blockiert würden oder die Bürgersteige, auf denen die Fläche entstehen sollte, zu eng waren.

Im Merkurist-Interview zeigte sich Oberbürgermeister Michael Ebling erfreut über diese Erweiterung. „Dafür mussten zwar Parkplätze geopfert werden, aber es hat für eine große Lebendigkeit in der Stadt gesorgt, zum Beispiel in der Großen Langgasse. Das kam einfach gut an.“

Beschwerden der Anwohner

Doch nicht alle freuen sich über die Erweiterung der Außengastronomie. Wie Ralf Peterhanwahr bestätigt, gab es auch Beschwerden der Anwohner. Eine von ihnen ist Andrea Musseleck. Sie wohnt in der Kapuzinerstraße. Die Anwohner seien nicht über die Maßnahme informiert worden, sagt sie. Bereits Anfang Juni sei die Bestuhlung auf Parkplätzen in der Kapuzinerstraße, Neutorstraße und Holzstraße Stück für Stück aufgestellt worden. Sie selbst habe so nun keine Ausweichmöglichkeit, um ihr Auto zu parken, was gerade am Wochenende ein großes Problem sei.

Musseleck schlägt vor, vorübergehende Anwohnerparkplätze im Parkhaus am „Tegut“ oder an der Malakoff-Passage zu schaffen. „Ich hab auch Verständnis für Gastronomen – ich hoffe, dass sie die Krise überstehen. Die Maßnahme finde ich auch gut, nur fehlt für uns Anwohner die Alternative.“

Dass Beschwerden wie von Musseleck und anderen Anwohnern kommen, sei für die Stadt klar gewesen, sagt Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr. „Es gab natürlich genau solche Beschwerden, aber wir setzen das Programm „Mainz hilft sofort“ um. Dass die Verwaltung für diese Maßnahmen nicht immer nur Jubel erntet, war absehbar.“ Aber es gelte abzuwägen: „Die Gastronomie hat lange Monate keinerlei Einnahmen, nur Ausgaben gehabt, viele Gastronomen stehen am Rande des Existenzminimums, das Aus droht in nicht wenige Fällen.“ In einer solchen Situation sei es erforderlich, dass jeder einen Schritt zurücktrete und einen Beitrag leiste, um diese Ausnahmephase zu überwinden. „Die Anwohner müssen in überschaubarer Dimension daher bis ins späte Jahr 2020 auf einige nun gastronomisch genutzte Parkplätze verzichten. Das erscheint zumutbar.“

Ob auch nach der Corona-Krise die Erweiterung der Außengastronomie bestehen bleibt, ist noch unklar. „Die Genehmigungen gelten zunächst für die Sommersaison 2020“, so Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr abschließend. (pk)

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