Es war ein „Schock“ für einige Naturschützer, als sie im Februar 2023 den Kahlschlag an der Mainzer Lemmchenschule entdeckten: Fast 40 Bäume, zum größten Teil über 50 Jahre alt, ließ die Stadt Mainz dort roden, wo in den nächsten Monaten ein großer Schulkomplex entstehen soll.
Erfahren habe er von den Maßnahmen zufällig, erklärte Jürgen Weidmann damals, der Vorsitzende des Arbeitskreises Umwelt Mombach. Natürlich unterstütze er den Bau des Gymnasiums an dieser Stelle, betonte er zwar. „Wir haben aber kein Verständnis dafür, dass in Zeiten des Klimawandels eine so große Zahl an Bäumen gefällt wird.“ Die Stadt Mainz entgegnete, dass die Fällungen notwendig gewesen seien, da hier sowohl die Neubauten als auch Interimsgebäude entstehen sollen. Gleichzeitig bestätigte eine Sprecherin der Stadt, dass 32 der 37 gefällten Bäume geschützt waren. Trotzdem hatte die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd die Maßnahme genehmigt.
War die Rodung alternativlos?
Aus Sicht von Weidmann hätte es Alternativen gegeben. Man sei stattdessen „den für Architekten und Baufirmen einfachsten Weg“ gegangen. Schon im März befürchtete er, dass noch mehr Bäume auf dem künftigen Schulgelände gefällt werden. Er forderte, bei städtischen Baumaßnahmen so wenig wie möglich in den Baumbestand einzugreifen.„Bis zu 142 meist mehr als 50 Jahre alte Bäume sollen dem Neubau mehrerer Schulgebäude im Bereich der Mombacher Lemmchenschule weichen“, so Weidmann.
Gemeinsam mit dem NABU Mainz und der BUND Kreisgruppe Mainz startete Weidmann deshalb eine Petition „zur Rettung der verbliebenen Bäume“. Mittlerweile haben über 1600 Menschen unterzeichnet. „Mehr als 1600 Unterschriften sind ein starkes Zeichen dafür, dass unsere Mitbürger:innen die große Bedeutung der alten Bäume in unserer Stadt erkannt haben, als Schattenspender, Luftreiniger und Sauerstoffproduzenten“, so der NABU-Vorsitzende Christian Henkes. Marcel Weloe vom BUND ergänzt: „Im Angesicht des sich beschleunigenden Klimawandels und des Rückgangs der Artenvielfalt erwarten wir, dass auch die Lokalpolitiker:innen diesen Wert erkennen und entsprechend handeln.“
Weidmann habe jedoch schon erste Zusagen gehört, dass einige der Bäume, die gefällt werden sollten, stehenbleiben dürften. Nichtsdestotrotz sei es wichtig, dass diese Bäume bei den Baumaßnahmen nicht geschädigt werden. Nach Abschluss der Petition soll diese dem Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) und dem Mainzer Stadtrat vorgelegt werden.