Mordfall Susanna: Was für ein Frauenbild hatte Ali B?

Im Prozess um die tote Schülerin Susanna sagte am Mittwoch die ehemalige Freundin des Angeklagten aus. Sie beschreibt Ali B. als einen sehr reizbaren und extrem eifersüchtigen Menschen.

Mordfall Susanna: Was für ein Frauenbild hatte Ali B?

Als am 27. März die Verhandlung um den Mord an der 14-jährigen Susanna aus Mainz für einen Vormittag an den mutmaßlichen Tatort in der Nähe von Erbenheim verlegt wurde, hielten die Kameras den Angeklagten Ali B. dabei fest, wie er dem Richter den Tatort beschrieb. Er trug eine weiße Jacke, oberhalb seiner gefesselten Hände waren handgeschriebene Buchstaben zu lesen. Mit Filzstift waren zwei Herzen und ein Mädchenname auf die Jacke geschrieben. Vermutlich wollte der 22-jährige Asylbewerber damit seine Liebe zu seiner Freundin ausdrücken, mit der er zum Tatzeitpunkt zusammen war. Die 17-Jährige war am Mittwoch vor dem Landgericht als Zeugin geladen.

Liebevoll aber eifersüchtig

Seit Juni 2017 seien sie und Ali ein Paar gewesen. Jeden Tag habe er sie von der Schule abgeholt und sie hätten dann gemeinsam viel Zeit verbracht. Auch spät abends hätten sie immer lange miteinander telefoniert, bis sie eingeschlafen sei. „Ali war eigentlich immer nett und liebevoll zu mir“, beschreibt die Zeugin das gemeinsame Verhältnis. Manchmal sei er aber auch sehr aggressiv gewesen. Besonders dann, wenn er getrunken habe. Und das soll er sehr oft getan haben, mehrere Flaschen Wodka in der Woche seien üblich gewesen. Wie aggressiv Ali war, hätte die 17-Jährige etwa bei einem ihrer Besuche bei ihm zu Hause bemerkt. Häufig habe er seinen kleinen Bruder heftig geschlagen. Sowohl mit der Hand als auch mit einem Gürtel soll er auf den 13-Jährigen eingeprügelt haben, bis dieser geweint und um Gnade gefleht habe.

„Wenn Ali betrunken war, musste man aufpassen, was man sagt.“ - Exfreundin

„Wenn Ali betrunken war, musste man aufpassen, was man sagt“, so seine damalige Freundin. Wenn seine Freunde etwa kleine Späße mit ihm machten, sei es schnell zu bedrohlichen Situationen gekommen, die in Schlägereien geendet hätten. Vor allem aber sei Ali B. extrem eifersüchtig gewesen. Wenn er mit seiner Freundin unterwegs war, habe er ihr jeglichen Kontakt mit anderen Jungen verboten, auch ihre alten Freunde habe die 17-Jährige nicht mehr sehen dürfen. Immer wenn sich die beiden getroffen hätten, habe Ali ihr sofort das Handy abgenommen und es ihr manchmal erst Tage später wieder gegeben. „Er hatte alle meine Passwörter und über eine App meine Chats überwacht“, sagt die Zeugin. Als er ein Gerücht gehört habe, dass sie sich trotz seines Verbots mit einem Jungen getroffen habe, sei er sofort bei ihr zu Hause vorbei gefahren. „Er hat mich als Schlampe bezeichnet und auch meine Mutter bedroht, wenn so etwas noch mal passiert.“

Auch andere Mädchen seien für ihn „Schlampen“ gewesen, weil sie etwas mit anderen Jungs machten. Darunter auch Susanna, die schon mit mindestens drei Jungs geschlafen habe. Für ihn schienen diese Regeln aber nicht gegolten haben, so die Zeugin: „Er hat oft anderen Mädchen hinterhergeguckt und ich weiß, dass er mich mindestens einmal betrogen hat.“

„Ich habe nur geweint und konnte nichts mehr essen.“ - Exfreundin

Dennoch scheint das Mädchen dem Angeklagten voll vertraut zu haben: „Ich habe ihn geliebt und ihm alles geglaubt.“ Auch als Susanna verschwunden war, glaubte sie ihm seine Lügen, dass er davon nichts wusste. Als sie aber erfuhr, was ihr Freund angestellt hatte, sei sie am Boden zerstört gewesen: „Ich habe nur geweint, konnte nicht mehr schlafen und nichts essen.“ Erst durch eine Therapie sei sie dann wieder in die Spur gekommen. (ts)

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