Mehrere Kinder wegen Atemwegs-Virus auf der Mainzer Intensivstation

Kinderkliniken und Kinderärzte schlagen Alarm: Es werden immer mehr Kleinkinder eingeliefert, die an einer gefährlichen Atemwegsinfektion leiden. Auch die Mainzer Uni-Klinik hat mit dem Virus zu kämpfen. Zeitweise besteht sogar ein Aufnahmestopp.

Mehrere Kinder wegen Atemwegs-Virus auf der Mainzer Intensivstation

Bereits im Sommer gab es in einigen Länder einen hohen Anstieg an Krankenhausaufnahmen von Kindern, darunter England, Schweiz, USA und Australien. Grund war das Respiratorische Synzytial-Virus (RS-Virus), eine vor allem für Säuglinge und Kleinkinder gefährliche Atemwegsinfektion. Nun grassiert das Virus auch in Deutschland.

Auch am Mainzer Universitäts-Klinikum liegen mehrere Kinder mit dem RS-Virus auf der Station, „in der Saison vor allem zum Höhepunkt regelhaft bis zu zehn Kinder“, teilt Lukas Schnabel von der Universitätsmedizin mit. Fünf von ihnen befinden sich sogar auf der Intensivstation. „Nach zwei Corona-bedingten Jahren mit sehr wenigen stationär behandelten Kindern mit Atemwegsinfektionen haben wir in diesem Jahr eine vergleichsweise hohe Auslastung.“

Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete bereits im September, dass doppelt so viele Babys und Kleinkinder mit schweren Atemwegsinfektionen ins Krankenhaus eingeliefert wurden wie zum gleichen Zeitpunkt vor der Pandemie. Das RS-Virus mache zwei Drittel der Fälle aus.

Einige Kinder müssen beatmet werden

„Durch das RS-Virus werden die Kinder, verglichen mit anderen Infektionserregern, die die Atemwege betreffen, eher schwerer krank“, so Schnabel. „Dies kann bis hin zur Notwendigkeit der Beatmung auf der Intensivstation führen.“

An einzelnen Tagen, so Schnabel, bestehe aufgrund der hohen Auslastung sogar ein Aufnahmestopp, vor allem für planbare Eingriffe. Dann könnten nur noch die Notfälle versorgt werden. Denn da das RS-Virus hoch ansteckend ist, müssten infektiöse Patienten gemäß der Hygienevorschriften immer separiert behandelt werden, dann können also nicht mehrere in einem Zimmer untergebracht werden.

Doch was ist der Grund für den Anstieg der Fälle, warum gibt es gerade jetzt so viele erkrankte Kinder?

Vermutet wird, dass die Maßnahmen in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht nur das Corona-Virus in Schacht gehalten haben: Homeschooling, geschlossene Kitas, Masketragen, Kontaktbeschränkungen, Abstandhalten. Auch andere Krankheiten, die über die Luft oder per Tröpfchen übertragen werden, gingen zurück. Die Folgen könnten jetzt zum Vorschein kommen.

Während ältere Kinder und Erwachsene meist nur Erkältungssymptome zeigen, kann das RS-Virus vor allem für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich werden. Es kann zu akuter Bronchitis oder Lungenentzündung führen, Fieber und Atemnot auslösen. Der Erreger ist weltweit stark verbreitet und befällt die oberen und unteren Atemwege. Die Symptome ähneln einer Erkältung: Husten, Schnupfen, Halsweh und Fieber.

Viele Kinder holen nach

Die Ursache der hohen Erkrankungszahlen ist wohl, dass viele Kinder die Erkrankung „nachholen“. Erkrankt ein Kind erstmals an dem Virus, hat es oft einen schweren Verlauf. Auch konnte das Immunsystem wegen der Kontaktbeschränken nicht „trainieren“, da so auch der Kontakt mit Erregern ausblieb. Übertragen wird es durch Tröpfcheninfektion, über die Hände oder verunreinigte Oberflächen. Dort kann es sogar mehrere Stunden überleben. Es tritt bei uns verstärkt zwischen November und April auf.

Vorbeugen könnt ihr dem Virus am besten mit einer guten Hygiene, mit regelmäßigem Händewaschen etwa. Babys sollten zudem von Menschen mit Erkältung ferngehalten werden. Weisen gerade Säuglinge starken Husten, Atemnot, Fieber und große Müdigkeit auf, sollten die Eltern umgehend einen Kinderarzt aufsuchen.

Hinweis: In der ursprünglichen Version hieß es, dass aktuell zehn Kinder wegen des Virus auf der Station liegen. Aktuelle Zahlen kann uns die Uni-Klinik jedoch nicht melden.

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