Julia Klöckner über ihr Studium in Mainz

Die in Bad-Kreuznach geborene Julia Klöckner zog für ihr Studium nach Mainz. Damals wollte die heutige Vorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz Lehrerin werden - und nahm sich als Weinkönigin auch mal ein Semester frei.

Julia Klöckner über ihr Studium in Mainz

Heute kennt man Julia Klöckner von Wahlplakaten, Polit-Sendungen und Landtags-Debatten. Vor 20 Jahren war die Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU in Rheinland-Pfalz noch Studentin in Mainz: Nach ihrem Abitur in Bad Kreuznach studierte sie in der Landeshauptstadt Politikwissenschaften, Theologie und Pädagogik. Klöckner hat Merkurist in einem Interview erzählt, welche Mainzer Kneipen sie als Studentin gerne besuchte und warum sie mal Profi-Tischtennisspielerin werden wollte.

Merkurist: Frau Klöckner, Sie stammen aus einer Winzerfamilie in Guldental. Ihr Bruder ist der jetzige Inhaber Ihres Familienweinguts. Warum haben Sie sich nach Ihrem Abitur 1992 gegen den Beruf der Winzerin entschieden, obwohl es ja damals naheliegend gewesen wäre?
Was wäre gewesen, wenn ich das Weingut übernommen hätte? Keine schlechte Vorstellung, ein toller Beruf! Aber schließlich hat mein älterer Bruder Stephan in Geisenheim Weinbau und Oenologie studiert, mich hat es ja zum Lehramtsstudium gezogen. Es war einfach früh klar, dass mein Bruder den Betrieb übernimmt. Als junge Frau hatte ich außerdem Interesse an etwas Neuem, das Weingutsleben kannte ich ja bereits.

Sie studierten nach dem Abitur schließlich an der Johannes Gutenberg-Universität. Warum in Mainz und nicht weiter weg?
Ich habe gerne in Mainz studiert, ich mag diese Stadt und die Menschen hier! Und es hatte praktische Gründe. 40 Minuten Autofahrt in mein Heimatdorf Guldental. Dort war ich auch während meines Studiums in Vereinen aktiv und hatte dort meinen Freundeskreis. Deshalb wollte ich nicht zu weit weg. Außerdem studierte eine enge Freundin ebenfalls an der JGU, so hatte ich dann auch in Mainz einen sehr schönen Freundeskreis. Gewohnt habe ich damals, als es aufs Examen zuging, im Studentenwohnheim Weisenau, später dann in Mainz-Bretzenheim. 

Und warum die Fächer Politikwissenschaften, katholische Theologie und Pädagogik?
Ich habe sowohl den Magisterabschluss als auch das Staatsexamen darin gemacht. Die Fächer haben mich interessiert, weil es ums Prinzipielle geht, also um die Vorstellung von Gesellschaft und Person. Fächer, die mir als Gymnasiallehrerin - die ich werden wollte - eine Möglichkeit gaben, Schülern eine eigenständige Haltung fürs Leben mitzugeben. Und in meiner Schulzeit haben mich meine Sozialkunde- und Religionslehrer sehr geprägt. Deshalb wollte ich diese Fächer unterrichten.

Auch schon zu Schulzeiten?
Als Kind wollte ich Profi-Tischtennisspielerin werden, so wie Olga Nemes. Ihr Poster hing in meinem Zimmer. Sie wurde mehrfach Deutsche Meisterin, und ich war ein großer Fan von ihr. Aber der Wunsch, Lehrerin zu werden, war dann doch stärker. Ich habe zwar in einer Tischtennismannschaft gespielt, aber auf überschaubar lokaler Ebene...

Während des Studiums waren Sie bereits politisch aktiv und traten 1996 der Jungen Union bei. Hatten Sie da noch Zeit für Freunde und Hobbys?
Ja klar, das konnte ich alles gut unter einen Hut bringen. Die Studentenzeit war wirklich eine tolle Zeit. Mit einigen habe ich bis heute Kontakt. Wir waren auch eine Mädelsgruppe, die sich heute noch trifft. Studifeten in der Muschel, Treffen in der Cafeteria im ReWi... Zu studieren lag mir, hat mir gefallen. Das selbstständige Zusammenstellen der Vorlesungen und Seminare, Vertiefen in Themen und Seminararbeiten. Außerdem konnte ich mir während des Studiums ein Freisemester nehmen - ich war Deutsche Weinkönigin -, um in die Welt zu reisen.

Sind Ihnen bestimme Dozenten besonders in Erinnerung geblieben?
Ja, sicher. Im Fachbereich Theologie zum Beispiel der beeindruckende Professor Theo Schneider, den ich sehr schätze. Heute duzen wir uns, zu seinem runden Geburtstag durfte ich die Rede halten. Professor Ulrich Druwe und Jürgen Falter oder der legendäre Professor Hans Buchheim in der Politikwissenschaft sind mir sehr in Erinnerung geblieben. 

Wo haben Sie während des Studiums gewohnt?
Anfangs noch zuhause im Guldentaler Weingut, dann im Studentenwohnheim in Weisenau. Kleines Apartment, der Kühlschrank mit Weinflaschen voll für die netten Runden mit den Franzosen, die auch dort wohnten und die ihre Tropfen aus der Heimat immer dabei hatten. Das waren schon sehr gesellige Abende (lacht). Die erste kleine, eigene Wohnung gab einem ein Stück Freiheit, ein neuer Abschnitt. Eigentlich wollte ich die eigene Wohnung vor allem, um in Ruhe für die Uni lernen zu können. Am Ende bin ich zum Lernen können dann doch nach Guldental gefahren, da war die Ablenkung nicht so groß (lacht).

Welche Mainzer Cafés, Bars und Restaurants besuchten Sie als Studentin?
Das "Heiliggeist" war damals wie heute ein beeindruckender Ort. Aber auch die Studipartys auf dem Campus - nicht übel. Genau wie die Weinkneipen in der Augustinergasse oder das Café Pomp an der Großen Bleiche. Also Anlässe und Möglichkeiten gab es genug, um nicht alleine sein zu müssen (lacht).

1998 hatten Sie Ihren Studienabschluss sowie das 1. Staatsexamen für Lehramt Gymnasium für die Fächer Sozialkunde und Religion. Anschließend schlugen Sie eine andere berufliche Richtung ein und machten eine Hospitanz beim SWR Fernsehen in Mainz. Wie kam es dazu?
Neben meinem Studium hatte ich das Ehrenamt der Deutschen Weinkönigin für ein Jahr inne. Ich bin viel gereist, habe viele Erfahrungen mit Medien und neuen Kontakten gemacht. So kam es, dass mir eine Hospitanz beim SWR angeboten wurde. Danach machte ich ein journalistisches Volontariat beim Meininger-Verlag. Dort wurde ich dann Redakteurin der „Weinwelt“ sowie später Chefredakteurin des „Sommelier“-Magazins. Bereits während des Studiums unterrichtete ich sechs Stunden in der Woche an einer Grundschule in Wiesbaden das Fach Religion. So konnte ich etwas Geld verdienen und den Lehrerberuf kennenlernen. Entschieden haben ich mich dann aber für den Journalismus.

Später gingen Sie aber in der Politik und machten dort Karriere. Heute sind sie Landes- und Fraktionsvorsitzende der CDU in Rheinland-Pfalz und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende. Trauern Sie Ihrem Job als Lehrerin da manchmal hinterher?
Nein, nicht wirklich. Wenngleich das Lehramt ein wichtiger Beruf ist, der leider nicht immer die notwendige Wertschätzung erfährt. Lehrer zu sein, das ist ein spannender, verantwortungsvoller, aber auch fordernder Job. Ich habe großen Respekt vor den Lehrerinnen und Lehrern in unserem Land. Wenn es um den Beruf geht, sollte man immer die Chancen nutzen, die einem angeboten werden und aus allem das Beste machen. Bei mir sind eben andere berufliche Türen aufgegangen, durch die ich dann gegangen bin. Bereut habe ich das nicht, im Gegenteil.

Vielen Dank für das Interview, Frau Klöckner!

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