Psychotherapeuten fordern faire Ausbildung

Eine Vierzigstundenwoche ohne Bezahlung und das bei 25.000 Euro Ausbildungskosten - unter diesen Bedingungen arbeiten Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) in deutschen Kliniken. Am Freitag wurde in Mainz dagegen protestiert.

Psychotherapeuten fordern faire Ausbildung

„Patient geheilt - Therapeut ausgebrannt“ und „Wir sind nicht einmal den Mindestlohn wert“: Mit diesen Aussagen protestierten rund 40 Mainzer Psychologiestudenten am Freitagnachmittag auf dem Gutenbergplatz. Denn trotz abgeschlossenem Hochschulstudium arbeiten die Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) oftmals ohne Rechtsstatus und ohne Gehalt dafür zu bekommen.

Ausgestattet mit Plakaten, T-Shirts und Flyern machten die Studenten auf die Ausbildungsbedingungen aufmerksam. „Obwohl wir einen Masterabschluss haben, werden wir in der Ausbildung zum Psychotherapeuten wie Praktikanten behandelt“, erzählt Psychologiestudentin Miriam Oberhettinger. „Trotz einer Vierzigstundenwoche verdienen die Auszubildenden oft nur 450 Euro im Monat oder teilweise auch gar nichts - und das bei durchschnittlich 25.000 Euro Ausbildungskosten.“ Außerdem hätten die Auszubildenden in den meisten Fällen kein Recht auf Leistungen wie Sozialversicherungen oder Mutterschutz.

Situation im Rhein-Main-Gebiet

Wie sieht die Situation der Auszubildenden in Mainz aus? „Im Rhein-Main-Gebiet sind die Bedingungen schon okay“, erzählt Miriam. Trotzdem gebe es Kliniken, die kein Gehalt zahlen. Und dagegen sammeln die Studenten während ihres Protests Unterschriften. Studentin Shiwa ist der gleichen Meinung wie die Protestler: „Ich studiere Soziale Arbeit und möchte später als Kinder- und Jugendpsychotherapeutin arbeiten.“ Deswegen finde sie die Aktion gut. Die Unterschriftenliste solle in zwei Wochen dem Bundesministerium für Gesundheit vorgelegt werden, so Miriam.

Doch nicht nur in Mainz wird protestiert. „Die ganze Woche über finden deutschlandweit Protestaktionen statt“, sagt Miriam. Organisiert werden die Proteste von der Psychologischen Fachkonferenz (PsyFaKo) und den lokalen Psychologiefachschaften der Universitäten. In Mainz sei es schon der dritte Protest für bessere Arbeitsbedingungen. Und die Aktion scheint etwas zu bewirken: „In Baden-Württemberg wurden inzwischen Tarifverträge mit den Unikliniken ausgehandelt“, so die Studentin. Auch wenn die Gehälter immer noch unter dem Mindestlohn lägen, sei es zumindest eine Besserung.

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