Am Abend des 1. November fuhr ein Lastwagen mit mysteriöser Ladung durch Mainz-Finthen – waren es große Rohre für unterirdische Leitungen, ein spezieller Gastank oder sogar eine Rakete des US-Militärs? Merkurist-Leser Björn Bolenz hat den Transport fotografiert und vermutete, dass es sich um eine Trägerrakete handeln könnte. Wir haben nachgeforscht, was es mit dem Transport auf sich hatte.
Keine Aussage der US-Armee
Stand der Raketen-Transport möglicherweise im Zusammenhang mit den US-Streitkräften? Denn der Lastwagen war in Mainz-Finthen auf der Kurmainzstraße in Richtung Wackernheim unterwegs. Dort befinden sich die McCully Barracks der US-Armee, wo in früheren Zeiten unter anderem ein Flugabwehr-Artilleriebataillon stationiert war.
Auf Merkurist-Anfrage teilte ein Pressesprecher der U.S. Army Garrison in Wiesbaden mit: „Aufgrund des derzeit andauernden Government Shutdowns können wir leider keine Antwort geben.“ Hintergrund ist, dass in den USA zahlreiche Behörden seit dem 1. Oktober wegen einer Haushaltssperre geschlossen haben oder sich im Notbetrieb befinden.
Ein Zusammenhang des scheinbaren Raketen-Transports mit der US-Armee ist nichtsdestotrotz unwahrscheinlich – nicht zuletzt weil die Flugabwehr seit langem aus Wackernheim abgezogen wurde und ein offener Transport einer derart großen militärischen Rakete unüblich ist.
Leserhinweis liefert Auflösung
Die Schwarmintelligenz des Internets brachte letztendlich den entscheidenden Hinweis. Ein Reddit-User vermutete, dass auf den Fotos ein Raketenmodell mit dem Namen SpaceBuzz One zu sehen ist. Auch Merkurist-Leser Andres de la Rosa schreibt: „Das war die SpaceBuzz One.“
Der SpaceBuzz One ist ein begehbarer Lastwagen der Deutschen Raumfahrtagentur, der äußerlich einer liegenden Rakete ähnelt. Er dient Bildungszwecken und macht vorrangig an Schulen Halt. Ein Abgleich der Fotos auf der Webseite mit den Bildern der Rakete in Finthen zeigen klare Überschneidungen: Die Form der Rakete, die ungefähren Ausmaße und sogar die Form der Rücklichter passen perfekt zu dem Erscheinungsbild des SpaceBuzz One.
Raumfahrtbehörde bestätigt Route des Lastwagens
Auf Anfrage bestätigte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), dass sich das Fahrzeug am 1. November auf dem Weg von Nieder-Olm nach Oelde in Nordrhein-Westfalen befand. Auf der Route liegt Mainz-Finthen, wo die Fotos von Björn Bolenz entstanden sind.
Die DLR erklärte in ihrer Antwort: „Der Spacebuzz One ist ein Schulprojekt, um bei Schülerinnen und Schülern das Verständnis für die Bedeutung der Raumfahrt zu erhöhen.“ Es handele sich um einen begehbaren High-Tech-Lkw, der im Inneren mit Virtual-Reality-Technologie ausgestattet sei. Auf den beweglichen Sitzen und mit den VR-Brillen könnten sich Besucher auf einen virtuellen 15-Minuten-Raumflug zum Mond begeben – zusammen mit ESA-Astronauten Matthias Maurer und Alexander Gerst.
Die Stationen des SpaceBuzz One sind im Internet aufgelistet. Am Gymnasium Nieder-Olm ist das Fahrzeug wohl gut angekommen. Ein Reddit-User berichtete, dass sein Sohn sich sehr gefreut habe. Die für 2026 ausgebuchten Haltestellen werden in Kürze veröffentlicht, so die DLR in ihrer Mitteilung. Schulen in allen Bundesländern sowie öffentliche Veranstaltungen werden nächstes Jahr vom SpaceBuzz One angefahren.