„Jetzt reicht's“: Mitarbeiter der Universitätsmedizin rufen zum Protest auf

Die Petition „Jetzt reicht's“ setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Universitätsmedizin ein. Um ein Zeichen zu setzen, wurde am Mittwoch vor dem Haupteingang der Universitätsklinik protestiert.

„Jetzt reicht's“: Mitarbeiter der Universitätsmedizin rufen zum Protest auf

Am Mittwoch um 14 Uhr erklärte Michael Quetting die Universitätsmedizin zum „Problembezirk“. Der Krankenpfleger und Pflegebeauftragte der Gewerkschaft ver.di sagte bei einer Kundgebung vor dem Gebäude: „An der Uniklinik herrschen schlechte Arbeitsbedingungen, geringer Lohn und zu wenig Personal.“ Er und andere Demonstranten fanden sich am Mittwoch vor dem Haupteingang der Universitätsklinik ein - mit Pfeifen, lauter Musik und „um für bessere Arbeitsbedingungen der Universitätsmitarbeiter einzustehen“.

Hintergrund

Anlass für den Protest sind die anstehenden Tarifverhandlungen am 27. Juni zwischen der Universitätsmedizin und der Gewerkschaft ver.di. Bereits seit Wochen sammeln die Mitarbeiter der Universitätsmedizin Unterschriften für die Petition „Jetzt reicht’s“, die von ver.di unterstützt wird.

Laut Quetting arbeiten die Mitarbeiter der Universitätsmedizin am Limit. „980 Unterschriften fehlen noch, dann haben wir die Mehrheit aller Mitarbeiter auf unserer Seite.“ Um einmal mehr auf die Petition und die Bedingungen aufmerksam zu machen, unter denen die Mitarbeiter der Universitätsmedizin arbeiten, wurde am Mittwoch etwa eine halbe Stunde lang vor dem Eingang der Universitätsklinik protestiert.

Protest

„Es ist Zeit aufzustehen und für faire Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung zu kämpfen“, sagt Klaus Behrens. Seit 21 Jahren arbeitet der Krankenpfleger nun für die Universitätsklinik und habe durch zu viele Überstunden zu wenig Zeit für soziale Kontakte - und das alles für eine laut Behrens ungerechte Bezahlung. Deshalb hoffe er auf weiteren Zuspruch und noch mehr Unterschriften: „Veränderung kann man nur in starker Gemeinschaft erreichen.“

Auch Silke Bunse klagt über die Zustände in der Universitätsklinik. Vor kurzem habe sie ihren Job als leitende Hebamme gekündigt, weil die Arbeitsbedingungen für sie nicht mehr tragbar gewesen seien. „Eine Betreuung von drei bis fünf Schwangeren gleichzeitig führt zu einer ständigen Überlastung“, sagt sie. Teilweise hätte die ehemalige Mitarbeiterin der Universitätsklinik acht bis zehn Stunden am Stück arbeiten müssen - und das ohne Erholung: „Dienste ohne Pause wurden zur Regel.“ Auch sei sie frustriert darüber gewesen, dass eine Vielzahl der Auszubildenden aufgrund der Arbeitsbedingungen nicht weiter an der Universitätsmedizin arbeiten wollten. „Wir werden in unserer Not nicht gehört und ernst genommen“, so Bunse und adressiert damit den Vorstand der Universitätsmedizin. Sie wünsche sich mehr Respekt - und das auch von Seiten der Politik.

Quetting sieht das genauso und fordert außer Anerkennung ebenfalls mehr Personal und Entlastung: „Es kann nicht sein, dass wir, die dafür arbeiten, dass andere gesund sind, selbst krank werden.“ Mehr Wertschätzung in Form einer Bezahlung solle seiner Meinung nach außerdem für Auszubildende in den Gesundheitsberufen erreicht werden. „Angehende Physio- und auch Ergotherapeuten bekommen keine Vergütung, die brauchen ja auch ihr Geld zum Leben“, sagt er.

Die Universitätsmedizin möchte sich laut stellvertretender Pressesprecherin Annette Tuffs zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht zu den Vorwürfen äußern, geht aber optimistisch in die Tarifverhandlungen. „Ich denke wir werden eine Lösung finden“, so Tuffs. (rk)

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