„Eskalationsstufe“ erreicht: Wie Mainz 05 auf den Spielerstreik reagiert

Erst das Hickhack um Stürmer Adam Szalai, dann der Trainingsstreik der Profis: Bei Mainz 05 geht es aktuell drunter und drüber. Auf einer Pressekonferenz versuchte nun Sportvorstand Rouven Schröder, diese „einzigartige“ Situation zu erklären.

„Eskalationsstufe“ erreicht: Wie Mainz 05 auf den Spielerstreik reagiert

Spätestens jetzt herrscht Feuer unterm Stadiondach bei Mainz 05 (wir berichteten): Am Mittwoch verweigerte die Mannschaft das für Nachmittag angesetzte Training. Damit solidarisierte sich die Mannschaft anscheinend mit Stürmer Adam Szalai, der am Montag suspendiert wurde und nun nicht mehr am Mannschaftstraining teilnehmen darf. Wie die „Bild“ berichtet soll sich Szalai im Mannschaftsrat für die in Aussicht gestellte Rückzahlung des Geldes stark gemacht haben, auf das die Spieler bei der verhandelten Gehaltsstundung wegen Corona verzichtet hatten. Das soll wiederum nicht gut beim Verein angekommen sein, der indes rein sportliche Gründe für das Aus des Stürmers nennt.

„Eskalationsstufe“ erreicht

Am Donnerstagmittag nahmen nun Sportvorstand Rouven Schröder und Trainer Achim Beierlorzer Stellung zu den aktuellen Entwicklungen im Verein. Dabei betonte Schröder, dass der Streik „nichts mit dem Thema Gehalt“ zu tun habe. „Das, was passiert ist, dass eine Mannschaft nicht zum Training auf den Platz geht, das ist eine Situation, die einzigartig ist.“ Damit sei eine „Eskalationsstufe“ erreicht worden, über die er am Morgen auch mit dem Mannschaftsrat gesprochen habe. Dabei sei es nur um das Thema gegangen, dass Adam Szalai nicht mehr bei der Mannschaft sei.

In diesem Zusammenhang gestand Schröder schließlich auch ein, dass der „Kommunikationsfluss zur Mannschaft nicht gut“ im Fall Szalai gewesen sei. Diese habe dann auf den Trainingsausschluss des im Team „absolut anerkannten“ Ungarn „in emotionaler Art und Weise“ reagiert, so Schröder. Szalai selbst habe man bereits im Sommer nahegelegt, „sich auf dem Markt umzusehen“ und ihm mitgeteilt, dass es für ihn schwierig würde, in der neuen Saison auf Einsatzzeiten zu kommen, da man unter anderem auch Nachwuchsspielern auf seiner Position Möglichkeiten bieten wolle.

Verhältnis des Trainers zum Team zerüttet?

Wie Trainer Beierlorzer sagt, habe man sich nun in Abstimmung mit den Kaderplanern und Schröder dazu entschieden, auf den Ungarn zu verzichten. „Um Konflikte in der Trainingsarbeit vor dem Stuttgartspiel zu vermeiden“, sei Szalai deshalb vom Training freigestellt worden. Das kam anscheinend beim Team nun aber nicht richtig an und führte zum Streik. Für Beierlorzer ist das allerdings kein größeres Problem. „Der Zusammenhalt in der Mannschaft für ein Teammitglied ist nachvollziehbar.“ Dafür habe er absolutes Verständnis. Kein Verständnis habe er hingegen, dass dies bis in den Trainingsbereich hineingehe.

Ein zerüttetes Verhältnis zu seinen Spielern will Beierlorzer aus dem Spielerstreik aber nicht ableiten. „Es gibt keinen Zwist oder ein Zerwürfnis mit dem Team.“ Beide Seiten hätten dadurch die Möglichkeit bekommen, sich zu entwickeln. „Nun muss der Fußball aber wieder in den Vordergrund rücken“, so Beierlorzer. Heute werde wieder trainiert und alles versucht, am Samstag zu gewinnen. Mit Szalai selbst habe er noch einmal gesprochen. Das Gespräch sei „absolut ruhig“ abgelaufen und „es gab nix zu befrieden“, erklärt der Mainz-05-Trainer.

Auch Sportvorstand Schröder will nun nach vorne blicken. „Wir alle haben eine Verantwortung dem Verein gegenüber, das ist das größte, was es gibt.“ Das Thema Gehaltsverzicht sei auch noch einmal mit den Spielern besprochen worden. Hier wolle man intern versuchen, zu Lösungsvorschlägen zu kommen. Ob die aktuelle Situation nun zu einem „Imageschaden“ bei Mainz 05 führt, beantwortet Schröder wie folgt: „Jedenfalls ist dies kein schöner Moment.“ Den Trainingsstreik werde man nun immer auch mit Mainz 05 in Verbindung bringen.

Wie das Chaos der letzten Tage nun die Spieler beeinflusst, wird am kommenden Samstag zu sehen sein, wenn die 05er im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart antreten. Sollte es eine Niederlage setzen, wird es in den kommenden Tagen sicherlich nicht ruhiger werden am Bruchweg.

Hier könnt Ihr Euch die Pressekonferenz in voller Länge ansehen:

(pk)

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