„Die Kapuzinerstraße ist wie ein kleines Dorf“

Die Mainzer Altstadt ist für ihre schönen Straßen und Gässchen bekannt. Eine dieser Straßen und ihre Besonderheiten wollen wir Euch vorstellen - die Kapuzinerstraße.

„Die Kapuzinerstraße ist wie ein kleines Dorf“

Die Kapuzinerstraße: Auf diesen rund 300 Metern gibt es einiges zu sehen. Läuft man den gepflasterten Weg der Straße entlang, eröffnet sich ein Einblick in die Mainzer Altstadt. Doch nicht nur die Gebäude sind besonders, auch die Menschen in der Kapuzinerstraße sind es.

Die Geschichte und die kleinen Besonderheiten

Die Kapuzinerstraße hat ihren Namen durch das Kapuzinerkloster bekommen. Früher stand es gegenüber der heutigen Pfarrkirche St. Ignaz. Das Kloster war damals die kleinste Klosterkirche in der Stadt Mainz. Heute ist vom Kapuzinerkloster aber nichts mehr zu sehen - während der Belagerung von Mainz im Jahr 1793 wurde es zerstört.

Die Kirche St.Ignaz aus dem 18. Jahrhundert ähnelt nicht nur zufällig der Pariser Pfarrkirche Saint-Gervais-Saint-Protais (wir berichteten). Die Sandsteinfassade wurde dem französischen Vorbild aus dem frühen 17. Jahrhundert nachgebildet. Die ersten Steine für die St. Ignaz Kirche wurden im Jahr 1763 gelegt, zehn Jahre später wurde der erste Gottesdienst in der Pfarrirche gefeiert.

Auch heute noch ist die Kirche ein wichtiger Treffpunkt in der Kapuzinerstraße. Tanja Roolfs, die ihre Goldschmiede seit 2012 in der Kapuzinerstraße führt, findet den Vorplatz der Kirche besonders schön: „Hier steht auch ein kleiner Brunnen, der durch gesammelte Spenden wieder zum Sprudeln gebracht werden konnte“, sagt sie.

„Ich habe mich mit dem Atelier hier gut eingelebt. Es ist gemütlich in der Straße und sie hat ein tolles Altstadtflair“, so Tanja Roolfs. Ein Großteil der Straße ist eine Denkmalzone: Zu dieser gehören die Gebäude mit den Hausnummern 14 bis 42, 44, 46, 48, 50, 52, 54. Diese Häuser stammen alle aus der Zeit zwischen dem 17. und dem 20. Jahrhundert.

Menschen und Miteinander

Besonders ins Auge stechen die gepflasterten Gassen, die früher Richtung Rhein führten. Heute verbinden das Hänleingäßchen und das Scharfensteinergäßchen die Kapuzinerstraße mit der Rheinstraße.

„Manchen Kindern haben wir beim Aufwachsen zugesehen“ - Maik Gimpel

Doch nicht nur das Äußere macht die Straße in der Altstadt so besonders. „Die Kapuzinerstraße ist wie ein kleines Dorf. Man kennt sich untereinander. Manchen Kindern haben wir beim Aufwachsen zugesehen“, erzählt Maik Gimpel. Er führte früher gemeinsam mit seinem Partner Wolfgang Heck die Weinstube „Zum Beichtstuhl“.

In dieser Zeit, so erzählt er, habe man sich in der Straße gegenseitig geholfen und sei füreinander da gewesen. Mittlerweile betreiben die beiden „Jungs“ in Klein-Winternheim ihre Weinstube „Oma Lotte & die Jungs“. „Wir sind froh, den Schritt gemacht zu haben und wollen eigentlich auch nicht in die Altstadt zurück“, sagt Gimpel. Aus ihren 20 Jahren in den Mainzer Altstadt würden sie aber vor allem eins vermissen - die Menschen und das Miteinander. (pk)

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