Krieger und Hunde im Volkspark

Boule, Joggen, Frisbee werfen - im Sommer wird der Volkspark zum Outdoorsportplatz. Nun reiht sich eine neue Sportart ein: Seit Mitte Juni bietet Lisa Berghöfer kostenlose Power-Yoga-Kurse unter freiem Himmel an.

Krieger und Hunde im Volkspark

Am Donnerstagabend reißt der wolkenverhangene Himmel über dem Volkspark auf und taucht die Wiese in warmes Sonnenlicht. Eine passende Kulisse für die etwa dreißig Menschen, die sich dort mit Yogamatten eingefunden haben und gerade den „Sonnengruß“ ausführen. „Mit dem Ausatmen senkst du die Arme und kommst zurück in die Grundstellung“, erklärt Lisa Berghöfer ruhig und sieht zufrieden zu, wie die anderen ihren Anweisungen nachkommen.

Eine Matte genügt

Seit Mitte Juni bietet die Dreißigjährige, die eine Ausbildung zur Yoga-Lehrerin macht, kostenlose Power Yoga-Stunden unter freiem Himmel an. „Im September ist meine Prüfung und ich wollte mich ausprobieren, Kurse geben und sehen, wie ich die Menschen erreichen kann.“ Als sie den Kurs auf ihrer Facebookseite veröffentlichte, habe sie „ein paar Leute“ erwartet. „Dass es so großen Anklang finden würde, hätte ich nicht gedacht.“ Etwa 25 Teilnehmer kämen pro Kurs, das sei aber auch vom Wetter abhängig.

An diesem Donnerstag sieht es stark nach Regen aus und fünfzehn Minuten vor Beginn des Kurses sind zwei Teilnehmer erschienen. „Im Zweifel gibt es eben eine Privatstunde“, sagt Lisa und lacht. Dazu kommt es allerdings nicht, denn nach und nach trudeln immer mehr Teilnehmer ein. Man erkennt sie schon von Weitem an den Yogamatten, die sie bei sich tragen. Neben bequemer Kleidung ist eine Matte die einzige Ausrüstung, die die Teilnehmer brauchen. Lisa wartet, bis sich jeder einen Platz gesucht hat, bevor sie mit Atem- und Aufwärmübungen beginnt.

„Hört auf euren Körper und respektiert eure Grenzen“, sagt Lisa. Man benötige keine besonderen Vorkenntnisse und auch das Fitnesslevel sei egal. Allerdings sei es wichtig, dass man sich nicht am Nachbarn, sondern an der eigenen Belastbarkeit orientiere und nichts erzwinge: „Der einzig sinnvolle Vergleich ist der eigene Fortschritt - aber auch der braucht Geduld.“

Manche Teilnehmer sind Yoga-Neulinge, aber nach einigen Wiederholungen wissen auch sie, was der „Krieger“ oder der „herabschauende Hund“ sind. „Versuche mal, den Fuß weiter hinten aufzusetzen.“ Lisa läuft durch die Reihen, korrigiert Positionen und gibt Anfängern und Fortgeschrittenen Tipps, wie sie die Übungen vereinfachen oder intensivieren können.

Den eigenen Körper wahrnehmen

Den Volkspark hat Lisa bewusst als Veranstaltungsort gewählt. „Ich liebe Yoga in der freien Natur. Es ist einfach eine ganz andere Atmosphäre als im Studio.“ Ab und an bleiben Passanten stehen und schauen interessiert zu, dann ziehen sie weiter. Die Teilnehmer selbst bekommen vom Geschehen um sich herum nur wenig mit: „Irgendwann ist man ganz auf sich selbst konzentriert, nimmt nur noch den eigenen Körper wahr“, erzählt eine Teilnehmerin später.

Lisa selbst macht seit etwa sieben Jahren Yoga. Sie habe immer viel Sport gemacht, allerdings mehr auf Kraft und Action ausgelegt. „Irgendwann habe ich bemerkt, dass ich nicht mehr dehnfähig bin und mich gar nicht mehr richtig bewegen kann, und Yoga ausprobiert.“ Die Entspannung habe ihr gut getan, körperlich wie mental. „Ich war danach wie auf Wolken.“ Bis heute sei es für sie ein angenehmer Ausgleich zu ihrem Vollzeitjob in der Strategieabteilung eines großen Konzerns.

Als der Kurs mit den letzten Entspannungsübungen endet, applaudieren die Teilnehmer spontan. „Nach dem Arbeitstag ist das wunderbar um runterzukommen und zu entspannen“, sagt ein Teilnehmer und fragt Lisa nach weiteren Terminen. Eine andere Frau ist erstaunt, dass die Kurse kostenlos sind. Geld verdienen möchte Lisa damit nicht, hat aber einen kleinen Karton mitgebracht, in dem sie Spenden für das Mainzer Tierheim sammelt.

Bis zum Herbst sollen regelmäßig Power Yoga-Kurse im Volkspark stattfinden. Die Termine dafür findet man auf Lisas Homepage „Monkey Yoga“ oder ihrer gleichnamigen Facebookseite.

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