Folgt jetzt der Nobelpreis für das Biontech-Team?

Das Biontech-Team erhält den deutschen Wissenschaftspreis für die Entwicklung des mRNA-Impfstoffs gegen Covid-19. Viele der Preisträger haben anschließend auch den Nobelpreis bekommen.

Folgt jetzt der Nobelpreis für das Biontech-Team?

Für ihre Erforschung und Entwicklung von messenger-RNA (mRNA) zu präventiven und therapeutischen Zwecken wird das Biontech-Team mit dem Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis 2022 ausgezeichnet. Genau genommen erhalten die Biochemikerin Katalin Karikó sowie die beiden Ärzte Özlem Türeci und Uğur Şahin den deutschen Wissenschaftspreis. Das verkündete der Stiftungsrat der Paul Ehrlich-Stiftung aus Frankfurt am Dienstag.

„Sie haben eine Technologieplattform etabliert, die in Teilbereichen der Medizin einen Paradigmenwechsel einleiten dürfte“, heißt es in der Begründung. „Als herausragender Erfolg hat sich dabei die spektakulär schnelle Entwicklung eines hochwirksamen Impfstoffes gegen die Coronavirus-Krankheit COVID-19 erwiesen, der bei der weltweiten Eindämmung der SARS-CoV2-Pandemie eine entscheidende Rolle spielt.“

Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis ist der renommierteste Medizinpreis Deutschlands, dotiert mit 120.000 Euro. Viele Wissenschaftler, die mit ihm ausgezeichnet wurden, haben später auch den Nobelpreis bekommen. Finanziert wird der seit 1952 verliehene Preis vom Bundesgesundheitsministerium, dem Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. und durch Unternehmensspenden.

Lange ein Außenseiter-Projekt

Katalin Karikó war eine der Pionierinnen in der RNA-Forschung - doch lange ohne großen Zuspruch. Als sie Anfang der 1990er Jahre Förderungen für ihr RNA-Forschungsprojekt an der University of Pennsylvania beantragte, war sie eine Außenseiterin. „Niemand wollte damals RNA-Projekte fördern“, heißt es in der Erklärung der Stiftung an der Gothe-Universität Frankfurt. Weil sie nicht genügend Fördermittel einwerben konnte, wurde Karikó 1995 vom Research Assistant Professor zum Senior Research Investigator degradiert.

„Unbeirrt blieb sie dennoch ihrem Ziel treu. Denn vom Beginn ihrer wissenschaftlichen Laufbahn an war sie vom Potential der mRNA überzeugt.“ Ihre Forschung setzte sie in ihrem Labor fast im Alleingang fort, weitgehend auf sich selbst gestellt oder zusammen mit ihrem Kollegen Drew Weissman. Doch auch entscheidende Durchbrüche auf dem Weg zur Verwirklichung von mRNA-Therapien stießen auf wenig Resonanz.

Uğur Şahin und Özlem Türeci waren unterdessen mit der Krebsforschung beschäftigt. Sie erforschten in den 1990er-Jahren, wie mittels mRNA therapeutische Krebsimpfstoffe entwickelt werden können. „Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollten später entscheidend zu der schnellen Verfügbarkeit des COVID-19 mRNA- Impfstoffes beitragen“, heißt es weiter. 2013 trat Karikó dem Unternehmen von Şahin und Türeci an.

„Jahrzehntelang stand die messenger RNA (mRNA) im Schatten ihrer großen Mutter DNA. Dass ausgerechnet dieses Aschenputtel während der Corona-Pandemie plötzlich alle anderen molekularen Konkurrentinnen auszustechen in der Lage war, liegt ganz wesentlich an den Leistungen der drei Preisträger.“

Die Preise werden – zusammen mit den Preisen des Jahres 2021 – am 14. März 2022 in der Frankfurter Paulskirche verliehen.

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