JGU-Wissenschaftler empfiehlt, Kontaktsperren teilweise zu lockern

Vollständige Aufhebung sei nicht empfehlenswert

JGU-Wissenschaftler empfiehlt, Kontaktsperren teilweise zu lockern

Wissenschaftler der Universitäten Mainz und Hamburg empfehlen, Kontaktsperren wegen des Coronavirus teilweise und regional unterschiedlich aufzuheben - allerdings erst deutlich nach den Osterferien.

Würden die bestehenden Maßnahmen zur Reduzierung sozialer Kontakte auch nach den Osterferien beibehalten und sich die Bevölkerung weiterhin wie bisher daran halten, würde die Zahl der Neuerkrankten weiter zurückgehen und die Pandemie hierzulande bereits Ende April ihren Höhepunkt erreichen. Knapp 60.000 Menschen wären dann in Deutschland gleichzeitig an Covid-19 erkrankt und die Gesamtzahl der als infiziert gemeldeten Personen würde 200.000 nicht übersteigen.

„Die Kurve krümmt sich nicht mehr nach oben, sondern nach unten, weil die Zahl der Neuerkrankungen zurückgeht“, sagt Prof. Dr. Klaus Wälde, Volkswirt an der JGU und einer der leitenden Wissenschaftler der Modellierung. Würden die Maßnahmen zur Reduzierung sozialer Kontakte nach den Osterferien komplett aufgehoben, würden die Zahlen der Neuinfizierten und der Erkrankten mit einigen Tagen Verzögerung wieder stark ansteigen und das Gesundheitssystem voraussichtlich im Mai an seine Grenzen stoßen. „Ein vollständiges Aufheben der bisherigen Kontaktsperren ist deshalb nicht zu empfehlen“, sagt Wälde.

Allerdings sprechen sich die Wissenschaftler auch nicht für ein vollständiges Beibehalten der Kontaktsperren aus: „Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Kosten wären zu hoch, zu viele Unternehmen müssten dann schließen“, sagt Wälde. Er empfiehlt ein schrittweises und regional unterschiedliches Aufheben der bestehenden Maßnahmen: „Zum Beispiel könnte man zunächst nur in manchen Regionen Restaurants wieder öffnen lassen, oder man könnte in manchen Regionen die Schulen zunächst nur für Schüler ab der neunten Klasse öffnen und in anderen Regionen für Schüler ab der fünften Klasse.“

Durch den Vergleich der Entwicklungen der Zahlen zu den Covid-19-Erkrankungen in den verschiedenen Regionen könnte man dann nach einigen Wochen erkennen, welchen Effekt das unterschiedliche Vorgehen auf die Verbreitung der Krankheit hätte und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen. Wälde sagt: „Würde man solche Unterschiede auf Ebene der Bundesländer einführen, könnte man unser föderales System dazu nutzen, voneinander zu lernen.“

Zu diesen Ergebnissen kam ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Universität Hamburg durch die Anwendung eines verbreiteten statistischen Modells, der sogenanntem Gompertzkurve. Das Modell wurde auf die bis zum 7. April veröffentlichten Zahlen des Robert-Koch-Instituts zu den Covid-19-Erkrankungen in Deutschland angewendet. (mo)

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