Als der Schwarze Tod nach Mainz kam

In seiner über 2000-jährigen Geschichte ist Mainz einige Male von der Pest heimgesucht worden. Am verheerendsten traf es die Stadt dabei vor genau 355 Jahren: 1666 kam bei der Seuche ein Drittel der Bevölkerung ums Leben.

Als der Schwarze Tod nach Mainz kam

Hohes Fieber, schwarz-blutiger Auswurf und Beulen: Das sind die typischen Anzeichen für die Pest, die im Mittelalter für Millionen Tote sorgte. Auch Mainz blieb davon nicht verschont. Vor genau 355 Jahren brach die Seuche in der Stadt aus. Mehr als 2000 Menschen kamen dabei ums Leben. Mainz verlor damals rund ein Drittel seiner Einwohner.

„Eine der großen Katastrophen in Mainz“

Die Pest ist eine ansteckende Infektionskrankheit, die ursprünglich von Nagetieren wie Ratten ausgeht. Auf Menschen wird sie überwiegend von verseuchten Flöhen übertragen. Das erste Mal trat die Pest in Asien auf und gelangte über den Seeweg nach Europa. Auch nach Mainz kam die Pest auf dem Schiffsweg. Zum ersten Mal brach die Seuche bereits 1348, später 1482 und auch noch 1592 aus. Am härtesten traf es Mainz aber vor 355 Jahren im Jahr 1666. „Diese Pest war eine der großen Katastrophen in Mainz“, sagt Lothar Schilling, der für den Gästeführerverband Mainz Stadtführungen zum Thema anbietet. Dabei hatten die Mainzer das Unheil im wahrsten Sinne des Wortes den Rhein aufwärts kommen sehen.

Nachdem sich die Seuche ein Jahr zuvor in Amsterdam, eingeschleppt durch Handelsschiffe aus Algerien, ausgebreitet hatte, wanderte sie Stück für Stück rheinaufwärts bis nach Bingen. „Um den Ausbruch der Seuche in Mainz zu verhindern, hat man aus Köln kommende Schiffe trotz Protesten nicht weiterfahren lassen und im Rheingau zwei Wochen unter Quarantäne gestellt“, sagt Schilling. Somit konnte zwar sichergestellt werden, dass möglicherweise infizierte Seeleute nicht nach Mainz kamen. Dass verseuchte Ratten von den Schiffen an Land gelangten, konnte jedoch nicht verhindert werden. Begünstigt durch die damals auch in Mainz unhygienischen Verhältnisse konnte sich die Seuche letztlich auch hier im Juli 1666 ausbreiten.

Hatte sich eine Ratte mit der Pest infiziert und starb, sprangen ihre Flöhe auf den Menschen über. Innerhalb von wenigen Stunden bekamen die Betroffenen schließlich Fieber, Schüttelfrost und Beulen am Hals, in den Achselhöhlen und in der Leistengegend. Die Haut verfärbte sich dabei blauschwarz, weshalb man später allgemein auch vom „Schwarzen Tod" sprach. Wer sich infiziert hatte, konnte andere durch Husten oder Niesen via Tröpfcheninfektion anstecken. Teilweise genügte bereits der Kontakt mit den Kleidern des Kranken oder Toten.

Mehr als 2000 Tote

Die genaue Anzahl der Toten ist nicht bekannt. Aus Aufzeichnungen des damaligen Mainzer Dompredigers Adolph Gottfried Volusius geht jedoch hervor, dass schätzungsweise 2200 Mainzer an der Pest gestorben sind. „Eine damals eingerichtete Gesundheitskommission bestimmte, dass die Pfarrer gehalten sind, die Totenzahlen in den Kirchenbüchern festzuhalten“, sagt Schilling. Wahrscheinlich hätten die Toten bis zu einem Drittel der Einwohner ausgemacht.

Im Gegensatz zu anderen Städten, wie zum Beispiel Wien, Venedig oder Amsterdam gibt es im Stadtbild des heutigen (linksrheinischen) Mainz keinen Hinweis auf die Pest. „In Mainz gibt es in dieser Hinsicht fast nichts zu sehen, es gibt weder ein Pesthaus noch eine Pestsäule, die an das Ereignis erinnert“, so Schilling. Lediglich im Dom gibt es einen Hinweis: Im Kreuzgang befindet sich eine Skulptur des Heiligen Sebastian, des Schutzheiligen gegen die Pest. „In Mainz-Kastel hingegen gibt es in der Rathausstraße bei St. Georg noch ein Stück der ‘Pestmauer’ zu besichtigen, die in der Kirche versorgte Kranke vom Rest der Bevölkerung isolierte“, erklärt Schilling abschließend.

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