Reparieren statt wegwerfen

Im Repair Café finden umweltbewusste Mainzer günstige Alternativen zum Neuerwerb defekter Geräte. Neben der Reparaturwerkstatt öffnen auch Fahrradwerkstatt und Kleidertausch am jeweils letzten Freitag im Monat von 18 Uhr bis 20:30 Uhr.

Reparieren statt wegwerfen

Während nachhaltige und ressourcenschonende Produktion immer wichtiger wird, nimmt die Haltbarkeit von Elektrogeräten laut einer Studie des ZDF ab. Eine Alternative zum Neukauf bietet das “Repair Café“ im Keller der Windmühlenschule in der Oberstadt. Immer am letzten Freitag im Monat reparieren ehrenamtliche Mitarbeiter dort defekte Geräte gegen eine Spende.

Angenehme Atmosphäre

Die elektrische Schreibmaschine hat Herrn Tepel lange Jahre gute Dienste beim Erstellen von Formularen geleistet, aber nun zieht sie kein Papier mehr ein. Früher habe er Tüfteleien gern selbst gemacht, mittlerweile traue er sich solche Feinarbeiten aber nicht mehr zu, erzählt seine Frau. Deswegen hat sich das Ehepaar entschlossen, am Freitagabend das Repair Café zu besuchen. Am Eingang begrüßt sie Gisela Apitzsch. Sie ist Referentin für gesellschaftliche Verantwortung des Evangelischen Dekanats Mainz und eine der Initiatoren des Projekts “Repair Café“. Da sie “zwei linke Hände“ habe, arbeitet sie nicht in der Werkstatt, sondern sitzt am improvisierten Empfang, begrüßt die Besucher und erklärt ihnen den weiteren Ablauf.

Jeder Besucher muss ein Formular mit seinem Namen und dem zu reparierenden Gegenstand ausfüllen, bevor er im Wartebereich Platz nimmt. Dort stehen Sitzgelegenheiten, Getränke und ein kleines Buffet bereit.

Repair Cafés stammen ursprünglich aus Holland, mittlerweile gibt es sie aber in ganz Europa. Das im April 2013 gegründete Mainzer Repair Café war eines ersten in Deutschland und das erste in Rheinland Pfalz. Seit 2014 finden regelmäßige Vernetzungstreffen von Reparaturinitiativen im Rhein-Main Gebiet statt. Dort tauschen die ehrenamtlichen Mitarbeiter Erfahrungen aus und unterstützen Interessierte bei eigenen Projekten.

“Hat jemand was Elektronisches dabei?“, fragt Thomas Kretzschmar. Eine Dame, die einen defekten Pürierstab mitgebracht hat, meldet sich. Da sich die Reihenfolge nach Art der Reparatur richtet, muss Ehepaar Tepel noch ein paar Minuten warten, bevor es ebenfalls in den Werkraum gerufen wird.

Dort untersucht Kretzschmar schon den Pürierstab. Kretzschmar ist Doktorand der Nanotechnologie - das Tüfteln mit Elektrogeräten ist sein Hobby.

Während er arbeitet, erklärt er der Besitzerin, was er tut. Die Besucher zu informieren, ihnen Techniken zu zeigen oder sie die Reparaturen unter Anleitung selbst durchführen zu lassen, ist ebenfalls Teil des “Repair Café“-Konzepts. Auch Sandra Siekmann packt in der Fahrradwerkstatt mit an, um die defekte Gangschaltung und die Bremsen ihres 20 Jahre alten Rads wieder auf Vordermann zu bringen.

Jeder Helfer ist willkommen

Derzeit gehören etwa 35 ehrenamtliche Mitarbeiter zum festen Stamm des Teams, hinzu kommen gelegentliche Helfer. Darunter sind auch drei Flüchtlinge. Abgesehen von deren technischen Geschick und kreativen Ideen, ist es Gisela Apitzsch wichtig, ihnen eine Aufgabe zu geben, die sie motiviert. Die Möglichkeit, im Repair Café soziale Kontakte zu knüpfen, erleichtere die Integration, weswegen Apitzsch sich über die Mitarbeit weiterer Flüchtlinge freuen würde.

“Es wäre auch schön, hier mehr Frauen zu sehen“, sagt sie. Aspitzsch vermutet, dass diese Angst davor hätten, sich vor den männlichen Helfern zu blamieren. Das sei allerdings unbegründet, denn nicht jeder Mitarbeiter ist Experte und die Ehrenamtlichen leisten nicht nur den Besuchern, sondern auch einander Hilfestellung. “Egal, ob an der Werkbank, der Nähmaschine oder bei der Organisation - wer mitarbeiten will, ist jederzeit willkommen.“

Prothesen aus dem Drucker

Carsten Kroll aus Wiesbaden arbeitet am 3D-Drucker. “Vom Brückenbau bis zur Reproduktion von Kunstschätzen ist prinzipiell alles druckbar“, erzählt Kroll. Derzeit beschäftigt er sich mit dem Projekt "Helping Hands", dessen Initiatoren Handprothesen mit Greiffunktion für Kinder in der ganzen Welt herstellen möchten.

Nebenan hat Ehepaar Tepel mittlerweile erfahren, dass die Reparatur der Schreibmaschine zu kompliziert werden würde. “Es war einen Versuch wert“, sagt Herr Tepel. Enttäuscht sei er nicht, immerhin habe er eine unabhängige Einschätzung erhalten. Mehr Glück hat die Dame mit dem Pürierstab: Tomas Kretzschmar ist es gelungen, das Gerät wieder funktionstüchtig zu machen.

Das Spendenglas im Eingangsbereich hat sich im Laufe des Abends gefüllt. Aus den Spenden der Besucher werden Speisen und Getränke der Veranstaltungen und der Neukauf von Werkzeug finanziert. Die Reparatur ist gratis, nur verwendete Ersatzteile müssen bezahlt werden.

Aufgrund des Feiertags im März öffnet das Repair Café samt Fahrradwerkstatt und Kleidertausch das nächste Mal am 29. April.

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