Schon verdreckt: Ärger um neuen Bodenbelag im Einkaufszentrum

Gerade erst sind im Einkaufszentrum auf dem Mainzer Lerchenberg die ersten Teile des neuen Bodens verlegt worden, schon ist Dreck darauf gut sichtbar zu erkennen. Die Ortsvorsteherin ist besorgt, doch ist die Sorge gerechtfertigt?

Schon verdreckt: Ärger um neuen Bodenbelag im Einkaufszentrum

Im Mainzer Stadtteil Lerchenberg wird derzeit das sogenannte Einkaufszentrum saniert (wir berichteten). Mit finanzieller Unterstützung des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ soll die veraltete Einkaufsstraße auf dem Lerchenberg schöner, aber auch moderner werden. Geplant sind unter anderem ein rutschfester Bodenbelag, neue Mülleimer, Pflanzen und neue Sitzmöglichkeiten. Zudem sollen weniger steile Rollstuhlrampen, ein Blindenleitsystem und ein Aufzug für mehr Barrierefreiheit sorgen.

Doch während die Arbeiten noch in vollem Gange sind, gibt es inzwischen schon Diskussionen. Denn wie Anwohner gegenüber Merkurist erklären, sei der neu verlegte Boden vor Ort nicht gegen Schmutz imprägniert oder versiegelt worden. Nun sei er schon an einigen Stellen verdreckt, bevor der gesamte Boden überhaupt verlegt werden konnte. Das zeigen auch aktuelle Fotos.

Auf Anfrage von Merkurist erklärt Lerchenberg-Ortsvorsteherin Sissi Westrich (SPD) dazu: Eine Versiegelung oder schmutzresistenter Belag seien für sie nicht erkennbar. „Auf Nachfrage wurde mir bestätigt, dass keine Versiegelung erfolgt ist. Ich – wie auch Ortsbeiratsmitglieder – hatten natürlich im Zuge der Baumaßnahme angesprochen, dass wir einen Belag wünschen, der nicht die Problematik wie der in der Bahnhofstraße ursprünglich verlegten aufweist“, so Westrich.

Erinnerungen an Boden in der Bahnhofstraße

Bei der Sanierung der Bahnhofstraße war es 2018 zu wochenlangen Diskussionen um den neuen Bodenbelag gekommen. Damals musste die Stadt einräumen, dass der neue Bodenbelag vorab nicht imprägniert worden war, weshalb kurz nach dem Verlegen des Bodens schon Schmutz sichtbar wurde. Letztlich wurde der Boden dann gereinigt und mit einem speziellen Imprägnierstoff versiegelt.

Ortsvorsteherin Westrich sei im Fall der Arbeiten auf dem Lerchenberg jedenfalls versichert worden, dass ein geeigneter Bodenbelag verlegt werden würde, wie sie sagt. Das sei aus ihrer Sicht wichtig, weil das Einkaufszentrum hochfrequentiert sei: „Es wird Eis gegessen, Einkäufe können auch mal hinfallen, Kaffee wird verschüttet und neben den Einkaufenden und Gastronomiebesucherinnen und -besuchern bewegen sich auch Schülerströme durch das Zentrum. Das erfordert an dieser Stelle einen Belag, der möglichst unempfindlich und gut zu reinigen ist. Das kann ich im Moment noch nicht erkennen.“

Der Belag sei zwar schön, sagt Westrich, „aber die Frage der Reinigungsfähigkeit und Reinigung macht mir Sorge.“ Eine telefonische Nachfrage bei den Ansprechpartnern für das Einkaufszentrum habe Westrich bisher jedenfalls nicht beruhigen können. Dennoch weiß die Ortsvorsteherin auch, dass das Thema Bodenbelag komplex ist: „Mir ist schon klar, dass wir die Quadratur des Kreises verlangen: der Boden soll schön, unempfindlich und pflegeleicht sein, aber wie im privaten kann man im öffentlichen Bereich bestimmt einen Annäherungswert bilden.“

Was die Stadt zum Thema sagt

Wie eine Sprecherin der Stadt Mainz nun aber gegenüber Merkurist erklärt, sei der Boden im Einkaufszentrum sehr wohl imprägniert, obwohl bereits erste Verunreinigungen sichtbar sind. Demnach verfüge das Pflaster über eine Teflon-Imprägnierung. Die „RSF1-Imprägnierung“ ist jedoch nur ein Grundschutz. Auch die Stadtsprecherin räumt ein, dass es noch höhere Imprägnierungsgrade gibt. Doch es gebe gute Gründe für die Entscheidung: So ließen sich stärker imprägnierte Böden zwar leichter reinigen, allerdings sei dann die geforderte Rutschfestigkeit nicht mehr gegeben.

„Auch steigt der Quadratmeterpreis bei den höheren Imprägnierungsgraden je nach Pflaster und Hersteller um bis zu 200 bis 300 Prozent“, so die Sprecherin. Da das Einkaufszentrum mit Fördergeldern umgestaltet wird, seien hier wirtschaftliche Grenzen gesetzt. Ein wesentlich teureres Pflaster könne daher nicht verbaut werden. Auch zeigten Erfahrungswerte, dass sich die Imprägnierung innerhalb weniger Jahre ablöse. „Sodass sich neben den Nachteilen, 'sehr hoher Preis' und 'fehlende Rutschfestigkeit', der diesen Nachteilen gegenüberstehende Vorteil, 'leichtere Reinigung', nach kurzer Zeit in Wohlgefallen auflöst.“

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