85 Jahre ist es her, dass in vielen Städten Deutschlands die Synagogen in Flammen aufgingen, jüdische Einrichtungen, Wohnungen und Geschäfte geplündert und zerstört wurden. Auch in Mainz fielen die beiden Synagogen den Gräueltaten in der Reichspogromnacht zum Opfer. Etwa 1400 Menschen starben.
Anlässlich des Jahrestages der Pogromnacht kamen in der Neuen Mainzer Synagoge nun unter anderem die Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und der Mainzer Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) sowie Anna Kischner, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen, zusammen, um mit dem Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky der Menschen zu gedenken, die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 Opfer der Novemberpogrome wurden.
In dieser Nacht waren sowohl die ehemalige Mainzer Hauptsynagoge als auch die orthodoxe Synagoge am Flachsmarkt in Flammen aufgegangen, von den Nationalsozialisten in Brand gesteckt. Es war der Auftakt zu einem Terrorregime, das das jüdische Leben in vielen Städten Deutschlands fast ausgelöscht hat.
„Wir verneigen uns in Trauer vor den Opfern“
„Wir verneigen uns in Trauer vor den Opfern und stehen solidarisch an der Seite Israels“, verkündete Dreyer. Die Erinnerung an die Grausamkeit der Pogromnacht sei „besonders schmerzlich und notwendig“. Sie erinnere an das „dunkelste Kapitel unserer deutschen Geschichte.“ Gleichzeitig verurteilte Dreyer den Angriff vom 7. Oktober auf Israel: Diese „Terrorattacke“ sei „durch nichts zu rechtfertigen und erlaubt als Antwort nur die Solidarität mit Israel“.
Auch in Rheinland-Pfalz hätten jüdische Bürger Angst, etwa davor, ihre Kinder zur Schule zu schicken, den Bus zu nutzen oder in die Synagoge gehen, so Dreyer. Es sei eine „Verpflichtung“ der Landesregierung, dass sie „frei und sicher ihren Alltag und ihren Glauben leben können“.
Zum Gedenken waren auch etliche Mainzer Bürger in die Synagoge gekommen, einige von ihnen legten Blumen ab. Die Polizei war vor Ort. Die Veranstaltung sei weitgehend störungsfrei verlaufen.