Was Deutsch-Türken in Mainz zu Erdogans Wahlsieg sagen

Fast zwei Drittel der Stimmen im Türkischen Generalkonsulat Mainz entfielen am Sonntag auf den amtierenden Präsidenten Erdogan. Wie konnte es zu dem Ergebnis kommen? Merkurist hat mit Deutsch-Türken in Mainz gesprochen.

Was Deutsch-Türken in Mainz zu Erdogans Wahlsieg sagen

Als am Abend des 24. Juni die ersten Hochrechnungen der Türkei-Wahlen bekanntgeben wurden, war schnell klar: Präsident Recep Tayyip Erdogan und seine AKP haben mit deutlicher Mehrheit gewonnen. Die Opposition warf der Regierung noch am selben Abend Wahlmanipulation vor. Bei den Präsidentschaftswahlen holte Erdogan insgesamt 52,5 Prozent der Stimmen. Noch deutlicher ist Erdogans Vorsprung in Deutschland: Von den Wahlberechtigten mit türkischem Pass wählten rund die Hälfte, davon stimmten 64 Prozent für Erdogan. Fast genauso sieht das Ergebnis im türkischen Generalkonsulat Mainz aus: 64,5 Prozent. Bei den Parlamentswahlen ging laut der regierungsnahen Zeitung Sabah die AKP als stärkste Kraft in Mainz hervor: Rund 55 Prozent wählten die islamisch-konservative Partei.

Doch warum haben so viele Deutsch-Türken in Mainz und Umgebung Erdogan und die AKP gewählt? „Liebe Mitbürger türkischer Abstammung, ist das Euer Ernst?“, fragt sich nicht nur Merkurist-Leser Knut. Schließlich wird Erdogan vorgeworfen, seit Jahren aus einer Demokratie eine Alleinherrschaft zu formen.

Halil Hulusi Bektas wohnt seit mittlerweile 52 Jahren in Mainz-Hartenberg und gab seine Stimme dem amtierenden Präsidenten. Der 77-jährige sagt: „Erdogan hat Brücken, Flughäfen und vieles andere gebaut. Auch wenn man früher mit heute vergleicht: Jetzt ist alles viel besser.“ Auch die Militäroffensive auf Afrin und die Kämpfe gegen die PKK seien wichtig gewesen, so Bektas.

„Sieg für die Demokratie“

Anders als Bektas durfte Necmettin Yaman, der in der Mainzer Neustadt wohnt, am 24. Juni nicht wählen gehen, da er nur die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Das sei aber nicht schlimm gewesen: „Auch wenn ich das Recht gehabt hätte, hätte ich nicht gewählt“, so Yaman. Warum genau, erklärt er nicht. Auch ob das Ergebnis schlecht oder gut sei, möchte er nicht beurteilen. Seine Frau sagt: „Die, die ihn hier und dort gewählt haben, müssen es am besten wissen.“

„Das war ein Sieg für die Demokratie“, sagt dagegen der 20-jährige türkisch-stämmige Mainzer Ümit Ertürk und meint damit die hohe Wahlbeteiligung. Rund 89 Prozent der Türken aus aller Welt gingen diesmal an die Urnen. Zwar verrät Ertürk nicht, wen er gewählt hat, beim Auto-Korso in Mainz habe er aber teilgenommen. „Mir ging es dabei nicht um den Sieger der Wahlen. Ich habe mit meinen Freunden gemeinsam einfach die hohe Wahlbeteiligung, die Demokratie, gefeiert“, so der Abiturient.

Auf die Frage, ob er es in Ordnung findet, dass Türken, die in Deutschland leben, mitwählen dürfen, sagt er: „Das ist was ganz Normales. Auch in der Türkei dürfen sich Ausländer an den Wahlen ihrer jeweiligen Länder beteiligen.“ Zudem würde so etwas eine Brücke zwischen zwei Ländern schlagen.

Kritik an Wahlergebnis in Mainz

Viele deutsche Politiker hatten sowohl das Wahlergebnis hierzulande als auch die Autokorsos durch deutsche Städte kritisiert. So sagte unter anderem der frühere Parteivorsitzende der Grünen Cem Özdemir: „Die feiernden deutsch-türkischen Erdogan-Anhänger jubeln nicht nur ihrem Alleinherrscher zu, sondern drücken damit zugleich ihre Ablehnung unserer liberalen Demokratie aus. Wie die AfD eben.“

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