Wie tickt Peter Leussler von der „Metzgerei beim Peter“?

Vor 19 Jahren eröffnete Peter Leussler in der Neustadt seine „Metzgerei beim Peter“, heute gilt der Mainzer als Kult-Figur. Wir haben mit ihm über sein Engagement, sein Geschäft und die Entwicklungen in der Neustadt gesprochen.

Wie tickt Peter Leussler von der „Metzgerei beim Peter“?

Wenn Peter Leussler durch die Neustadt läuft, hört er an vielen Ecken „Ei Gude, Peter!“ Denn mit seiner „Metzgerei beim Peter“ ist der Mainzer längst zu einer Kult-Figur geworden. Vor 19 Jahren eröffnete er seinen Laden in der Kurfürstenstraße, 2015 folgte der unfreiwillige Umzug an den Sömmerringplatz, den das ZDF in einer Doku begleitete. Doch Leussler polarisiert: Für die einen ist er der herzliche Mainzer, der sich für Bedürftige einsetzt, andere können mit seiner Art nichts anfangen. Wir haben uns gefragt: Wie tickt Peter Leussler?

„Ich selbst merke den Kult-Status gar nicht. Ich merke das nur, wenn die Leute mich ansprechen“, erzählt Leussler. Dass die Menschen in sein Geschäft kommen, führt er nicht nur auf sein Angebot, sondern auch auf seine Authentizität zurück. „Die Leute spüren, dass ich so bin, wie ich bin. Wer bei mir in den Laden kommt, wird fast immer freundlich und lustig bedient.“ Bei seinen Kunden kommt auch sein Engagement für Bedürftige und die Umwelt gut an. Er kauft günstig Ware wie Brötchen mit einer kurzen Haltbarkeit im Großmarkt und verschenkt sie vor dem Laden auf einem Spenden-Tablett. „Ist doch viel besser, als wenn es weggeworfen wird“, so Leussler. Außerdem gibt es Kaffee im mitgebrachten Mehrwegbecher gratis.

„Man muss kein guter Koch sein, um gute Sachen zu kreieren.“ – Peter Leussler

Dass der 49-Jährige einmal einen eigenen Laden führen möchte, wusste er schon als Kind. „Ich habe als 5-Jähriger imaginäre Speisekarten entworfen. Es macht mir Spaß, Essen zu kreieren.“ Bis auf Kartoffelsalat und Frikadellen kocht er nicht selbst, das übernimmt seine Freundin Natascha. Aber das stört den gelernten Verkäufer nicht: „Man muss kein guter Koch sein, um gute Sachen zu kreieren. Wenn ich das Zeug hätte zum Spitzenkoch, wäre das für mich wie eine Berufung, wie ein Traum. Aber man kann nicht alles machen.“

Dass sein Imbiss fälschlicherweise als Metzgerei angesehen wird, führt er auf seinen alten Laden zurück, der optisch einer Metzgerei glich. „Draußen hing auch ein Schild mit ‘Metzgerei’, das habe ich hängen lassen.“ Damals in der Kurfürstenstraße lief sein Laden gut, doch 2015 kündigte ihm der Vermieter den Pachtvertrag (wir berichteten). Kurz darauf folgte der Umzug wenige hundert Meter weiter an den Sömmerringplatz.

Doch obwohl sein Geschäft nun größer und er der einzige Metzger-Imbiss in der Neustadt ist, blieben die Kunden aus. „Mit dem Umzug habe ich viele Stammkunden verloren. Wenn wir von 100 Prozent ausgehen, habe ich jetzt vielleicht noch zwanzig.“ Doch warum ist das so? Leussler sagt: „Das fragt sich jeder.“ Vielleicht liegt es an der etwas ruhigeren Gegend der Neustadt und der fehlenden Laufkundschaft, vielleicht auch daran, dass es kaum Parkplätze gibt. „Meine Altersvorsorge habe ich aufgelöst. Hätte ich das nicht, wäre ich jetzt insolvent. Ich muss kämpfen, aber ich bleibe immer positiv. Ich bin gesund und das ist das Wichtigste.“

Kritik von verschiedenen Seiten

Neider hat Leussler trotzdem. Er geht gerne gut auswärts essen, fährt außerdem einen Porsche. Vor allem viele Facebook-User würden kritisieren, dass er sich nicht über seine finanzielle Situation beschweren dürfe, sagt er. „Der Porsche war ein Kindheitstraum von mir. Den habe ich mir zehn Jahre lang mit fünf Euro-Scheinen angespart.“ Verkaufen könne er ihn schließlich immer noch. „Neider hat man immer“, so Leussler.

Kritik von Vegetariern und Veganern kann er nachvollziehen. „Wenn ich ehrlich bin, ich könnte auch Vegetarier sein, mir tun die Tiere auch leid.“ Aber: „Jeder sucht sich einen Job irgendwann mal aus im Leben, macht sich in dem Moment vielleicht keine Gedanken. Ich kam damals in die Metzgerei und da bin ich geblieben.“ Gerichte ohne Fleisch bietet er trotzdem an: Abgesehen von Gemüse und Salaten gibt es vegetarische Schnitzel.

Leussler selbst wuchs unweit seines Geschäfts in der Neckarstraße auf. „Da, wo mein Laden jetzt drin ist, war in den 60er-Jahren ein Gemüseladen. Durchs Fenster wurde Milch verkauft.“ Schon damals wohnten in der Neustadt viele Studenten, sagt der 49-Jährige. Inzwischen gebe es mehr Familien mit finanziellen Möglichkeiten, sozial Schwache würden eher rausgedrängt. Und auch die Geschäfte hätten sich angepasst, es gebe mehr Angebot für Studenten und Hipster. Aber: „Wenn so Läden wie ich aussterben, dann gibt’s bald nur noch Aldi und Lidl. Und das ist doch traurig. Wenn es nur noch Studentenläden gibt, wo gehen dann die anderen hin?“

„Mein Laden heißt seit 19 Jahren ‘Beim Peter’. Und wenn Du mich willst, bin ich auch da.“ – Peter Leussler

Und das ist das, was Leussler an seinem eigenen Laden schätzt: „Bei mir haben schon immer alle nebeneinander gesessen. Die Oma mit einem Süppchen, daneben der Politiker, daneben der 05-Profi.“ Deswegen fühlt er sich in seinem Imbiss so wohl. „In meinem Laden bin ich daheim. Ich bin zwar auf der Arbeit, aber ich fühle mich wie daheim. Mein Laden heißt seit 19 Jahren ‘Beim Peter’. Und wenn Du mich willst, bin ich auch da.“

Expansionspläne in die Altstadt oder einem anderen Ort in Mainz hat Leussler momentan nicht, auch wenn er sich das vorstellen kann. „Ich könnte mir jeden Standort vorstellen, wenn ich es bezahlen könnte.“ Ein Geschäft an der Boppstraße zum Beispiel. „Das wäre eine Goldgrube.“

(rk)

Logo