Grüne Schwingen in Mainz

Ende der sechziger Jahre siedelten sie sich in Wiesbaden an, seit 2005 kann man sie auch in Mainz beobachten: Smaragdgrüne Halsbandsittiche bevölkern die Bäume der Stadtparks und Grünanlagen. Die kleinen Papageien fühlen sich bei uns wohl.

Grüne Schwingen in Mainz

Er ist ungefähr 40 Zentimerter groß, hat smaragdgrüne Federn und einen roten Schnabel: Der Halsbandsittich. Seit mindestens 1969 leben die Vögel in Wiesbaden, wo sie sich in den Platanen des Schlossparks Biebrich einnisteten. Von dort breiteten sich die Papageien aus, der Lebensraum in Wiesbaden wurde zu klein. Anfangs unternahmen sie nur Tagesausflüge nach Mainz, inzwischen brüten und leben sie auch hier. Und scheinen sich wohl zu fühlen: In den Bäumen von Gonsenheim, Finthen, Laubenheim, Mombach und Bretzenheim sitzen immer wieder Kolonnen der grünen Vögel. Doch wie kommt es, dass bei uns Papageien frei leben?

Importierte Exoten

"Die freifliegenden Vögel, die sich in Wiesbaden niedergelassen haben, waren ursprünglich Gefangenschaftsflüchtlinge", so Dr. Dieter Rinne vom Naturschutzbund Mainz und Umgebung e.V. "Sie sind beispielsweise Zoos entflogen oder wurden von ihren Besitzern ausgesetzt." Ursprünglich stammt die Vogelart aus Indien und Zentralafrika, in den Sechzigern tauchten sie dann in vielen Städten Europas auf. Zu dieser Zeit wurde das deutsche Importverbot für tropische Vögel aufgehoben.

"Für die Sittiche ist es klimatisch günstig am Rhein", sagt Rinne, "sie finden hier auch genügend Brutplätze und Nahrung." Halsbandsittiche sind Pflanzenfresser, sie fressen junge Triebe, Knospen, Samen und Früchte. "Das finden sie gerade in den städtischen Gartenanlagen." Inzwischen leben die Vögel in zahlreichen Städten, darunter sind Köln, Worms, Mannheim und Heidelberg.

![504f68c5-943b-474a-b2b3-75d580a78195]

Neben ihrer grünen Farbe fallen die Sittiche mit ihrem lauten Ruf auf. "Ich wohne in Bretzenheim, in den Bäumen um unsere Wohnung sind regelmäßig die grünen Papageien", berichtet eine Mainzerin. "Durch ihr grünes Gefieder tarnen sie sich echt gut in den Blättern der Bäume, aber sie sind lauter als die anderen Vögel." Dennoch fühle sie sich nicht davon gestört. "Ich finde es toll, Papageien ums Haus zu haben."

![63d6718b-f516-4346-ad66-0b9e000880b9]

Detlev Franz aus Wackernheim beobachtet schon seit fast zwanzig Jahren die Papageien in und um Mainz und Wiesbaden. In beiden Städten und Umgebung gebe es aktuell um die 2000 Sittiche. "In Mainz leben schätzungsweise wenige hundert Exemplare", sagt der Hobby-Ornithologe. "Sie haben sich zuerst im Gonsbachtal niedergelassen und von dort dann weiter ausgebreitet." Franz betreibt die Internetseite "Papageien vor der Haustür" - hier sammelt er auch Bilder von den grünen Exoten. Neben den zahlreichen Halsbandsittichen gebe es in Mainz auch ein paar Exemplare der Alexandersittiche, beide Arten sehen sich sehr ähnlich. "Alexandersittiche sind mit rund 60 Zentimeter Länge jedoch etwas größer und haben einen burgunderfarbenen Fleck auf der Schulter", sagt Franz. Auch am Ruf der Vögel könnte man die Arten unterscheiden. Der Alexandersittich sei in Mainz aber eher selten.

Robuste Gesellen

Die Papageien in und um Mainz haben sich als sehr robust erwiesen - und das, obwohl sie keine Zugvögel sind und auch ihre Winter in Mainz verbringen. Franz erzählt, dass die Sittich-Population selbst einen harten Winter wie etwa 1995/96 gut überstanden habe, trotz Temperaturen von minus 25 Grad Celsius. "Das Problem ist nicht, dass die Tiere keine Kälte vertragen", sagt Franz, "sondern dass sie zu jeder Jahreszeit genügend Nahrung finden müssen." Nur in den Städten gelingt das den Vögeln, gerade für die Brutzeit im Februar und März brauchen sie viel Futter.

![117d6b94-b075-4ced-ac31-6ef0593a43ae]

Die Einrichtung von städtischen Landschaftsparks habe dabei eine Lebensgrundlage für die Papageien geschaffen: "In den Parks wurden exotische Bäume angepflanzt, sie ähneln oft einem tropischen Wald", so Franz. "In richtigen Naturanlagen könnten sie nicht überleben." Auch im Mainzer Volkspark und im botanischen Garten der Universität fühlen sich die grünen Vögel wohl.

"Die Sittiche kommen den einheimischen Vogelarten nicht in die Quere." - Detlev Franz

Die Halsbandsittiche sind nicht nur kälteresistent, sondern auch geschickt in der Nahrungsbeschaffung: Mit ihren Schnäbeln können sie selbst harte Schalen von Walnüssen oder Kirschkernen knacken. "Damit kommen sie den einheimischen Vogelarten auch nicht in die Quere, denn das kann kaum einer von denen", so Franz. Tatsächlich stellen die Papageien für die einheimischen Vogelarten bisher kein Problem dar. Zwar brüten sie wie der Specht in Höhlen, doch nuten sie diese zu anderen Zeiten. Feinde hätten die Tiere aber auch bei uns: "Es muss sich nur ein Wanderfalke auf die grünen Sittiche spezialisieren", sagt Franz. Auch Habichte und Katzen können den Papageien gefährlich werden.

Logo