Alkohol trinken für die Wissenschaft

Feiern, Alkohol trinken und am nächsten Morgen ohne Kater aufwachen - das verspricht der Anti-Hangover-Shot one:47. Jetzt soll seine Wirksamkeit wissenschaftlich belegt werden. Für die Studie werden deshalb Teilnehmer gesucht.

Alkohol trinken für die Wissenschaft

Zwei Wochen dauert es noch, bis Ostern beginnt und die Fastenzeit endet. Für viele bedeutet das: Alkohol ist wieder erlaubt. Doch auf den Spaß am Abend folgt meist das Elend am Morgen: Kopfschmerzen, Übelkeit, Konzentrationsstörungen - Kater. Ein Start Up aus Mainz will Abhilfe schaffen: Seit 2015 verkauft das Unternehmen one:47 den gleichnamigen Anti-Hangover-Drink, der den Kater am nächsten Tag verhindern soll. Und er scheint zu wirken: „Wir bekommen sehr viele positive Rückmeldungen, die Wirkung wird immer wieder bestätigt“, sagt Christopher Prätsch, der das Unternehmen zusammen mit Torben Murach leitet.

Dass diese Wirkung nicht nur auf einen Placebo-Effekt zurückzuführen ist, will nun Patrick Schmitt, Student der Molekularbiologie an der Uni Mainz, mit seiner Masterarbeit belegen. Als zertifizierter Sachverständiger für Nahrungsergänzungsmittel half er bereits bei der Rezeptur des Hangover-Drinks mit – basierend auf wissenschaftlichen Veröffentlichungen. „Ich wollte unbedingt ein Thema machen, das auch für die breite Öffentlichkeit interessant ist“, sagt Schmitt. Zwar sei die Wirksamkeit einzelner Inhaltsstoffe von one:47 bereits nachgewiesen, doch er wolle das auch für das ganze Produkt erreichen.

Kater-Test mit NASA-Scanner

Und dafür setzt er auf eine neuartige Methode: Mit einem Handscanner, der unter anderem bei der NASA eingesetzt wird, misst er indirekt den sogenannten oxidativen Stress. Dieser spiele nach neueren Erkenntnissen eine große Rolle bei der Entstehung des Katers. „Die Technik ist sehr neu, es ist das erste Mal, dass das objektiv gemessen werden kann. Bisherige Studien beruhten immer nur auf den Aussagen der Probanden“, so Schmitt.

„Aussagekräftig ist die Studie erst, wenn möglichst viele Probanden teilnehmen“ - Prof. Bernhard Lieb

Die Studie soll nun zeigen, dass die Vitamine, Mineralstoffe, Elektrolyte und vor allem die Pflanzenextrakte im Anti-Hangover-Getränk den oxidativen Stress reduzieren - und damit den Kater verhindern. Unterstützt wird die Auswertung der Studie von Professor Bernhard Lieb. Er sagt: „Das ist ein sehr spannendes Thema. Aussagekräftig ist die Studie aber erst, wenn möglichst viele Probanden an ihr teilnehmen.“ Mindestens 300 bis 500 Teilnehmer sollten es für die Veröffentlichung in einer renommierten internationalen Fachzeitschrift sein, so der Professor. Doch was erwartet sie bei der „Hangover Study“?

So läuft die Studie ab

Zunächst werden bei den rund 25 Menschen pro Abend Körpergröße, Fettanteil und Blutdruck gemessen. Außerdem müssen sie eine Urinprobe abgegeben. Nach der ersten Messung mit dem Handscanner trinkt eine Gruppe den one:47, die andere ein Placebo. Dann heißt es vier Stunden lang gratis Alkohol trinken. „Jeder nur so viel, wie er möchte, es gibt keinen Zwang, eine bestimmte Menge zu trinken“, so Schmitt. Es solle zwar eine lockere Atmosphäre mit Hintergrundmusik geben, aber „keine Partystimmung, es ist ja eine wissenschaftliche Studie“. Zum Abschluss werden der Alkoholgehalt in der Atemluft und erneut der oxidative Stress gemessen. Danach sollen die Teilnehmer keinen Alkohol mehr trinken und etwa acht Stunden schlafen. „Wir müssen natürlich darauf vertrauen, dass die Leute danach nicht feiern gehen und weiter trinken“, sagt Schmitt.

„Je nach Ergebnis kann die Studie für viel Aufsehen sorgen“ - Prof. Bernhard Lieb

Am nächsten Morgen, etwa zehn Stunden nach dem letzten Drink, werden erneut Messungen durchgeführt. In den folgenden Monaten wertet Schmitt die Daten aus. Professor Lieb sagt: „Je nach Ergebnis kann die Studie für viel Aufsehen sorgen.“ Sollte die Wirksamkeit von one:47 nachgewiesen werden, könnte es künftig nicht nur als Nahrungsergänzungsmittel, sondern als diätetisches Lebensmittel verkauft werden.

„Wir wollen die Leute mit dem one:47 nicht dazu auffordern, mehr zu trinken“ - Christopher Prätsch

Doch ist das überhaupt sinnvoll - Alkohol trinken ohne Kater? „Wir wollen die Leute mit dem one:47 nicht dazu auffordern, mehr zu trinken“, sagt Geschäftsführer Prätsch. Studien hätten gezeigt, dass der Kater die Menschen mittelfristig nicht vom Alkohol abhalte. „Der nächste Tag soll einfach erträglicher werden. Wer einen Kater hat, verliert wertvolle Zeit.“

Und was haben die Probanden davon, an der Studie teilzunehmen? „Abgesehen von dem Gratis-Alkohol nehmen sie an einer weltweit einzigartigen Studie teil. Sie unterstützen uns bei der Erforschung und Bekämpfung des Katers.“ Trinken für die Wissenschaft also. Wer zum zweiten und entscheidenden Untersuchungstermin am Folgetag kommt, erhält einen Präsentekorb, so Prätsch. Was sich darin befindet, möchte er noch nicht verraten, nur so viel: „Es könnte etwas mit Alkohol zu tun haben.“

Ihr wollt an der Studie teilnehmen? Dann meldet euch unter hangoverstudy.de an. Der genaue Ort und die Termine (ab Mitte April) werden noch bekanntgegeben.

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