Werden die Mainzer Bäcker die Energiekrise überstehen?

Der Zentralverband des Handwerks befürchtet aktuell viele Pleitewellen, in einigen Orten gehen die Bäcker bereits auf die Straße. Alle machen die gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe zu schaffen. Wie steht es um die Bäcker in der Region?

Werden die Mainzer Bäcker die Energiekrise überstehen?

Jeden Tag, so klagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Handwerks, erreichen ihn Notrufe von Betrieben, die kurz davor sind, ihre Produktion einzustellen, „weil sie die enorm gestiegenen Energierechnungen nicht mehr bezahlen können“. Er fürchtet eine „Insolvenzwelle“ wegen der Energiekrise, zitiert ihn die Tagesschau.

Besonders bedroht von den stark gestiegenen Preisen sind Branchen, die einen hohen Energiebedarf haben. Bei Bäckern kommt hinzu, dass sich die Kosten für ihre Rohstoffe in den letzten Monaten extrem verteuert haben: Getreide, Butter, Quark, Eier, Saaten. „Die Kosten haben bereits nach der letzten Getreideernte angezogen, durch den Kriegsausbruch und die höheren Transportkosten haben sie sich verdoppelt“, so Wolfgang Schmidt, stellvertretender Obermeister bei der Bäckerinnung Rheinhessen.

Immerhin seien seit vier bis sechs Wochen die Preise zumindest stabil geblieben. Schmidt selbst betreibe seinen Ofen zwar mit Öl, doch andere Bäckereien kämen jetzt schon an ihre Grenzen. Hinzu komme noch der gestiegene Mindestlohn für die Angestellten. „Gerade ältere Bäcker haben bereits angekündigt zu schließen“, berichtet Schmidt. „Sie wollen aufhören, bevor sie in ihren letzten Jahren noch in die Miese rutschen.“

Keine Planungssicherheit

„Die Rohstoffpreise haben sich fast alle verdreifacht, unsere Energiekosten haben sich bis Stand heute circa um 250 Prozent erhöht“, so Mario Peter Berg, Bäckermeister aus Budenheim, der auch zwei Läden in Mainz betreibt. Wie sich der Strompreis noch weiter entwickeln werde, könne der Nahversorger ihm noch nicht sagen. „Das ist wohl alles noch in der Schwebe.“

Auch Ketten wie Biokaiser aus Kastel merken den Preisanstieg und die angespannte finanzielle Lage. „Wir sind aber wirtschaftlich solide aufgestellt“, erklärte kürzlich Geschäftsführer Volker Schmidt-Sköries gegenüber Merkurist. Biokaiser plane sogar, in den nächsten Jahren fünf bis zehn neue Filialen in der Region zu eröffnen. 45 neue Mitarbeiter seien allein in den vergangenen Monaten neu eingestellt worden.

Angst vor Kundenverlust

Die meisten Bäckereien haben inzwischen die Preise für ihre Produkte erhöht, um die Steigerungen ein wenig ausgleichen zu können. Und jetzt stecken sie in einer Zwickmühle: „Eigentlich müssten wir jetzt noch einmal aufschlagen, doch dann verlieren wir Kunden“, so Schmidt. Er fürchtet, dass dann noch mehr Menschen ihr Brot günstiger im Discounter kaufen. „Die Leute haben ja auch weniger Geld in der Tasche und müssen sparen.“ Merklich sei bereits der Kauf von Süßwaren wie Kuchen und Teilchen zurückgegangen.

Schmidt ärgert sich darüber, dass die Regierung wenig unternimmt, um wenigstens Planungssicherheit zu schaffen. „Es gibt keine klare Linie, man weiß einfach nicht, wie es weitergeht.“

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