Wer mit dem Männer-Team des 1. FSV Mainz 05 auf Auswärtsfahrt geht und sich pflanzlich ernähren möchte, hat zum Start der aktuellen Saison erstmals die Möglichkeit, sich vorab über das vegane Angebot an Speisen im Auswärtsblock zu informieren. Zwar erstellt die Tierrechtsorganisation PETA bereits seit 2011 ein Ranking, aber bisher fehlten Angaben zur Verfügbarkeit von pflanzlichen Speisen im Gästeblock.
Ein großes Manko des Rankings war bisher die Aussagekraft für Fans, die zu einem Auswärtsspiel in ein Bundesliga-Stadion anreisen. Schließlich bieten die Catering-Betriebe der Clubs kein flächendeckend identisches Angebot an Speisen im gesamten Stadion an. Fans der Heimmannschaft, insbesondere diejenigen, die das pflanzliche Angebot ihres Clubs nutzen möchten, wissen in der Regel, an welchen Ständen es welche Speisen in ihrem Stadion gibt. Anders sieht es bei Fans der Gastmannschaft aus, die das fremde Stadion meist höchstens einmal pro Saison besuchen.
Daher war das PETA-Ranking in der Vergangenheit oft kontraproduktiv. Schließlich möchte PETA mit dem Ranking Menschen dazu animieren, pflanzliche Kost zu probieren. Auf Auswärtsfahrten stellt sich für Fans oft die Frage, wo man sich während der langen Reise, die oft frühmorgens beginnt und spätabends endet, verpflegt: Am Bahnhof oder an der Autobahnraststätte oder doch im Stadion? Wer sich bisher auf das PETA-Ranking verlassen hatte, machte oft die Erfahrung, dass die im Ranking angepriesene Vielfalt an veganen Speisen vor Ort im Auswärtsblock überhaupt nicht vorhanden war. Nicht jeder Mensch, der Wert auf pflanzliche Kost legt, wird dann auf die meist vorhandene Brezel ausweichen, wenn vorher vegane Burger oder Wurst in Aussicht gestellt wurden.
Seriensieger Schalke 04 etwa bot im Auswärtsblock lange Zeit nur eine Laugenbrezel an, während es im Heimbereich schon lange Chili sin Carne, Falafel-Gerichte, Poké-Bowls und eine vegane Currywurst gab.
Mit der neuen Übersicht von PETA für die Auswärtsblöcke der 1. und 2. Männer-Fußball-Bundesliga gibt es nun deutlich mehr Transparenz. Beim ersten anstehenden Auswärtsspiel von Mainz 05 am kommenden Sonntag im Hamburger Volksparkstadion ist das Angebot weiter auf Brezeln limitiert. Gleiches gilt für das Stadion „An der Alten Försterei“ in Berlin-Köpenick. Bei Bayer 04 Leverkusen gibt es immerhin Pommes Frites. Allerdings gab es im Stadion der Werkself schon einmal ein weitaus größeres Angebot an pflanzlicher Kost. Dieses war oft bereits vor Spielbeginn ausverkauft. Daher gilt für vielfahrende Fans die Erkenntnis, dass sich von Saison zu Saison das Angebot auch wieder verschlechtern kann und man früh das vegane Angebot in Anspruch nehmen sollte. Denn das Ranking stellt keinesfalls eine Garantie dar, tatsächlich ein pflanzliches Angebot an Speisen zu erhalten.
Laut PETA-Ranking bietet etwa der VfB Stuttgart neben Brezeln auch vegane Maultaschen im Auswärtsblock an. Die Realität beim letzten Gastspiel von Mainz 05 sah allerdings anders aus. Es gab weder Maultaschen noch Brezeln. Diesen Umstand gab es vor Jahren in vielen Stadien landauf landab, zum Beispiel bei den Mainz-05-Spielen in Chemnitz im DFB-Pokal 2014 und bei der SV Elversberg 2021. In beiden Stadien war es allerdings möglich, Brötchen ohne Wurst aus Fleisch zu kaufen. Diese Flexibilität gab es im Stuttgarter Stadion nicht, da die Brötchen angeblich abgezählt waren.
Nicht nur sportlich, sondern auch pflanzlich geht es bei der SV Elversberg steil bergauf. Neben der mittlerweile verfügbaren Brezel gibt es auch Chili sin Carne. Überhaupt überzeugen einige Clubs nicht nur im PETA-Ranking, sondern auch in der Realität vor Ort mit extravaganten Kreationen. So gab es beim Fastnachtsspiel von Mainz 05 letzte Saison in Dortmund tatsächlich Spinat-Manakish, eine Art Pizza der Levante aus dem Libanon, Syrien und Jordanien.
Im neuen Stadion in Freiburg gibt es die versprochenen Empanada-Teigtaschen, die Reisende vielleicht aus Südamerika kennen. Ob es wie bei PETA angegeben im Kölner Stadion in dieser Saison den Dinkelsandwich mit Hummus und Grillgemüse und in Hoffenheim die Chili Cheese Pommes mit pflanzenbasiertem Käse gibt, bleibt abzuwarten.
Ein weiteres Manko war bisher in manchen Stadien die fehlende Kennzeichnung der Speisen als rein pflanzlich. Im Borussia-Park von Mönchengladbach etwa werden seit ein paar Spielzeiten „Veggie Nuggets“ angeboten. Der Begriff „Veggie“ kann für rein pflanzliche Speisen stehen. Es ist aber auch möglich, dass tierische Produkte wie Ei oder Milchprodukte Verwendung finden. In der PETA-Liste werden die Nuggets jetzt als „vegan“ geführt. Auch Brezeln können mitunter nicht rein pflanzlich produziert worden sein. Hier sorgt die PETA-Liste nun für Transparenz.
Eine breite Auswahl an pflanzlichen Speisen erwartet die Fans tatsächlich nun beim Seriensieger auf Schalke (Lahmacun, Wrap, Poké Bowl), in Leipzig (unter anderem Schnitzel, Wurst und Currywurst). Wurst, Currywurst und/oder Schnitzel erwarten die Fans in den Auswärtsblöcken in Augsburg, Frankfurt, Bremen, München und Paderborn.
Bei Mainz 05 gab es in den vergangenen Spielzeiten neben der ligaweit günstigsten Brezel auch Suppe. Die vegane Wurst des Heimbereichs fehlte bis dato. Laut PETA-Liste soll es sie in der neuen Spielzeit nun auch im Auswärtsblock geben.
Denn die meisten Fans, die Wert auf pflanzliche Kost legen, unterscheiden sich von denen, die Fleisch vorziehen, was die Art der Speisen angeht, überhaupt nicht. Stadionverpflegung sollte einfach zu verzehren sein. In einem vollen Block beim Torjubel ist eine Suppe, egal ob pflanzlich oder nicht, eher schwierig zu genießen. Eine Wurst im Brötchen auf einer Serviette angeboten ist nicht nur einfach zu essen, sie sorgt auch für wenig Müll. Denn viele Menschen, die pflanzliche Produkte wünschen, legen Wert auf Nachhaltigkeit. Der vor Jahren in einem Einwegplastik-Becher servierte Salat in Leverkusen, entspricht solchen Ansprüchen eher nicht.
Auch beim Thema Preis sollten die Clubs ihre Strategie überdenken. Schließlich sind die pflanzlichen Produkte teilweise teurer als Produkte tierischen Ursprungs. Dabei ist bekannt, dass pflanzliche Produkte für weniger Treibhausgase verantwortlich sind. Tierleid wird dazu verhindert. Diese Fakten sollten bei der Preisbildung eine Rolle spielen. Schließlich hat dieser Sommer gezeigt, dass an allen möglichen Stellschrauben gedreht werden sollte, um die vom Menschen verursachte Erderwärmung zu begrenzen.
Es bleibt interessant zu sehen, wie sich das pflanzliche Angebot im Laufe der kommenden Saison in den beiden Ligen verändern und in das nächstjährige PETA-Ranking einfließen wird.
Über den Autor
Christoph Kessel ist in Mainz geboren und betreibt den Reise- und Fußball-Blog „Meenzer on Tour“ seit 2009. Der passionierte Mainz 05-Fan hat 2022 sein viertes Buch „Nachhaltigkeit würde der Liga guttun“ veröffentlicht. Bei Merkurist ist er Gastautor und Teil des Fan-Kolumnen-Teams.