Immer wieder sorgen die Fahrradstraßen in Mainz für Diskussionen. Während einige Anwohner über Konflikte und Einschränkungen klagen, sehen andere einen wichtigen Beitrag zur Verkehrsberuhigung. Merkurist-Leser Simon schreibt in seinem Snip: „Frust bei Anliegern von Fahrradstraßen. Sind Fahrradstraßen in Mainz noch sinnvoll, oder braucht es eine Neubewertung?“.
Die Meinungen gehen dabei auseinander. Ein Leser kommentiert etwa: „Ich lese immer nur folgendes: Die Anwohner der Fahrradstraßen profitieren zudem durch die Verkehrsberuhigung und Lärmminderung - eine gesteigerte Aufenthaltsqualität ist die Folge.“ Ein anderer Leser spricht sich hingegen auch für eine Neubewertung aus: „Die waren noch nie sinnvoll. Ich wohne in einer. Viele Radfahrer radeln munter auf den Gehwegen.“
In Fahrradstraßen hat der Radverkehr grundsätzlich Vorrang. Radfahrer dürfen nebeneinander fahren und das Tempo bestimmen. Autos sind nur dann zugelassen, wenn dies durch ein Zusatzschild erlaubt wird. Für alle Verkehrsteilnehmer gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h. Nach Angaben der Stadt Mainz hat sich der Radverkehrsanteil in Mainz deutlich erhöht: Von 12 Prozent im Jahr 2008 auf rund 31 Prozent im Jahr 2023. Insgesamt würden etwa 72 Prozent aller Wege in der Stadt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr zurückgelegt.
Stadt sieht keinen Bedarf für eine Neubewertung
Die Landeshauptstadt Mainz bewertet die bisherigen Erfahrungen mit Fahrradstraßen auf Merkurist-Anfrage insgesamt positiv. Diese hätten sich etabliert und erfüllten ihre Funktion. Gleichzeitig verweist die Stadt darauf, dass der öffentliche Raum begrenzt sei und unterschiedliche Nutzungsansprüche miteinander in Einklang gebracht werden müssten. Fahrradstraßen hätten sich dabei als geeignetes Instrument zur Verkehrsberuhigung und für ein rücksichtsvolleres Miteinander erwiesen. Laut der Stadt liegen keine Erkenntnisse vor, dass Fahrradstraßen die Verkehrssicherheit verschlechtern. Vereinzelte kritische Beschwerden könne man nicht mit der repräsentativen Bewertung der Fahrradstraßen gleichsetzen, die sich unter anderem auf Verkehrserhebungen, Unfallanalysen, fachliche Bewertungen und praktische Erfahrungen stützt.
Die Stadt betont zudem, dass sie die Entwicklung ihrer Verkehrsmaßnahmen kontinuierlich beobachte. Hinweise aus der Bevölkerung würden ernst genommen. Anpassungen seien bei Bedarf möglich, beträfen jedoch die konkrete Ausgestaltung vor Ort und nicht die grundsätzliche Funktion der Fahrradstraße.
ADFC bewertet Mainzer Fahrradstraßen weiterhin positiv
Gegenüber Merkurist erklärte die stellvertretende Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Mainz-Bingen (ADFC) Amelie Döres, dass Fahrradstraßen aus Sicht des Verbands einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten. Auch seitens des ADFC kann von einer positiven Bilanz der Fahrradstraßen gesprochen werden. Insbesondere Anwohner berichteten von weniger Durchgangsverkehr und geringerer Lärmbelastung. Zudem könne die erhöhte Sicherheit im Straßenraum, etwa für Kinder, als klarer Vorteil gewertet werden. Eine Neubewertung der bestehenden Fahrradstraßen lehnt der ADFC klar ab und spricht sich stattdessen für einen weiteren Ausbau aus.
Aufklärungsbedarf statt Neubewertung
Der ADFC sieht die Ursache vieler Konflikte eher bei der Rücksichtslosigkeit von Verkehrsteilnehmern: „Aus unserer Sicht besteht hier Bedarf an mehr Aufklärungsarbeit seitens der Stadt.“, so Amelie Döres. Vor diesem Hintergrund hat sich die Stadt Mainz auf erneute Merkurist Anfrage zur Aufklärungsarbeit geäußert. Die Stadt bestätigt, dass zusätzliche Aufklärung grundsätzlich wichtig sei, jedoch seien Fahrradstraßen seit fast 30 Jahren Teil der Straßenverkehrsordnung und damit auch Bestandteil der Fahrausbildung. Neue Fahrradstraßen würden dennoch regelmäßig durch Informationsschreiben für Anwohner, Flyern und weiteren Informationsangeboten begleitet.