Warum Jan Böhmermann eine Mainzer Ortsvorsteher-Kandidatin nachäfft

TV-Entertainer Jan Böhmermann hat mal wieder ausgeteilt. Diesmal aber nicht gegen den türkischen Präsidenten Erdogan, sondern gegen eine Ortsvorsteher-Kandidatin aus Hechtsheim.

Warum Jan Böhmermann eine Mainzer Ortsvorsteher-Kandidatin nachäfft

Ob gegen Staatspräsidenten, Medien oder Promis – TV-Entertainer Jan Böhmermann teilt gerne aus. Auch in seinem Podcast „Fest und Flauschig“, den er zusammen mit Musiker Olli Schulz moderiert: In der Folge „Das Model und der Star“ nahm Böhmermann mal wieder den „Spiegel“-Ableger „Bento“ aufs Korn – und eine Hechtsheimer Ortsvorsteher-Kandidatin. Doch worum ging es?

Alles fing mit einem Tweet an, den Böhmermann bereits am 4. Februar abgesetzt hatte. „Haben die tausenden neuen Mitglieder, die mit dem ‘Schulz-Effekt’ in die SPD eingetreten sind, inzwischen lang genug ‘Plakate geklebt’, um allmählich ein wahrnehmbarer Faktor in der Partei zu werden?“, schrieb Böhmermann. Was er kritisiert: Zwar habe die SPD durch den kurzfristigen Schulz-Hype 2017 neue Mitglieder gewonnen, in den oberen Etagen der Partei seien sie aber offenbar nicht angekommen.

„Bento“-Artikel ärgert Böhmermann

Eine, die 2017 in die SPD eintrat, ist Tatiana Herda Muñoz aus Hechtsheim. Doch nicht Martin Schulz war ihr Anlass dafür, sondern die erschreckende Wahl von US-Präsident Donald Trump. Im Dezember wurde sie von ihrer Partei zur Hechtsheimer Ortsvorsteher-Kandidatin ernannt. Herda Muñoz antwortete Böhmermann via Twitter: „Ich bin jetzt Spitzenkandidatin für mein Stadtteil. Ist nicht alles blöd.“

Diese Antwort griff Böhmermann wiederum in seinem Podcast auf. In der Episode „Das Model und der Star“ sagte er: „Ich habe diese Woche wieder einen wahnsinnigen sozialdemokratischen Frust geschoben. Es ist einigermaßen schwer auszuhalten, was da gerade passiert.“ Der Grund dafür sei ein „Bento“-Artikel, in dem auch Herda Muñoz zu Wort kam.

„Böhmermanns Aussagen respektlos“

Über die Twitter-Antwort der Mainzer SPD-Politikerin sagt Böhmermann im Podcast: „Und dann kommt eine und sagt: ‘Ja, ich bin aber jetzt im Ortsverband Mainz Spitzenkandidatin’.“ Dabei verstellt Böhmermann seine Stimme und klingt wie ein Kleinkind. Am Ende sagt er noch in Richtung „Bento“ und SPD: „Mensch Leute, get your fucking shit together, das ist wirklich nicht zum Aushalten.“

Tatiana Herda Muñoz findet Böhmermanns Aussagen „ein bisschen arrogant“. „Er sieht die SPD als ein riesiges rotes Ding“, sagt sie gegenüber Merkurist. Böhmermann verkenne, dass es in einer Partei mehrere Ebenen gibt: Bund, Land, Kommune, Ort. „Die Menschen machen eine Partei aus.“ Und das seien vor allem jene, die spätabends Plakate aufkleben und sich im Kleinen für die Partei engagieren. „Böhmermanns Aussagen finde ich deshalb respektlos.“ In einer Mail will Herda Muñoz ihm das auch noch persönlich mitteilen. Trotzdem sei es aber wichtig, dass Böhmermann überhaupt politische Themen anspricht und damit eine große Zuhörerschaft erreicht, so Herda Muñoz.

Auch in seiner wöchentlichen „ZDFneo“-Show „Neo Magazin Royale“ griff Böhmermann das Thema noch einmal auf. In einem Trailer zur Sendung vom 28. Februar scherzten Böhmermann und Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) zusammen über eine Neubesetzung des SPD-Präsidiums. Statt SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil schlägt Böhmermann Tatiana Herda Muñoz für das Partei-Präsidium vor. Sein Kommentar: „Mit dem Schulzzug in die Partei eingetreten. Eine Quereinsteigerin, Masterplan-Managerin in Mainz. Sie will Mainz klimaneutral machen. Eigentlich gar nicht schlecht.“

(ps)

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