Wofür stets zwei Feuerwehrwagen am Mainzer Staatstheater benötigt werden

Am Mainzer Höfchen oder vor der alten Universität stehen oft zwei Feuerwehreinsatzwagen. Doch warum ist das regelmäßig so?

Wofür stets zwei Feuerwehrwagen am Mainzer Staatstheater benötigt werden

Wer am Höfchen und am alten Universitätsgebäude der Mainzer Innenstadt unterwegs ist, sieht hier häufig zwei geparkte Feuerwehreinsatzwagen. In einem Snip fragt sich ein Merkurist-Leser, wieso diese beiden Wagen dort stehen.

Marc-André Glöckner, der Sprecher der Mainzer Berufsfeuerwehr erklärt: „Es handelt es sich bei den beiden Einsatzwagen um eine Brandsicherheitswache. Diese ist grundsätzlich bei Vorstellungen im Bühnenbereich des Kleinen und Großen Hauses vertreten.“ Teilweise ist diese aber auch schon bei der Vorbereitung und Generalproben vertreten. Insbesondere weil in einigen Vorstellungen zum Teil auf der Bühne geraucht werde oder Feuer in Form von Pyrotechnik ein Teil der Darbietung sei, wie Glöckner ausführt.

Auch Christoph Hill, der technische Leiter des Mainzer Staatstheaters, bestätigt dies: „Diese Brandsicherheitswachen verlangt die Versammlungsstättenverordnung (VStättVO) für Großbühnen, wie wir sie im Kleinen und Großen Haus haben. Die Brandsicherheitswachen schauen sich die Vorstellungen von der Seite der Bühne an und reagieren im Brandfall.“ Kleinere Bühnen wie das U17 des Staatstheaters fallen jedoch nicht unter diese Verordnung.

Brandschutz im Mainzer Staatstheater

Das Mainzer Staatstheater ist mit Rauchmeldern und weiteren Brandschutzmaßnahmen ausgestattet. Doch wird auf der Bühne mit Nebel gearbeitet, müssen die Rauchmelder an der Bühne ausgeschaltet werden. Andernfalls würden sie fälschlicherweise den Alarm auslösen. Für den Fall, dass es dann zu einem Brand kommen sollte, ist die Brandsicherheitswache neben der Bühne platziert, wie Hill sagt.

Die Auslösung eines potenziellen Alarms muss laut VStättVO sowohl optisch, als auch akustisch geschehen und am Platz der Brandsicherheitswache erkennbar sein. Auf der Bühne gibt es automatische Sprühwasserlöschanlagen und den sogenannten Eisernen Vorhang. Dieser bis zu 15 Tonnen schwere Vorhang aus Metall funktioniert wie eine Brandschutztür zwischen Bühne und dem Zuschauerraum. Er wird im Falle eines Bühnenbrandes innerhalb von 30 Sekunden herabgelassen, um die Zuschauer zu schützen, eine sichere Flucht gewährleisten zu können und den Brandherd einzudämmen. Wer aufmerksam durch das Mainzer Staatstheater geht, wird zudem an allen Ausgängen zu den Rettungswegen Wandhydranten für die Feuerwehr entdecken.

Anfang des Jahres gab es zwar einen Brand in einer Werkstatt des Theaters (wir berichteten), dieser hinterließ allerdings keine größeren Schäden. Einen Brand auf einer der Mainzer Bühnen gab es laut Christoph Hill jedoch noch nie. Es handle sich also um eine reine Vorsichtsmaßnahme, denn „grundsätzlich ist Feuer auf der Bühne verboten“, so Hill.

„Ist Feuer ein Teil der Aufführung, so müssen vorher Anträge gestellt und bewilligt werden.“ - Christoph Hill

Die Requisitenlager des Mainzer Staatstheaters sind ebenfalls mit Sprenkleranlagen ausgestattet. Zusätzlich sind die meisten Möbelstücke und Utensilien schwer entflammbar, und Kostüme sowie Perücken werden vor einer Vorstellung sorgfältig imprägniert. In den Generalproben arbeitet Christoph Hill dann gemeinsam mit den Behörden an einem Konzept, das die Veranstaltung problemlos ablaufen lassen soll. Hier wird abgewägt, wie groß das Risiko eines Feuers ist, selbst wenn es sich nur um das Anzünden einer Kerze oder Zigarette handelt.

Ursprung im 19. Jahrhundert

Dass eine solche Brandschutzwache überhaupt benötigt wird, hänge mit der Historie der Theater zusammen, so Hill. Brände in Theatern waren insbesondere im 19. Jahrhundert ein großes Problem. Aufgrund der Beleuchtung, die zu dieser Zeit oftmals mit Kerzen und Gaslichtern gehandhabt wurde und den vielen brennbaren Requisiten, bestand ein großes Brandrisiko.

Letztendlich war es der Wiener Ringtheaterbrand im Jahr 1881, der für eine internationale Revolution des Brandschutzes von Theaterbühnen sorgte. Infolgedessen wurde der „Eiserne Vorhang“, aber auch die Brandschutzwache, eingeführt. Dennoch kam es auch in den letzten Jahrzehnten weltweit immer wieder zu Theaterbränden, die oft auch Todesopfer zur Folge hatten. Zum Glück aber noch nie in Mainz. (pk/mm)

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