AKK zurück an Mainz? Das sagen die OB-Kandidaten

Seit mehr als 70 Jahren werden die ehemaligen Mainzer Stadtteile Amöneburg, Kostheim und Kastel von der Stadt Wiesbaden verwaltet. Doch könnten sie irgendwann wieder zurück an Mainz gehen? Das sagen die OB-Kandidaten.

AKK zurück an Mainz? Das sagen die OB-Kandidaten

Noch eine Woche, dann ist Oberbürgermeister-Wahl in Mainz. Am Sonntag, den 27. Oktober, ist es soweit. Ein anderes bedeutendes Ereignis wird aber noch deutlich länger auf sich warten lassen – wenn es überhaupt jemals dazu kommt. „Was sagen die Oberbürgermeisterkandidaten zum Zustand ‘geteiltes Mainz’ und den verlorenen Stadtteilen AKK?“, fragt Leser Olf in seinem Snip.

Was er meint: Seit 1945 werden die ehemaligen Mainzer Stadtteile Amöneburg, Kostheim und Kastel von der Stadt Wiesbaden verwaltet. Nach dem Zweiten Weltkrieg legten die alliierten Amerikaner und Franzosen den Rhein als Grenze zwischen ihren Besatzungszonen fest. Mainz kam in französische, die rechtsrheinischen AKK sowie Mainz-Bischofsheim, Mainz-Ginsheim und Mainz-Gustavsburg in amerikanische Hand. Über Amöneburg, Kastel und Kostheim hatte Wiesbaden nun die treuhändische Verwaltung; Ginsheim-Gustavsburg und Bischofsheim wurden eigenständige Gemeinden.

Doch was sagen die OB-Kandidaten zum ‘geteilten Mainz’?

Michael Ebling (SPD): „Abtrennung war Willkürakt“

Der amtierende Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) sagt: „Die Stadt Mainz hält an ihrem Rückgabeanspruch fest, denn die Abtrennung wesentlicher Teile des Stadtgebietes fand als Willkürakt, nicht im Rahmen politischer Beschlüsse, statt. Sowohl die Mainzer als auch die Mehrheit der AKK-Bevölkerung hätte wohl kein Verständnis dafür, diesen Anspruch ohne zwingenden Grund aufzugeben. Dies ist bisher auch quer durch alle politischen Lager in Mainz Konsens.“

„Thema weiter präsent halten“ - OB Michael Ebling

Eine realistische Chance, dass die Stadtteile eines Tages wieder zu Mainz gehören, sieht Ebling zwar. Allerdings handelt es sich hierbei um eine lang- bis mittelfristig zu sehende Option.“ Dies könne nur durch eine Fusion der beiden Länder Hessen und Rheinland-Pfalz geschehen, da die hessische Landesregierung die AKK-Stadtteile nicht abgeben wolle. Bis dahin gelte: „Wir werden uns weiterhin öffentlich für die Rückkehr aussprechen, um das Thema weiter präsent zu halten.“

Eine weitere Bevölkerungsbefragung wie 1986 kann sich Ebling durchaus vorstellen. „Allerdings muss man sicher aufpassen, ob eine derartige Befragung, die ohne rechtlichen Handlungsrahmen ins Leere laufen muss, nicht eher zu weiterer Unzufriedenheit führen würde.“ Die Situation der ehemaligen Stadtteile Ginsheim, Gustavsburg und Bischofsheim sieht Ebling anders als bei AKK. „Dort gab es eindeutige rechtliche Verselbständigungen in politischer Selbstverwaltung. Insoweit sind diese Beschlüsse zu respektieren.“

Tabea Rößner (Grüne): „Citybahn-Projekt nicht mit Gebietsanspruchsdebatten gefährden“

Auch für die OB-Kandidatin der Grünen, Tabea Rößner, ist rechts des Rheins auch noch Mainz. „Das spüren wir noch heute. Und die mit dem Rhein zwar topologisch verlaufende, aber nicht logische Grenzziehung nach dem Krieg hat die Stadt auseinander gerissen.“ Viele Menschen in AKK orientierten sich nach Mainz und nicht nach Wiesbaden. „Mainz ist viel näher. Viele Familien wollen, dass ihre Kinder in Mainz zur Schule gehen, und oft genug müssen sie aus Kapazitäts- und Kostengründen abgelehnt werden. Zudem wollen Mainz und das Land Rheinland-Pfalz die Kosten für diese Schülerinnen und Schüler nicht tragen.“

„Zusätzliche Gewerbeeinnahmen und Entwicklungspotenzial“ - Tabea Rößner

Ein weiterer Vorteil einer Wiedereingliederung von Amöneburg, Kostheim und Kastel: „Wenn die Stadtteile wieder zu Mainz gehören würden, hätte Mainz auf einen Schlag viele zusätzliche Gewerbeeinnahmen und zudem Entwicklungspotenzial“, so Rößner. Doch genau deshalb sei es wohl unrealistisch: Denn Wiesbaden werde darauf nicht verzichten wollen. „Und ob wir unsere nachbarschaftlichen Beziehungen mit aussichtslosen Initiativen belasten sollten, ist eher zweifelhaft.“

Wichtiger sei es deshalb, die Citybahn voranzutreiben, damit Mainz und Wiesbaden näher zusammenrücken. „Gerade die Citybahn über die Theodor-Heuss-Brücke würde die rechtsrheinischen Stadtteile besser an die Mainzer Innenstadt anbinden. Und dieses Projekt würde ich ungern mit Gebietsanspruchsdebatten gefährden“, so Rößner. Es brauche mehr Zusammenarbeit über die kommunalen und Landesgrenzen.

Martin Malcherek (Linke): „Ganz viele haben dort das Autokennzeichen WI-MZ“

Linken-Kandidat Martin Malcherek machte AKK schon von sich aus zum Wahlkampfthema. Er wuchs in Mainz-Kastel auf, bezeichnet sich selbst als „Brückenkind“. Er sagte im Merkurist-Interview: „Die Bürgerbefragung wurde damals von den Entscheidungsträgern weitestgehend ignoriert – und das Thema wird auch heute noch belächelt.“

„Auch Ginsheimer haben sich bei mir gemeldet“ - Martin Malcherek

Überall auf der Welt sei es demokratischer Standard, dass die Menschen entscheiden, zu welcher Gebietskörperschaft sie dazugehören. Oder dass sie zumindest gefragt würden. Malcherek sagt: „Bei AKK war es eine pragmatische Entscheidung nach dem Zweiten Weltkrieg, mit dem Lineal die Grenzen neu zu ziehen.“

Viele Menschen aus AKK führen zum Einkaufen, zur Arbeit oder zur Schule nach Mainz. „Zur Verwaltung müssen sie aber nach Wiesbaden, was weiter weg ist als der Stadtkern von Mainz.“ Und es sei auch eine emotionale Sache: „Ganz viele haben dort das Autokennzeichen WI-MZ. Ich kenne einige, die dort wohnen, und die sind verärgert, dass sich in Mainz niemand um die AKK-Belange kümmert.“ Malcherek setzt sich dafür ein, eine Rückgabe per Staatsvertrag zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz zu regeln. Außerdem sagt er: „Auch Ginsheimer haben sich übrigens bei mir gemeldet, dass sie immer wieder vergessen werden.“

Martin Ehrhardt (Die Partei): „Rathaus in Kastel bauen“

Auch OB-Kandidat Martin Ehrhardt von Die Partei setzt sich für die Eingemeindung von AKK ein. Gegenüber Merkurist sagte er: „AKK müsste sich dazu bekennen, zu Mainz zu gehören. Wir waren ja mit einem transparenten Trojanischen Pferd drüben, um zu zeigen: Wir kommen und wir kommen in Frieden.“

Ein anderer Ausweg sei es, ein Rathaus in Kastel zu bauen, das gleichzeitig Verwaltung und Touristenmagnet ist. „Die Stadt Mainz soll in Kastel auch noch Grundstücke haben, über deren Bebauung die Stadt Wiesbaden entscheiden müsste.“

Nino Haase: „Jetzt etwas in Aussicht zu stellen wäre unseriös“

Der parteilose Kandidat Nino Haase sagt: „Dieses Thema würde erst akut, wenn eine Föderalismusreform inklusive Neuordnung der Ländergrenzen anstünde. In dem Fall sollte man auch natürlich unbedingt die Bevölkerung direkt befragen.“

Bis dahin stelle sich die AKK-Frage nicht. „In der aktuellen Situation aber darauf zu dringen und Etwaiges in Aussicht zu stellen, halte ich für unseriös. Vielmehr sollten wir uns auf das Machbare konzentrieren: Der OB und Mainz im Ganzen verweigern sich aktuell einer Kooperation mit dem Landkreis. Ein Beispiel ist der seit zehn Jahren bereits geplante Radweg zwischen Klein-Winternheim und Marienborn.“

Hier muss man laut Haase eine ganz neue Form der Zusammenarbeit etablieren, „da nur so Themen wie übergreifende Verkehrskonzepte oder gemeinsame Wohn- und Gewerbegebiete in der Zukunft gelöst werden können“. Haase sagt: „Das muss Priorität haben und bringt unser Mainz wirklich weiter.“ (df)

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