Wohnungslose ausgesperrt: Ärger um Zaun an Mainzer Stadtbücherei

Wohnungslose finden hier keinen Unterschlupf mehr: Seit Freitag ist das Areal um die Mainzer Stadtbücherei umzäunt. Der Mainzer Mediziner Gerhard Trabert verurteilt dieses Vorgehen. Inzwischen gibt es jedoch Unterstützung für die Bedürftigen.

Wohnungslose ausgesperrt: Ärger um Zaun an Mainzer Stadtbücherei

Besonders wenn es regnet, kalt ist oder schneit, suchen Wohnungslose Zuflucht unter dem Vorbau der Mainzer Stadtbücherei. Für viele bietet sich hier die Chance auf einen überdachten Schlafplatz. Doch seit Freitag ist das nicht mehr möglich. Ein Zaun verhindert, dass Menschen hier einen Unterschlupf finden. Der Mainzer Arzt Prof. Dr. Trabert kritisiert diesen „Vertreibungszaun“ scharf. Über Nacht nun haben Aktivisten die Absperrung kreativ umfunktioniert, um Wohnungslose zu unterstützen.

„Solidarität mit wohnungslosen Menschen“

Wie Trabert gegenüber Merkurist erzählt, kennen er und sein Team die Stelle hinter der Stadtbibliothek schon lange als Zufluchtsort von Wohnungslosen. „Wir sind hier oft mit unserem Arztmobil vor Ort.“ Doch als er nun von Mitarbeitern und Bürgern erfuhr, dass hier jetzt ein Zaun aufgestellt wurde, sei er irritiert gewesen. „Es ist offensichtlich, dass der Zaun verhindern soll, dass Menschen dort schlafen.“ Für Trabert sei dies absolut nicht Ordnung.

Inzwischen habe er erfahren, dass das Gebiet um die Stadtbücherei einem Investmentfonds gehören soll. Wie man aber so reagieren konnte, sei für ihn nicht nachvollziehbar. Er wolle nun gerne wissen, wer diesem Zaunbau von städtischer Seite zugestimmt habe. „Was wird hier für eine Intention verfolgt? Menschen auszugrenzen und zu verdrängen?“, fragt Trabert. Er fände es besser, wenn man hier ins Gespräch komme und erörtere, was man gemeinsam tun könne. In einem ähnlichen Fall habe er beispielsweise schon einmal gute Erfahrungen mit dem Ordnungsamt gemacht.

Auf seiner Facebookseite fordert der Mainzer Arzt jetzt: „Wir sollten uns in Solidarität mit wohnungslosen Menschen wehren und den Abbau dieses Zaunes fordern.“ Gegenüber Merkurist erklärt Trabert nun, dass sich quasi über Nacht die Situation vor Ort geändert hat. Gemeinsam mit einigen seiner Mitarbeiter hätten Aktivisten aus dem „Ausgrenzungszaun“ einen „Gabenzaun“ gemacht. Die Idee dahinter sei, Solidarität mit den wohnungslosen Menschen zu zeigen, sagt Trabert. Nun könnten Leute kleine Spenden an den Zaun hängen und so Bedürftige unterstützen.

Gesucht würden beispielsweise Hygiene-Artikel oder auch Schals, Mützen und Handschuhe. „Auch haltbare Nahrung ist gut, jedoch keine Waren, die verderben können“, erklärt Trabert. Jetzt sei er erst einmal gespannt, wie die Stadt reagiert beziehungsweise der Investmentfonds. Bislang habe er nämlich noch keine Rückmeldung von dieser Seite aus erhalten. Er freue sich aber hier ins Gespräch zu kommen. Auf Facebook erhält die Aktion „Gabenzaun“ bis jetzt auch ausnahmslos positive Reaktionen.

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