Aktivisten demonstrieren in Mainz

Die pro-europäische Aktivistengruppe „European May“ verhüllte die Büste von Johannes Gutenberg auf dem Mainzer Campus und demonstrierte auf dem Gutenberg-Platz. Doch was genau steckt dahinter?

Aktivisten demonstrieren in Mainz

Zwei Aktionen in einer Woche: Zunächst verhüllten die Aktivisten der pro-europäischen Bewegung „European May“ die Büste von Johannes Gutenberg auf dem Mainzer Campus. An der Büste befestigten sie Zettel mit dem Statement „Kein Gutenberg = keine Presse, kein Europa = keine Pressefreiheit“ . Zudem hinterließen die Aktivisten Kreidebotschaften auf dem Boden vor dem Georg Forster-Gebäude und der Gutenberg-Büste. Anlass war der internationale Tag der Pressefreiheit am 3. Mai.

Johannes Gutenberg ist Erfinder des modernen Buchdrucks und der Druckerpresse und gleichzeitig Namensgeber der Mainzer Uni. Mit der Verhüllung der Büste und der Kreidebotschaft „Wir haben Johannes Gutenberg als unseren politischen Gefangenen genommen“ wollten die Aktivisten ein symbolisches Statement gegen die Einschränkung der Presse setzen.

Der Haupteingang der Universität wurde mit Absperrband verriegelt. Die Gruppe wolle auf den Druck europäischer Regierungen auf die Bevölkerungen hinweisen. Auf ihrer Webseite erklärt sie weiter: „Diese konkrete Aktion wurde von Viktor Órban und seiner Regierung inspiriert, die die Central European University (CEU) aus politischen Gründen schlossen.“

Ungarns Ministerpräsident hatte vergangenes Jahr immer wieder mit der Schließung der Central European University (CEU) in Budapest gedroht. Grund hierfür war die liberale Ausrichtung der Universität und die damit verbundene finanzielle Förderung, die die politische Führung Ungarns nicht unterstützen wollte. Weitere Informationen findet Ihr hier.

Vergangenen Mittwoch folgte eine Demo

Doch das war nicht die einzige Aktion: Am Mittwoch standen maskierte Aktivisten in einer Reihe vor dem Staatstheater auf dem Gutenberg-Platz - zwischen ihnen waren rote Friedhofskerzen platziert. Sie hielten Gedenkschilder in den Händen.

Aufschluss dazu gab ein weiteres Schild: „Zum Gedenken der Opfer rassistischer & rechtsextremer Gewalt seit 1990“. Auf der offiziellen Webseite heißt es, diese Aktion wurde anlässlich der Erinnerung an den Sieg über das faschistische Deutschland gestartet. Die Aktivisten schrieben, sie wollten physisch eine rote Linie gegen Rechtspolitik und Neofaschismus in Europa ziehen. Dabei wiesen sie die Mainzer auf die kommende Europawahl hin - ihre Message: „26. Mai. Für ein soziales, nachhaltiges und solidarisches Europa“.

Die transnationale Gruppe setzt sich für eine Neuausrichtung Europas ein und macht verstärkt auf die Europawahl 2019 aufmerksam. Bereits im letzten Jahr hat die lokale Aktivistengruppe die Büste der Johannes Gutenberg-Universität zu diesem Zweck verhüllt. In diesem Jahr sind weitere Aktionen geplant - im vergangenen Monat waren es folgende:

  1. Mai: Solidarisierung mit der 1. Mai Demonstration des DGB + Organisation eines pro-europäischen Blocks

  2. Mai: "Stiller Protest" vor der Römerpassage anlässlich der Europawahlen

  3. Mai: "Stiller Protest" am Höfchen anlässlich des internationalen Tags der Pressefreiheit

  4. Mai: Durchführung von Grenzkontrollen auf der Theodor-Heuss Brücke

  5. Mai: (keine Aktion)

  6. Mai: Gefangennahme Gutenberg + Schließung JGU

  7. Mai: "Poetry Slam about Europe" - In Kooperation mit Pulse of Europe

  8. Mai: "Stiller Protest" + Rote Linien anlässlich der Rückkehr von Faschismus in Europa

  9. Mai: Podiumsdiskussion "Europa als Lösung – Migration und Klimawandel mal europäisch gedacht" mit Gerhart Trabert (RESQSHIP). Mariana Font (Flüchtlingshilfe Hauenstein), Maurice Conrad (Fridays For Future Mainz), Friedrich Plank (Institut für Politikwissenschaft, JGU Mainz), Lukas Prinz (BUND).

(df)

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