Explodieren jetzt die Gaspreise in Mainz?

Werden einige Mainzer ihre Heizung trotz Kältegraden nun vorzeitig abschalten? Mit Blick auf die aktuellen Gaspreise scheint dies nicht unrealistisch. Die Kosten erreichen Rekordwerte. Wie Energieanbieter und Verbraucherzentrale die Lage bewerten.

Explodieren jetzt die Gaspreise in Mainz?

Die Energiepreise in Deutschland kennen in diesen Tagen nur einen Weg - und zwar den nach oben. Wer in Mainz auf Öl beziehungsweise Benzin und Gas angewiesen ist, muss im Vergleich zu den Vorjahren kräftig draufzahlen. Aufgrund des Kriegs in der Ukraine haben die Preise zuletzt noch einmal stark angezogen und das, obwohl Deutschland weiterhin Öl und Gas aus Russland importiert. Gleichzeitig ist seit Jahresbeginn die CO2-Bepreisung für fossile Brennstoffe, zu denen auch Gas gehört, noch einmal erhöht worden.

„Entwicklung der Preise unvorhersehbar“

Viele Verbraucher stellen diese Rekordpreise nun vor existenzielle Probleme. Auch Leser Karl blickt mit Sorge auf die immer weiter steigenden Preise. Er weist daraufhin, dass zum Beispiel beim Anbieter Entega zuletzt der Arbeitspreis bei Ökogas um über 60 Prozent pro Kilowattstunde gestiegen ist - und das bei langjährigen Bestandskunden, wie er angibt. Das bestätigt auch der Anbieter selbst und schildert die aktuell schwierige Lage. „Wie alle anderen Energieversorger auch stellt die aktuelle geopolitische Situation Entega vor enorme Herausforderungen in Bezug auf den Gaseinkauf und die Kalkulation der Tarife“, sagt Unternehmenssprecher Michael Ortmanns gegenüber Merkurist. Einige Tarife seien in den vergangenen Monaten nun erhöht worden. In Einzelfällen sei es dabei auch zu den zitierten 60 Prozent gekommen.

Auch für die kommende Zeit kann der Sprecher keine Entwarnung geben, was die Energiepreise anbetrifft. „Generell kann derzeit kein Energieversorger weitere Preisanpassungen ausschließen, da die Lage an den Märkten gerade sehr volatil (unbeständig) und die weiteren Entwicklungen nahezu unvorhersehbar sind“ sagt Ortmanns. Von daher könne Entega seinen Neukunden in der jetzigen Situation auch keine Rabatte gewähren. Bei den Bestandskunden setze man jetzt alles daran, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten.

Kritik an „Zwei-Klassen-Modell“ der Energieversorger

Doch unabhängig vom Krieg in der Ukraine bemängelt die Verbraucherzentrale die drastischen Preisunterschiede bei den rheinland-pfälzischen Grundversorgern. Daher halte man eine Überprüfung dieser Preisstrukturen durch die Landeskartellbehörde für dringend erforderlich, teilt die Verbraucherzentrale am Montag mit. Besonders auffällig seien die Preisunterschiede für Neukunden in der Grundversorgung, vor allem beim Erdgas. Bei einer Abnahme von 20.000 Kilowattstunden lägen die Jahreskosten beim teuersten Anbieter sogar viermal höher als beim billigsten (1.485 Euro zu 6.112 Euro).

Wie Energie-Experte Hans Weinreuter von der Verbraucherzentrale sagt, würden die Versorger mit einem „Zwei-Klassen-Modell“ (Neukunde/Bestandkunde) ihre Preise mit den wesentlich höheren Kosten für die kurzfristige Beschaffung zusätzlicher Energiemengen auf den Spotmärkten begründen. „Schaut man sich jedoch die Preisentwicklung auf den Märkten für die Lang- und die Kurzfristbeschaffung an, so sind gesonderte Neukundenpreise jenseits von mehr als 16 Cent pro Kilowattstunde beim Erdgas kaum zu rechtfertigen.“

Auch wenn diese Preie nur eine Momentaufnahme seien, „ist vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine mit weiteren Preissprüngen zu rechnen“, so der Energie-Experte. Umso wichtiger sei eine kartellrechtliche Prüfung zum Schutze der Verbraucher.

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