Stündliche Kontrollen rund um Mainzer Hauptbahnhof wegen Drogen

Wegen Pöbeleien und Drogenkonsum im Umfeld des Mainzer Hauptbahnhofs gibt es nun offenbar stündliche Kontrollen. Ein Verein kritisiert das Vorgehen als reine Verdrängung.

Stündliche Kontrollen rund um Mainzer Hauptbahnhof wegen Drogen

Rund um den Mainzer Hauptbahnhof und die Kirche St. Bonifaz führen Polizei und Ordnungsamt jetzt offenbar stündlich Kontrollen durch, um gegen eine Gruppe pöbelnder und drogenkonsumierender Menschen vorzugehen. Das berichtet der SWR.

Anwohner hätten sich in den vergangenen Wochen vermehrt bei der Stadt gemeldet, weil sie sich unsicher fühlten. Sie hätten von Gruppen berichtet, die sich gegenseitig anpöbelten und teilweise aggressiv seien. Erst kürzlich hatte eine Gruppe einen 42-Jährigen am Bonifatiusplatz mit einem Messer bedroht sowie geschlagen und getreten (wir berichteten).

Laut Ordnungsdezernent Karsten Lange (CDU) seien bei solchen Vorfällen meist Alkohol und Drogen im Spiel. „Die Anwohner haben erzählt, dass sie in ihrem Garten oder in den Grünlagen rund um die Kirche vermehrt Spritzbesteck gefunden hätten“, wird Lange zitiert.

Bei der Gruppe handle es sich um etwa zehn bis 20 Personen. Ermittlungen hätten ergeben, dass die meisten von ihnen obdachlos seien und aus Frankfurt kämen. Wegen stärkerer Drogenkontrollen dort seien einige wohl nach Mainz ausgewichen. „Ich möchte hier in dieser Stadt kein ausgewachsenes Problem mit harten Drogen haben“, sagt der Ordnungsdezernent dem Bericht zufolge.

Mit den stündlichen Kontrollen wolle man die Menschen beim Drogenkonsum stören. Lange hoffe, dass die Gruppe Mainz dadurch als unattraktiv empfinde und weiterziehe. Zudem versuche die Stadt, straffällige Personen schneller vor Gericht zu bringen. Wenn eine „Schlüsselperson“ in Haft müsse, zerfalle oft die ganze Gruppe.

Verein kritisiert Verdrängung

Der Mainzer Verein „Armut und Gesundheit“ kritisiert diese Vorgehensweise. In einer Mitteilung heißt es: „Tägliche Kontrollen, Drogenrazzien und das Räumen von Matratzenlagern lösen keine strukturellen Probleme, sondern verlagern menschliche Not lediglich in andere Stadtteile“. Menschen zu verjagen, sei keine Lösung, man müsse ihnen stattdessen helfen.

Ordnungsdezernent Lange weist die Kritik jedoch zurück. Mainz habe bereits viele Hilfsangebote, die von der neuen Gruppe aus Frankfurt aber kaum genutzt würden. Deshalb sollen Mitarbeiter der Drogenhilfe nun verstärkt auf diese Menschen zugehen. Der Verein fordert dennoch mehr Initiative von der Stadt, etwa den Ausbau von Unterkünften für Wohnungslose, mehr sichere Konsumräume und mehr Streetworker.