Zwei Spuren nebeneinander: Warum die Stadt Mainz parallele Radwege einrichtet

Ein Fahrradweg und gleich daneben ein Fahrradschutzstreifen auf der Straße: An vielen Stellen in Mainz verlaufen gleich zwei Spuren für Radfahrer nebeneinander. Wir haben bei der Verkehrsdezernentin nachgefragt, warum das so ist.

Zwei Spuren nebeneinander: Warum die Stadt Mainz parallele Radwege einrichtet

An einigen Stellen in Mainz verläuft neben dem eigentlichen Radweg ein zusätzlicher, für Fahrradfahrer ausgewiesener Streifen am Fahrbahnrad. Warum das so ist, fragen sich einige Merkurist-Leser.

„Warum werden immer mehr Fahrradschutzstreifen parallel zu Fahrradwegen auf die Straße gemalt?“ will Yannick Felix in einem Snip wissen. So würden die Fahrradfahrer „neben einem doch ausreichend ausgebauten Radweg dazu animiert auf der Straße zu fahren.“ Auch Leser Michael wundert sich: „Besonders geschützt fühlt man sich dort nicht, so wie die meisten Autos unterwegs sind. Die seitlichen Radwege sind an der Stelle sowohl von Bodenbeschaffenheit (ohne Vollfederung) als auch aus anderen Gründen unbefahrbar gefährlich. Man hat ständig Bordsteinkanten, an jeder Seitenstraße wird von Autos Vorfahrt missachtet usw.“

Die Wegführung ist „suboptimal“

Die Mainzer Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) sagt dazu auf Merkurist-Anfrage: „Oftmals sind die bestehenden schmalen Bordsteinradwege, neben denen meist auch Parkplätze verlaufen, nicht mehr zeitgemäß und in ihrer Wegeführung suboptimal.“ Auch führe der gestiegene Radverkehrsanteil bei kombinierten Lösungen von Geh- und Radwegen oft zu „Konflikten mit zu Fuß Gehenden.“

Generell, so Steinkrüger, würden immer mehr Menschen in Mainz umsteigen: Statt mit dem Auto zu fahren gingen sie zu Fuß, nutzten den Öffentlichen Personennahverkehr oder eben das Fahrrad. Bereits vor der Corona-Zeit sei ein Viertel der Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt worden. Daher gelte es, auch diesen Fortbewegungsarten „gute Angebote zu machen, die den heutigen Ansprüchen der Radverkehrsentwicklung gerecht werden.“

Denn mit dieser Zunahme gingen Platzbedürfnisse einher, denen „insbesondere auch im Sinne der Verkehrssicherheit Rechnung getragen werden muss“, so Steinkrüger. Neben dem Ausbau weiterer Radinfrastruktur suche man daher nach Lösungen für die Bestandsradwege.

Wege stellenweise eingeengt

So seien laut der Dezernentin die vor Jahrzehnten angelegten Geh- und Radwege insgesamt lediglich drei bis vier Meter breit, zudem „durch Schilder, Umlaufsperren, Ampelmasten stellenweise eingeengt.“ Problematisch sei dies gerade für Fahrräder mit Kinderanhänger oder Menschen mit Rollatoren. Auch Baumwurzeln haben die Wege teilweise beschädigt.

Laut den Regelwerken sollten mindestens zwei Meter je Fahrtrichtung zur Verfügung stehen, je nach Fußverkehrsfrequenz weitere drei bis fünf Meter Gehwegbreiten. An vielen Stellen gebe es die räumliche Situation in Mainz aber nicht her, solch breite Verkehrswege zu realisieren. Zusätzlich werde die Sicht durch Fahrzeuge erschwert, die entlang des Bordsteins parken. Vor allem an Querungsbereichen und an Kreuzungspunkten bedeute dies ein „erhöhtes Unfallpotential.“

Durch eine Umverteilung des Straßenraums könnten so Unfallsituationen zwischen geradeausfahrendem Radverkehr und rechtsabbiegendem Autoverkehr vermieden werden. Schutzstreifen oder Piktogrammketten seien als Alternative also eine „gute Lösung“.

Keine Radwege-Benutzungspflicht

Eine Benutzungspflicht für Radwege gebe es laut Straßenverkehrsordnung nur dann, wenn das Fahren auf der Straße gefährlich sei. In solchen Fällen dürfen sowohl die Fahrbahn als auch der Radweg genutzt werden, sofern dieser nicht beschildert ist. Die Radwege bleiben also erhalten, sie müssen aber nicht zwingend genutzt werden, so Steinkrüger.

Die 1,50 bis 1,75 Meter breiten Schutzstreifen wurden in Mainz dort eingerichtet, wo die Fahrbahn breit genug ist. Sie sind mit einer unterbrochenen Schmalstrichmarkierung gekennzeichnet, wie zum Beispiel im Abschnitt der Hechtsheimer Straße oder der Hattenbergstraße. Entlang der Göttelmannstraße am Volkspark wurden Radpiktogramme mit Pfeil angebracht.

„Der Alltagsradverkehr soll gestärkt werden, indem die Stadtteile untereinander und mit der Innenstadt gut verbunden sind“ - Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger

Langfristig wolle die Stadt den „Alltagsradverkehr“ weiter stärken, etwa „indem die Stadtteile untereinander und mit der Innenstadt gut verbunden sind“, so Steinkrüger. Ziel sei es, Stadtteilrouten für den Radpendelverkehr anzubieten, „auf denen die Radfahrenden komfortabel und intuitiv geführt werden.“ So könnten auch die Wartezeiten an Ampeln reduziert sowie Beschilderung und Markierung ergänzt werden.

Ein aktuelles Beispiel dafür sei die Route aus Hechtsheim über die Oberstadt durch die Elisabeth-Selbert-Straße, den Karcherweg und den Ebersheimer Weg. Aktuell werde zudem an der Windmühlenstraße die Furt über die Straße verbreitert, die Umlaufsperren entfernt, die Bordsteine abgesenkt und die Ampelanlage angepasst, um die Route durch die Grünanlage Drususwall weiterzuführen. „Mit Hilfe von Wärmebildsensorik werden Radfahrende dann frühzeitig erfasst und so die Wartezeit an der Ampel verkürzt“, erzählt Steinkrüger.

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