Katrin Eder: „Mainz braucht keine neue Rheinbrücke“

Knapp vier Wochen war die Theodor-Heuss-Brücke wegen Sanierungsarbeiten gesperrt. Das hat auch die Diskussionen um eine weitere Rheinbrücke aufleben lassen. Was die Mainzer Verkehrsdezernentin dazu sagt.

Katrin Eder: „Mainz braucht keine neue Rheinbrücke“

Seit mehr als zwei Wochen ist die Theodor-Heuss-Brücke nach der Sanierung wieder für den Verkehr freigegeben - früher als eigentlich geplant. Für die Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Grüne) ein großer Erfolg. „Es hat einfach alles gepasst – das Wetter und die Arbeit der Fachkräfte. Durch die reduzierte Befahrung der Brücke gingen die Bauarbeiten auch schneller von der Hand“, sagt sie im Gespräch mit Merkurist.

Dennoch gebe es einen Wermutstropfen: „Leider ist die Würdigung einer Leistung in unserer Gesellschaft nur noch selten gegeben, noch sporadischer für die öffentliche Verwaltung. Das bedauere ich sehr, denn die Mitarbeiter haben hier wirklich alles gegeben“, so Eder. Sie glaubt allerdings, dass die Sperrung eine interessante Erfahrung war. „Etliche Leute sind auch auf den ÖPNV umgestiegen, 1111 Brückentickets wurden verkauft. Lastenräder wurden stark nachgefragt.“ Und auch für die Atemluft sei die Sperrung gut gewesen, da der Durchgangsverkehr stark reduziert wurde. „Die Messwerte von Stickstoffdioxid an den Dauermessstellen in Mainz wurden eingehalten. In Wiesbaden und Frankfurt sind die Werte in dieser Zeit angestiegen.“

Braucht Mainz eine weitere Rheinbrücke?

Trotzdem wurden Stimmen laut, die eine dritte Rheinbrücke für den Autoverkehr zwischen Mainz und Wiesbaden forderten. Heftige Kritik geübt hat der Wiesbadener Stadtentwicklungsdezernent Hans-Martin Kessler am Koalitionsvertrag der Mainzer Ampel. Kessler wirft Mainzer Grünen, SPD und FDP vor, dass sie keine zusätzliche Rheinbrücke für den Autoverkehr zwischen Mainz und Wiesbaden wollen (wir berichteten). Doch braucht Mainz überhaupt eine weitere Rheinbrücke? Eder hat dazu eine ganz klare Meinung. „Nein. Mainz braucht keine neue Rheinbrücke für Autos. Mit dem Ausbau der Schiersteiner Brücke wird mehr Kapazität gewonnen. Eine neue Brücke würde wieder mehr Autofahrer anlocken. Das funktioniert wie Schwarmintelligenz. Und je näher sie an der Theodor-Heuss-Brücke wäre, desto mehr Verkehr würde die neue Brücke in die Innenstadt ziehen.“

Vor allem im Hinblick auf das Dieselfahrverbot und den Luftreinhalteplan sei eine weitere Rheinbrücke der falsche Weg. „Das Ganze würde das, was wir derzeit mit dem Luftreinhalteplan versuchen zu lösen, ad absurdum führen.“ Auch Platz, an dem die Brücke aufsetzen könnte, sehe Eder derzeit nicht - höchstens an der Kaiserbrücke. „Wo ich offen bin, wäre eine Fußgänger- oder Radbrücke zu bauen. Lasst uns doch lieber daran arbeiten, dass es attraktiv wird, vom Auto wegzukommen. Meine Haltung war zu diesem Thema da schon immer sehr klar.“ (pk)

Logo