Mainzer Eltern müssen auf ihr Elterngeld warten

Eltern in Mainz müssen wegen des starken Personalmangels in der Elterngeldstelle teilweise monatelang auf ihr Elterngeld warten. Telefonische Sprechzeiten werden voraussichtlich bis 2027 nicht angeboten.

Mainzer Eltern müssen auf ihr Elterngeld warten

Monatelange Wartezeiten auf das Elterngeld sorgen derzeit bei vielen Familien in Mainz für Unmut. Betroffene berichten Merkurist gegenüber, dass ihre Anträge seit mehreren Monaten unbearbeitet seien und sie dadurch in finanzielle Schwierigkeiten geraten würden.

Vier Monate ohne Elterngeld

„Man fühlt sich sehr hilflos und aufgeschmissen, wenn man im vierten Monat ohne Elterngeld seine gesamten Ersparnisse aufkratzen muss“, so Saskia, die seit Februar Mutter ist und noch immer auf die Auszahlung des Elterngeldes von der Stadt Mainz wartet. In dieser Zeit habe sie auf ihre Ersparnisse zurückgreifen müssen, um die laufenden Ausgaben der Familie zu decken. Nach ihren Angaben gehe es zahlreichen Eltern in Mainz ähnlich.

Inzwischen habe sich eine Gruppe von Betroffenen zusammengeschlossen, die prüfe, „wie man da etwas Geschwindigkeit reinbringen und auf die Situation aufmerksam machen kann“, so Saskia im Gespräch mit Merkurist. Die Gruppe habe sich auch schon bei der Behördennummer 115, einer Servicehotline für Verwaltungsfragen innerhalb der Stadtverwaltung, gemeldet. Die Mitarbeiter hier hätten sie aber wieder zurück an die Elterngeldstelle verwiesen mit der Begründung, dass nur diese ihnen helfen könne.

Eingeschränkte Erreichbarkeit der Elterngeldstelle

Für zusätzliche Kritik sorgt die eingeschränkte Erreichbarkeit der Elterngeldstelle. Nach Angabe von Saskia wurden die regulären Telefonzeiten für einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten ausgesetzt. Zudem beklagen einige Eltern, dass schriftliche Nachfragen zum Bearbeitungsstand ihrer Anträge bislang unbeantwortet geblieben seien. Viele Familien fühlten sich dadurch mit ihren finanziellen Sorgen alleingelassen.

Die Stadt Mainz begründet die Problematik mit personellen Schwierigkeiten und kündigt Verbesserungen in den nächsten Monaten an. Ihren Aussagen nach sei die Elterngeldstelle bereits seit August vergangenen Jahres stark unterbesetzt. Mehrere Stellenausschreibungen seien zunächst erfolglos geblieben. „Die momentan im Elterngeld beschäftigten Mitarbeiter:innen sind durch den hohen Arbeitsanfall so stark belastet, dass Krankheitsausfälle und damit verbundene noch längere Bearbeitungszeiten zugenommen haben“, so die Pressestelle der Stadt Mainz auf Anfrage von Merkurist.

Neue Mitarbeiter geplant

Nach Angaben der Stadt sollen in den kommenden Monaten zwei neue Mitarbeitende eingestellt und schnellstmöglich eingearbeitet werden. Ziel sei es, die Bearbeitungszeiten bis Ende des Jahres wieder deutlich zu verkürzen und anschließend auch die regulären Telefonzeiten wieder anzubieten.

Die Stadt Mainz widerspricht jedoch den aktuellen Darstellungen der Eltern. „Beratungsgespräche für Eltern finden auf Anfrage weiterhin telefonisch statt“, so die Pressestelle. Auch die Kommunikation per E-Mail sei nicht eingestellt worden. Die eingehenden Nachrichten würden weiterhin chronologisch bearbeitet. Kurzfristig sei die Entscheidung getroffen worden, die telefonische Erreichbarkeit einzuschränken, um die vorhandenen Mitarbeitenden zu entlasten und die Bearbeitung der Anträge aufrechterhalten zu können.

Die Bearbeitung der Elterngeldanträge könne nach Angaben der Verwaltung selbst nicht vereinfacht werden, da die gesetzlichen Vorgaben vom Bund festgelegt würden und von den Kommunen umgesetzt werden müssten.

Die Probleme mit der Mainzer Elterngeldstelle treten nicht zum ersten Mal auf. Schon vor vier Jahren klagten Eltern über die überdurchschnittlich lange Bearbeitungszeit ihrer Elterngeldanträge:

Wann sich die Situation verbessert, hängt nach Angaben der Verwaltung vor allem von der erfolgreichen Einarbeitung der neuen Mitarbeitenden ab. Bis dahin müssen viele Mainzer Familien jedoch weiterhin Geduld aufbringen. Für Familien, die aufgrund der ausbleibenden Elterngeldzahlungen in finanzielle Schwierigkeiten geraten, weist die Stadt auf mögliche Überbrückungshilfen hin. Unter bestimmten Voraussetzungen könnten übergangsweise Wohn- oder Bürgergeld beantragt werden.

Hintergrund

Nach der Geburt eines Kindes sind die Eltern meist auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Dafür steht ihnen in Deutschland das Elterngeld zur Verfügung. Dieses kann aber erst beantragt werden, wenn das Kind schon auf der Welt ist. Darum raten die Ämter, alle benötigten Unterlagen schon vor der Geburt bereit zu halten, sodass der Antrag auf das Elterngeld so früh wie möglich gestellt werden kann. Denn das Elterngeld kann nur für maximal drei Monate rückwirkend gezahlt werden.