Regina Bitzer ist seit Februar die neue General-Managerin des Hotels Brunfels in Mainz. Im Gespräch mit Merkurist erklärt sie, warum das Haus nicht nur internationale Gäste ansprechen, sondern vor allem ein Treffpunkt für die Mainzer werden soll.
Merkurist: Frau Bitzer, wie kam es dazu, dass Sie im Februar General Manager im Brunfels geworden sind?
Das kam tatsächlich überraschend, weil sich der vorherige Manager, Holger Hanselmann, einer neuen Aufgabe widmet und sich entschieden hat, das Haus zu verlassen. Da ich das Hotel von der Eröffnungsphase an mit begleitet habe, sind die Eigentümer auf mich zugekommen und haben mich gefragt, ob ich mir nicht vorstellen kann, die Leitung zu übernehmen.
Zuvor waren Sie bereits Operations Manager im Brunfels Mainz. Wie hat sich Ihr Aufgabenfeld nun verändert?
Es hat sich vor allem erweitert. Ich habe heute deutlich mehr administrative Verantwortung. Zuvor war meine Arbeit stärker im Hintergrund angesiedelt – jetzt bin ich viel präsenter – auch nach außen. Uns ist es wichtig, in Mainz sichtbar zu sein und zu zeigen: Wir sind nicht nur ein Hotel für internationale Gäste, sondern möchten ein Treffpunkt für die Mainzer Community werden.
Warum sind die Mainzer für Ihr Haus so wichtig? Ein Hotel lebt am Ende doch eher von Gästen, die aus anderen Städten anreisen, oder?
Wir sehen uns mit dem Brunfels als Teil der Community in Mainz. Natürlich bieten wir auf der einen Seite Zimmer für Übernachtungsgäste an. Aber wir haben hier auch eine Bar, wir haben ein sehr schönes Restaurant, das im vergangenen Jahr ausgezeichnet wurde.
Ich erinnere mich noch gut an die Eröffnung, vor etwa eineinhalb Jahren: Alles war vorbereitet, Pflanzen und Möbel standen bereit. Viele Nachbarn blieben neugierig vor der Tür stehen und haben hineingeschaut. Sie haben sich aber nicht getraut, hereinzukommen. Wissen Sie: Ein Hotel kann auf Einheimische manchmal abschreckend wirken, obwohl wir das ja überhaupt nicht wollen. Also haben wir bewusst die Türen geöffnet und die Menschen eingeladen, hereinzukommen. Selbstverständlich sollten Sie sich ansehen, wie es bei uns aussieht, oder eine Tasse Kaffee trinken. Inzwischen kommen einige der Nachbarn regelmäßig zu uns. Wenn wir eines nicht wollen, dann ist es, exklusiv zu wirken. Wir wollen nahbar sein.
Wie nehmen Sie die Menschen in Mainz wahr? Nehmen sie das an?
Absolut. Die Mainzer haben eine sehr ausgeprägte Willkommenskultur. Man kommt hier schnell mit Menschen ins Gespräch. Ich komme ursprünglich aus Baden-Württemberg und empfinde die Offenheit hier als besonders herzlich. Wenn ich über den Markt gehe, ergeben sich ganz selbstverständlich Gespräche – das schätze ich sehr.
Das Marktfrühstück in Mainz findet in diesem Jahr erstmals auch auf dem Schillerplatz statt, also in direkter Nähe zu Ihrem Hotel. Die Veranstaltung hat aber auch Kritiker. Wie blicken Sie auf das Marktfrühstück?
Grundsätzlich positiv. Ich würde mir wünschen, dass die Marktfrühstück-Besucher anschließend nochmal auf einen Drink oder ein Mittagessen bei uns vorbeikommen. Ich habe mitbekommen, dass in Mainz nicht alle Befürworter des Marktfrühstücks sind, aber warum das so ist, weiß ich nicht.
Es gibt mitunter Kritik an Lärm, Müll und an Menschen, die zu früh womöglich zu viel Alkohol trinken und sich danebenbenehmen.
Das müssen wir beobachten. Aber ich muss auch sagen: An Fastnacht hatten wir in dieser Hinsicht keine Probleme und das, obwohl das Brunfels ja wirklich sehr zentral liegt. Das Gegenteil war der Fall. Wir hatten Gäste im Haus, die betont haben, dass es bei uns angenehm ruhig gewesen sei und man dennoch zentral in der Innenstadt untergebracht war. Aber natürlich waren wir personell auch auf die Fastnacht vorbereitet und haben zum Beispiel zwei statt einem Mitarbeiter nachts an die Rezeption gestellt.
Welches Gäste-Klientel sprechen Sie mit ihrem Haus denn gezielt an?
Das ist ganz unterschiedlich. Geschäftsreisende, die in Mainz bei Veranstaltungen sind, aber auch solche, die in Frankfurt oder Wiesbaden auf Messen sind. Das schwappt auch zu uns herüber. Aber auch die klassischen Touristen oder Wochenendgäste kommen gerne ins Brunfels.
Seit rund eineinhalb Jahren gibt es das Brunfels nun in Mainz. Wie hat sich das Hotel aus Ihrer Sicht in der Stadt etabliert?
Wir sehen einen sehr positiven Start in das Jahr 2026 und der Bekanntheitsgrad steigt. Ich denke es ist auch unsere Aktivität in sozialen Medien, die uns dabei hilft. Wir gehören ja auch zur Hyatt-Gruppe und werden dort online mit vorgeschlagen, wenn Gäste ein Zimmer in Mainz suchen. Und nicht zuletzt leben wir auch von Gästeempfehlungen. Ich sage aber auch nicht, dass wir perfekt sind. Es gibt auch negative Rückmeldungen, die meistens konstruktiv sind. Worauf wir sehr viel Wert legen, sind unsere Mitarbeiter. Wenn ich in ein Bewerbungsgespräch mit einem Anwärter gehe, schaue ich natürlich auch auf die Qualifikationen. Aber besonders wichtig ist mir, dass ein Mitarbeiter mit seiner Persönlichkeit zu uns passt. Man muss gerne Gastgeber sein, serviceorientiert denken.
Welche negativen Erfahrungen haben Sie mit Gästen im Hotel bereits machen müssen?
Das hält sich wirklich in Grenzen. Aber ich erinnere mich an einen Gast, der kürzlich etwas mürrisch bei uns an der Rezeption ankam, das hat für Gesprächsstoff im Team gesorgt. Ich habe eine Mitarbeiterin kurz beiseitegenommen und ihr gesagt, dass es unser größtes Ziel sein sollte, dass dieser Gast am nächsten Morgen zufrieden das Haus verlässt. Ich habe schon oft erlebt, dass Gäste anschließend noch einmal vorbeikommen und sich entschuldigen.
Wir wissen nie genau, was ein Gast in diesem Moment erlebt hat oder was ihn beschäftigt. Vielleicht sind wir in solchen Situationen manchmal ein Stück weit wie eine zweite Familie. Viele Menschen kommen nach einem langen oder schwierigen Tag bei uns an und müssen zunächst das loswerden, was sich angestaut hat. Ob es Probleme auf der Anreise gab, beruflicher Stress dahintersteckt oder einfach ein schlechter Tag – das wissen wir nicht. Wenn wir es dann schaffen, einem Gast mit Freundlichkeit, Ruhe und Verständnis zu begegnen und ihm vielleicht sogar noch einen Wunsch zu erfüllen, dann haben wir unseren Teil dazu beigetragen, dass es ihm besser geht. Darauf können wir stolz sein.
Wie geht es der Hotelbranche in Deutschland gerade allgemein?
Wir beobachten aktuell eine positive Entwicklung, und auch die ersten Monate des Jahres verlaufen vielversprechend. Maßgeblich für die Hotelbranche wird allerdings sein, wie sich die Lage im Nahen und Mittleren Osten weiterentwickelt. Wie sich die Situation für größere Häuser angesichts der Weltlage entwickelt, bleibt abzuwarten. Als kleines Hotel sind wir hingegen vor allem von individuellen Buchungen geprägt. Unbestritten ist, dass die gesamte Branche unter den Folgen der Corona-Pandemie stark gelitten hat. Inzwischen hat sie sich aus meiner Sicht jedoch weitgehend stabilisiert.
Danke für das Gespräch, Frau Bitzer.