Große Unterschiede in der Kaufkraft innerhalb von wenigen Kilometern: Im Landkreis Mainz-Bingen können sich die Menschen deutlich mehr leisten als in der Stadt Mainz. Das geht aus einer aktuellen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, das die Kaufkraft in 400 deutschen Kreisen und kreisfreien Städten miteinander verglich.
So landete der Landkreis Mainz-Bingen mit einem realen Pro-Kopf-Einkommen von 35.814 Euro sogar auf dem neunten Platz bundesweit. Die Lebenshaltungskosten liegen dort nur knapp über dem Bundesdurchschnitt.
Preisniveau in Mainz weit über Bundesdurchschnitt
Ganz anders sieht es in der Stadt Mainz aus: Hier bleiben den Menschen nach Abzug der Kosten nur 25.002 Euro pro Kopf. Damit belegt die Landeshauptstadt nur den 374. Platz. Grund dafür ist laut dem IW das hohe Preisniveau, das 8,6 Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt liegt. Auch die Nachbarstadt Wiesbaden (Platz 31) ist mit einem realen Einkommen von 31.763 Euro demnach deutlich kaufkräftiger als Mainz.
Für die Studie wurde das Einkommen der Menschen mit den regionalen Lebenshaltungskosten ins Verhältnis gesetzt. Dazu hat das IW nach eigenen Angaben anhand von frei zugänglichen Preisdaten berechnet, was das Leben in Deutschlands Städten und Gemeinden kostet. Daraus ergab sich das preisbereinigte Einkommen, also die tatsächliche Kaufkraft.
Hohe Kosten in Metropolen, Umland profitiert
Am meisten leisten können sich der Studie nach die Menschen in Heilbronn. Die Stadt in Baden-Württemberg führt bundesweit das Ranking an, obwohl der Landkreis Starnberg mit 44.500 Euro das höchste Einkommen hat. Dort schmälern aber die extrem hohen Lebenshaltungskosten die Kaufkraft. Viele Großstädte wie Hamburg (Platz 331), Frankfurt am Main (Platz 358) und Berlin (Platz 383) landen ebenfalls im hinteren Drittel, weil vor allem die hohen Wohnkosten die nominal hohen Einkommen aufzehren. Am unteren Ende des Rankings stehen Städte wie Offenbach am Main und Gelsenkirchen.
„Wer gleichwertigere Lebensverhältnisse schaffen will, muss vor allem den Wohnungsbau in den Städten voranbringen“, sagt IW-Ökonom Christoph Schröder. Gleichzeitig zeige die Studie, dass das Leben außerhalb der Metropolen finanziell attraktiv sei. „Damit sich mehr Menschen für ein Leben fern der großen Städte gewinnen lassen, müsste das Umland aber besser angebunden werden“, so Schröder.