Experten rechnen mit Anstieg der COVID-19-Sterberate in Rheinland-Pfalz

Am Mittwoch äußerte sich die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin zur aktuellen Corona-Lage im Land. Lockerungen der Schutzmaßnahmen würden geplant. Wann sie kommen könnten, sei allerdings noch unklar.

Experten rechnen mit Anstieg der COVID-19-Sterberate in Rheinland-Pfalz

Am Mittwochnachmittag hat sich die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) auf einer Pressekonferenz zur aktuellen Corona Situation geäußert. „Wir stehen an einem Scheideweg. Wenn wir jetzt die Beschränkungen weiter aushalten, haben wir die Chance, besser als andere Länder durch diese Krise zu kommen“, sagte Dreyer nach einer gemeinsamen Ministerratssitzung mit dem Corona-Expertenteam.

Dank der Disziplin der Rheinland-Pfälzer sei es gelungen, die extrem hohe Geschwindigkeit der Ausbreitung zu reduzieren und so die Kurve abzuflachen. „Wenn wir vorzeitig lockern, riskieren wir, diesen Vorteil zu verlieren. Bei allem, was wir beschließen, geht es der Landesregierung um das höchste Gut: die Gesundheit und das Leben unserer Bevölkerung“, sagte Dreyer.

Ein stabiler Wendepunkt sei bislang nicht erreicht. Durch die Kontaktbegrenzung seien die Infektionszahlen nicht mehr so stark angestiegen wie zu Beginn der Pandemie, erläuterten Gesundheitsexperten wie Prof. Dr. Bodo Plachter, stellvertretender Direktor des Instituts für Virologie an der Universitätsmedizin Mainz und Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Mit einer zeitlichen Verzögerung sei aber leider jetzt mit einem Anstieg der Todesfälle zu rechnen. „Wir arbeiten trotzdem intensiv an Szenarien, wie eine Lockerung durchgeführt werden kann, sobald die Infektionsrate dauerhaft sinkt, ohne dadurch einen erneuten sprunghaften Anstieg zu riskieren“, sagte Ministerpräsidentin Dreyer.

„Wir können heute aber schon davon ausgehen, dass es nur partielle Lockerungen geben kann und wir noch lange mit grundsätzlichen Einschränkungen leben müssen. Wir haben mit drastischen Mitteln das Ruder rumgerissen, wenn wir jetzt zu früh lockern, dann werden wir einen exponentiellen Anstieg der Fälle riskieren“, sagte Prof. Dr. Christian Werner, Direktor der Klinik für Anästhesiologie, und plädierte für eine Hygieneoffensive: „Der beste Schutz ist Abstand zueinander und das Tragen von Mundschutz.“

Auch Dr. Philipp Zanger vom Institut für Hygiene und Infektionsschutz im Landesuntersuchungsamt Landau plädierte dafür, dass die Bevölkerung eines auf lange Zeit verinnerlichen müsse: „Wenn wir die Kontaktbeschränkungen lockern, muss weiterhin gelten: Abstand halten und hohe Hygienestandards einhalten, dazu könnten Gesichtsmasken beitragen. Notwendig ist immer ein Maßnahmenmix. Wir müssen außerdem die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen in den Fokus nehmen.“ Nur so könne erreicht werden, dass nicht mehr Menschen neuinfiziert werden als andere wieder gesunden.

Dieses Verhältnis sei von großer Bedeutung, um genügend Intensiv- und Beatmungsbetten für die schwer Erkrankten bereitstellen zu können, erklärte Dr. Gerald Gaß. „Durch die Verschiebung von Operationen, die nicht lebensnotwendig oder zur Linderung von schweren Schmerzen notwendig sind, halten wir 880 Intensivbetten bereit. 500 weitere Beatmungsgeräte können schnell aktiviert werden. Dennoch dürfen wir durch schnelle Lockerungen nicht riskieren, dass die Fallzahlen wieder exponentiell ansteigen. Wir müssen dabei auch an die denken, deren OPs jetzt verschoben wurden“, so Dr. Gerald Gaß. Auch diese Patienten müssten in den kommenden Wochen behandelt werden. Am kommenden Mittwoch wollen sich die Regierungschefs und Regierungschefinnen der Länder mit der Bundeskanzlerin abstimmen.

(mo)

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