Feuerwerk zu Mainzer Festen: Muss das wirklich sein?

Zum Rhein-Frühling gibt es wieder zweimal Feuerwerk: einmal zum Start und noch einmal zur Abschluss. Muss das sein? Ein Streitgespräch aus der Merkurist-Redaktion.

Feuerwerk zu Mainzer Festen: Muss das wirklich sein?

Tausende Menschen werden am Wochenende wieder zum Rheinufer pilgern, um das große Abschlussfeuerwerk des Rhein-Frühlings zu bestaunen. Es ist bereits das zweite Feuerwerk, denn zum Start gab es auch schon eins. Unter den Mainzern gehen beim Thema Feuerwerk die Meinungen stark auseinander, seit Jahren wird gestritten, ob das Spektakel mehr Schaden als Nutzen bringt. Auch in der Merkurist-Redaktion diskutieren wir immer wieder darüber. Was spricht dafür, was dagegen? Zwei Redakteure im Streitgespräch:

Viel Wumms sorgt für tote Tierbabys und verdreckte Luft

von Sandra Werner

Zweimal Feuerwerk am Rheinufer in zwei Wochen. Jedes Jahr feuern die Schausteller anlässlich des Rhein-Frühlings Pyrotechnik in die Luft. Wenige Minuten bunte Lichter, grelle Blitze, viel Wumms und noch mehr Rauch. Dadurch hoffen die Veranstalter, mehr Besucher zum Rheinufer und damit zum Fest zu locken.

Die Stadt hat sich zu den großen Festen, die sie selbst ausrichtet, inzwischen gegen ein Feuerwerk entschieden, so wie viele andere Städte auch, und das teilweise schon seit vielen Jahren. Sogar „Rhein in Flammen“ wurde von der Stadt Bonn in diesem Jahr gestrichen, stattdessen soll es alternative Lichtershows geben.

Aus guten Gründen: Nicht nur verschlingt so ein Feuerwerk Zehntausende Euro, es ist auch für viele Lebewesen, die am Wasser leben, verheerend. Vor allem im Frühjahr, wenn Küken schlüpfen und Jungtiere geboren werden, können der Geruch von Feuer und der ohrenbetäubende Lärm Todesängste verursachen. Die Tiere werden unter enormen Stress gesetzt, fliegen in unnatürliche Höhen, verlieren die Orientierung und finden nicht mehr zu den Nestern oder Bauten zurück. Ihre Jungtiere verhungern. Gewarnt werden die Tiere freilich vorher nicht, weder die Wildtiere noch die Hunde und Katzen zuhause. Tierschutzorganisationen fordern daher schon seit vielen Jahren ein bundesweites Feuerwerkverbot.

Abgesehen davon lässt der Rauch die Feinstaubwerte blitzartig in die Höhe schnellen. Bei Windstille hängt er dann lange im Rheintal fest und verpestet die Luft. Jährlich werden laut dem Umweltbundesamt rund 2050 Tonnen Feinstaub durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in Deutschland freigesetzt. Noch schlimmer sieht es an Silvester aus, wenn Tausende Böller hinzukommen, die zudem nicht nur am Rheinufer, sondern in fast allen Straßen gezündet werden. Aber dieses Thema würde hier den Rahmen sprengen.

Ich kann verstehen, dass ein Feuerwerk eine Methode sein kann, mehr Menschen zum Fest zu locken. Es ist ein Spektakel, das sich viele nicht entgehen lassen wollen. Ob sich das finanziell rechnet, können nur die Schausteller selbst sagen.

Die Stadt will bei den Festen, die sie selbst ausrichtet, auch an einem großen Spektakel festhalten. Zuletzt setzte sie bei der Johannisnacht auf eine Drohnenshow. Vielleicht findet sich noch eine andere Alternative zur Drohnenshow, die zumindest im vergangenen Jahr die wenigsten aus den Socken gehauen hat. Vielleicht sollte die Stadt mal beim Studiengang „Zeitbasierte Medien“ der Hochschule Mainz anfragen, die seit einiger Zeit sehr erfolgreich das Lichterfestival „Mainz leuchtet“ ausrichtet. Vielleicht haben die Studierenden dort ja gute Ideen für eine spektakuläre Show mit viel buntem Licht, aber ohne lautem Wumms und stickigem Rauch. Ein großer Aufschrei wäre sicherlich nicht zu erwarten: Laut Umfragen sprechen sich jedes Jahr mehr Menschen für ein Feuerwerks- und Böllerverbot aus. Inzwischen ist es sogar die Mehrheit. Warum also noch an diesem überteuerten, umweltschädlichen und tierverachtenden Geböller weiter festhalten?

Feuerwerk begeistert und zieht Massen an

von Michael Meister

Endlich wieder Feuerwerk am Rheinufer! Nach dem Feuerwerk zum Auftakt des Rhein-Frühlings dürfen sich die Besucher des Volksfests nun noch einmal auf ein zweites Spektakel an diesem Samstagabend freuen – den Mainzer Schaustellern sei Dank, die diese Events aus eigener Tasche zahlen. Gerade die Feuerwerke ziehen die Massen auf den Rhein-Frühling, vor allem auch Besucher aus dem Umland, die sich dieses Event nicht entgehen lassen wollen. Der große Zuspruch, den die Schausteller immer wieder von den Volksfest-Gästen erhalten, ist einmal mehr Beleg dafür, dass die Leute unterhalten werden wollen.

Großen Unterhaltungswert hatte dagegen die Drohnen-Show der Stadt auf der letzten Johannisnacht eher nicht. Sicherlich ist es richtig, auch einmal neuen Formaten eine Chance zu geben. Aber dazu müsste deutlich mehr kommen als ein paar Lichtpunkte, die Mainzer Lebensart in langatmigen starren Bildern darstellen. Feuerwerk hingegen begeistert während der gesamten Zeit von etwa 10 bis 20 Minuten. Dazu kommt noch, dass die Drohnen-Show in etwa doppelt so teuer ist im Vergleich zum Feuerwerk. So kosten die zwei Feuerwerke während des Rhein-Frühlings 2026 im Paket etwa um die 10.000 Euro, wie die Mainzer Schausteller angeben. Wollte man also eine flippigere Inszenierung mit Drohnen bieten, müsste man bei der Anzahl der fliegenden Dinger schon deutlich aufrüsten. Dies würde aber die Kosten noch weiter nach oben treiben. Zwar ist die Stadt bemüht, die Drohnen-Show durch Sponsoren finanzieren zu lassen. Aber in welchem Umfang diese bereit sind zu investieren, nur um einen „Besucher-Magneten Feuerwerk“ zu verhindern, ist unklar.

Auch das unaufhörliche Betonen der angeblich hohen CO2-Belastung durch Feuerwerk können viele nicht mehr hören. Nach Schätzungen des Umweltbundesamtes macht Feuerwerk einen Anteil von 0,00013 Prozent fossilem CO2 an den jährlichen deutschen Treibhausgasemissionen aus. Ein von Profis organisiertes Feuerwerk wie auf dem Rhein-Frühling fällt da bei den ohnehin niedrigen deutschen Gesamtwerten kaum ins Gewicht. Richtig ist sicherlich, dass bestimmte Tierpopulationen von den lauten Geräuschen irritiert sind. Langfristig und nachhaltig dürfte Feuerwerk diesen Populationen in Mainz aber nicht geschadet haben. Denn wir reden hier, was konkret die Mainzer Volksfeste angeht, von aktuell zwei Events im Jahr. Denn das Silvester-Feuerwerk steht hier ausdrücklich nicht zur Debatte.

Vielleicht sollten sich Feuerwerk-Fans und -Gegner aber auch etwas versöhnlicher gegenüberstehen. Während sich die einen über die Rakten beim Rhein-Frühling freuen, können die anderen ihre Drohnen-Show auf der Johannisnacht genießen.

Oder wie seht ihr das? Sollte man in Mainz weiterhin am Feuerwerk zu Festen festhalten oder nach Alternativen schauen?